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 Das vierte Opfer, 1 Cassette
von Hakan Nesser und Rolf Hoppe
Hörkassette
Februar 2002
Verlag: Random House Audio

Kommentare und Bewertungen: Super.
   
"Na ja", sagte er, "Wie dem auch sei, er ist einer der sympathischten Mörder", den ich je getroffen habe." (Zitat von Van Veeteren, Seite 287). Das Buch hat die gleiche Qualität, wie ein Mankell, es dringt nur tiefer in die Psyche eines Menschen ein, auch wenn mir an manchen Stellen nicht ganz klar war, wie Van Veeteren auf Details gekommen ist, die für den Ausgang aber mit entscheidend waren. Der Schluß war einfach klasse. Wie Nesser die Spannung aufgebaut hat. Eigentlich müßte man das Buch zweimal lesen, um es besser zu verstehen, aber dann weiß man ja schon, wer der Mörder ist, und es wäre nicht mehr so spannend. Man erfährt von den Hauptdarsteller (z.B. Van Veeteren) wenig über das Familienleben. Nesser hat nur ein paar Details angeschnitten, den Rest hätte man sich denken können. Wenn Nesser noch mehr über die privaten Probleme geschrieb hätte, wäre das Buch fast nicht mehr zu toppen.
Spannend, aber unglaubwürdiger Plot
  
Kommissar Van Veeteren muss hier, zusammen mit seinem Helfer, Kommissar Münster, in dem idyllischen Kurort Kaalbringen, einen Serienmörder entlarven, der seine Opfer alle mit einer Axt getötet hat. Welches Motiv hat der Täter, die drei Männer, die alle neu in die Stadt gezogen sind, umzubringen? Lediglich Inspektorin Moerk, die von Beginn an sehr intuitiv an die Angelegenheit herangeht und in der Lage ist, logisch aus den vorhandenen Beobachtungen Schlussfolgerungen zu ziehen - ihr werden auch Ambitionen einer Privatdetektivin von Kommissar Münster nachgesagt - entdeckt den Täter und verschwindet spurlos...Ich habe das Buch nach der Lösung (die für mich nicht überraschend kam) ein zweites Mal gelesen. Nur dadurch werden einige Dialoge und Handlungen verständlich. Das Buch ist sehr spannend geschrieben. Dies liegt vor allem daran, dass Nesser aus der Perspektive des sogenannten "allwissenden Erzählers" berichtet, der den Ablauf der Ereignisse schon kennt. Dies wird gleich am ersten Satz deutlich: "Wenn Ernst Simmel gewußt hätte, daß er kurz davor war, das zweite Opfer des Henkers zu werden...". Nesser berichtet sowohl aus der Perspektive des Täters, als auch aus der Perspektive der Polizei und gewährt dadurch einen guten Einblick in polizeiliche Ermittlungsarbeit. Er schreibt - wie in allen seinen Werken - eher karg und knapp. Dadurch hebt er sich meines Erachtens wohltuend von seinem Kollegen Henning Mankell ab, mit dessen Wallander-Romanen er - meines Erachtens zu unrecht - verglichen wird. Sparsam setzt Nesser seine stilistischen Mittel ein. Auch die Charaktere sind psychologisch glaubhaft und sehr gut dargestellt. Aber: leider ist genau bei diesem Werk der Plot für mich nicht glaubwürdig genug. Dies wird beim zweiten Lesen deutlich. Denn die entscheidende Frage, wie Kommissar van Veetern dem Täter auf die Spur kommt, wird nicht erklärt. Bei einem solch überraschenden Schluss hätte am Ende eine Aufklärung der Ereignisse erfolgen müssen. Dies geschieht aber nicht. Die Aufklärung nämlich basiert auf einer ganz simplen Schlussfolgerung: die Tatsache, dass die Polizeiinspektorin zu einem Zeitpunkt verschwindet, an dem ein wichtiger Bericht an sie ausgehändigt wurde, beweist, aus welchem Umfeld der Mörder kommen muss. Wenn man diese Schlussfolgerung gezogen hat, weiß man, wer der Täter ist. Diese Schlussfolgerung zieht Protagonist Van Veeteren ganz offensichtlich in der Badewanne, als er über die wichtigen Schlussfolgerungen nachdenkt, die aus den Ereignissen dieses Falles zu ziehen sind (S. 212-15 der gebundenen Ausgabe). Aber über die wichtigste sich daraus ergebende Schlussfolgerung (sie ergibt sich bei genauer Lektüre auf S. 172 der gebundenen Ausgabe) wird der Leser leider nicht informiert. "Wie nun alles zusammenhing, wußte immer noch keiner" heißt es lapidar auf S. 270. So wird das entscheidende Motiv zwar aufgrund der Monologe des Täters offensichtlich (dessen Perspektive Nesser einbringt), jedoch nicht deutlich dargestellt, wie Van Veeteren auf dieses Motiv, den "Schlüssel" des Falles, kommt. Dies ist mir dann leider zu wenig und nicht glaubwürdig genug. Zwar liefert Nesser - auch dies ist erst bei der zweiten Lektüre feststellbar - äußerst raffiniert an drei Stellen Hinweise auf den Täter, dennoch bleibt neben dem Motiv für die Tat auch der Zeitpunkt der Morde für den Leser unverständlich, da es - aus Gründen, die hier nicht verraten werden sollen -, aus Sicht des Täters sinnvoller gewesen wäre, diese ein halbes Jahr später zu begehen. Fazit: Der "Plot" ist nicht glaubhaft. Der Leser wird meines Erachtens von Nesser gezielt irregeführt. Ganz im Gegensatz etwa zu seinem Band: "Der unglückliche Mörder", den ich für den besten Krimi Nessers halte. Ergo: ein durchaus spannendes Buch mit glaubwürdigen, psychologisch genau gezeichneten Charakteren, jedoch ohne glaubwürdigen Plot und einem - für mich - keineswegs überraschendem Ende.
Voraussehbar
  
In einer kleinen schwedischen Küstenstadt wird ein Yunkie ermordet, kurz darauf ein Geschäftsmann und schließlich ein junger Arzt. Alle drei werden mit einer Axt erschlagen, eine Methode, die dem Mörder den Beinamen „Der Henker" einträgt und die ganze Küste in Angst und Schrecken versetzt. Kommissar Van Veeteren, der gerade in der Nähe Urlaub macht, wird zur Unterstützung von Polizeichef Bausen und seiner Mitarbeiter abgeordert. Zusammen wird dann 250 Seiten lang ermittelt, gemütlich nordisch, fast ein wenig behäbig werden Biographien aufgerollt, Hypothesen geprüft, Unwissenheiten beklagt, das man das Gefühl bekommt, das Buch gleiche einem Brot, das aus dem Mehl für ein einziges Brötchen gebacken wurde - bis sich am Ende des Buches eine „überraschende" Lösung ( so der Klappentext ) andeutet, die für den Leser, der die Lektüre nicht wirklich im Halbschlaf verbracht hat, so überraschend allerdings nicht mehr ist. Aber Nesser hält seinen Leser immerhin bis zum Ende bei der Stange - und sei es auch nur, um zu testen, ob die schon lange vor Ende des Falles sich andeutende Lösung auch wirklich passt. Erwartungsgemäß tut sie das. Ob das aber eine Empfehlung für einen Krimi ist, sei dahingegtellt.
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