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 Mörder ohne Gesicht, 1 Cassette
von Henning Mankell, Christoph Schobesberger, Heinz Kloss, Friedrich Schoenfelder, Simon Bertling, Christian Hagitte und Moritz W.
Hörkassette
August 2002
Verlag: Dhv der Hörverlag

Kommentare und Bewertungen: Ein Kriminalroman in der Tradition von Sjöwall/Wahlöö.
   
"Mörder ohne Gesicht" (dtv 20232 - schwedische Originalausgabe 1991) ist ein Kriminalroman von Henning Mankell, einem der meistgelesenen und vielfach ausgezeichneten Schriftsteller in Schweden. Er folgt der schwedischen Tradition insbesonders von Sjöwall/Wahlöö und wurde 1992 zum besten Kriminalroman Schwedens gekürt. Hauptfigur auf der Jagd nach dem "Mörder ohne Gesicht", der ein Ehepaar auf einem Bauernhof brutal ermordet hat, ist Kommissar Kurt Wallander. Für ihn und sein Team liegt einerseits das Motiv Tat völlig im Dunkeln. Andererseits irritiert die ermittelnden Polizisten die unerklärliche Brutalität der Tat. Da die letzten Worte der ermordeten Bäuerin "Ausländer, Ausländer" waren, kommt es nach Durchsickern dieser Information an die Öffentlichkeit zu ausländerfeindlicher Gewalt, die Kommissar Wallander zu Ermittlungen in einem weiteren Mordfall veranlassen. Dieser kann rasch gelöst werden, doch die Aufklärung des Mordes am bäuerlichen Ehepaar kommt nicht voran. Es stellt sich im Lauf der Untersuchungen heraus, daß der ermordete Bauer ein Doppelleben geführt hat und überraschend viel Geld besaß. Aber alle diese Spuren führen nicht weiter, bis klar wird, wie der Mörder auf die Mordopfer gekommen ist. Bei einem ähnlichen Versuch - ein Mordopfer ausfinding zu machen - wird Monate später der Fall geklärt. "Mörder ohne Gesicht" ist ein spannender Kriminalroman im ländlichen schwedischen Milieu, der sich seines Preises würdig erweist.
Der erste Fall des Kurt Wallander
  
Was macht einen großen Kriminalroman aus? Zunächst die spannende Handlung, die interessanten Charaktere, dann vielleicht die sprachliche Gestaltung und die glaubwürdige Handlung (Realitätsnähe).Meine Erwartungen an den ersten Fall des Kurt Wallander waren ganz anders gewesen, als dass, was ich vorgefunden habe. Die Handlung war gar nicht in erster Linie spannend und "dicht", sondern ausschweifend. Es geht oft um die Gefühlswelt des Kommissars, seine persönlichen Bindungen (Frau, Tochter, Vater). Kurz gesagt: Seine familiären Verhältnisse sind einigermaßen zerrüttet. Seine halbherzigen Versuche, hier wieder Ordnung zu schaffen, scheinen durch seine Erfüllung im Beruf zum Scheitern verurteilt zu sein. Seine Träume und Wünsche lassen nicht erkennen, wohin er wirklich will. Der Mordfall hingegen gibt ihm ein Ziel: So brutales Vorgehen muss aufgeklärt werden. Der "Werte-Mensch" Kurt Wallander steht im Vordergrund. Er hat "gute Freunde", die ihm aber auch nur im Beruf helfen. Seine privaten Ziele treten immer zurück. Dennoch brechen seine Wünsche für sein Privatleben in Traurigkeit, Ratlosigkeit und Zweifeln immer wieder hervor. Er will seine Ehe wieder in Ordnung bringen, träumt von einer anderen Frau und ist enttäuscht als eine attraktive Staatsanwältin sich als verheiratet erweist. Der Kommissar Wallander steht in dieser persönlichen Sicht sehr angreifbar und verletzlich dar. Irgendwie kann er es nicht allen recht machen. Anders im Beruf. Dort nimmt er Hilfe gern in Anspruch, verzweifelt an den Bürokraten und stellt sich dem opportunistischen Getöse der politischen Instanzen entgegen. Er tritt gegen die Ausländerfeindlichkit ein und prangert Mißstände an. Das Buch hebt zwar den Zeigefinger, liefert vielleicht in dieser Hinsicht auch ein Vorbild, ist jedoch alles andere als belehrend. Die Welt ist wie sie ist und auch Wallander muss das erkennen. Trotz aller Skepsis über die gesellschaftliche Entwicklung (zunehmende Kriminalität z. B.) geht er beruflich trotzdem seinen Weg. Mankell strickt dabei kräftig am Pathos des sich selbst aufopfernden Kommissars im Kampf gegen das Böse. Aber er beziffert auch den Preis.
Als Wallanders Anfang wichtig - aber es gibt bessere!
  
„Mörder ohne Gesicht", das erste Buch der Wallander-Reihe, habe ich leider erst nach 5 anderen, logischerweise späteren aus der Reihe gelesen und war, nach eben diesen anderen, etwas enttäuscht. Natürlich ist es an sich positiv, wenn das erste Buch einer Folge durchschnittlich ist und es dann immer besser wird. Ich hätte mir also gewünscht, dieses Buch als erstes gelesen zu haben und nicht abgeschreckt zu sein. Denn in der chronologischen Reihenfolge ist es schon sinnvoller, da man dann den Kommissar von Anfang an kennen lernt und nicht durcheinander kommt. In diesem ersten Buch erfährt man viel über Wallanders Privatleben, das einem sonst fehlt. Diese Seiten, die eigentlich nichts mit dem Mordfall zu tun haben, sind eigentlich die interessantesten. Deshalb würde ich jedem dazu raten, der neu in die Wallander-Reihe einsteigen möchte, „Mörder ohne Gesicht" als erstes zu lesen, aber nicht allzu enttäuscht zu sein, es nur als Auftakt zu sehen, und dann auf eine Steigerung gefasst zu sein. Das Thema des ganzen soll Rassismus sein, ausländische Täter und die Reaktion der Gesellschaft. Ich finde, das hätte man besser erzählen können. Es bleibt hier bei Floskeln. Es ist nicht nur die Geschichte, auch der Erzählstil ist etwas fade. Spannend fängt es trotzdem an und bleibt es auch eine Weile, löst sich aber am Ende enttäuschend auf. Die Mörder haben nichts zu tun mit allen Spekulationen, leider waren die Opfer wahllos. Wer ist da nicht enttäuscht als Wallander-Fan?
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