Der Untergang, 3 Audio-CDs


Der Untergang, 3 Audio-CDs
von Joachim C. Fest, Hans P. Hallwachs und Udo Schenk
CD
September 2004
Verlag: Der Audio Verlag, Dav



Kommentare und Bewertungen:
Kuchenfressende Monster und Pressetermine bei Kerzenlicht
Das Ende des Dritten Reiches oder dessen, was davon übrig war, wurde allerspätestens 1945 auch zur Götterdämmerung für die Führungselite des NS-Regimes. Das Leben im Bunker, abgeschottet von den oberirdischen Kriegszerstörungen, spielte sich ein zunehmend skurriles Leben ab. So muss man sich Hitler als kuchenfressendes Monster mit Speichel im Mundwinkel und Flecken auf dem Hemd vorstellen. Immer wieder gab es dazu die illusionäre Hoffnung auf eine Kriegswende, der "Führer" des deutschen Reiches "spielte" auf der Landkarte mit Armeen oder Armeeteilen, die in Wirklichkeit schon gar nicht mehr existierten.
Kam die NS-Führung noch einmal ans Tageslicht, so um das allerletzte Aufgebot an Hitlerjungen zu betätscheln (Hitler an seinem letzten Geburtstag) oder um allerletzte Pressekonferenzen abzuhalten, die aus Ermangelung an Lampen bzw. Strom bei Kerzenschein abgehalten werden mussten.
Im Bunker drehte sich zum Schluß nur noch alles daran, wie man alles zu Ende bringen könne. Während sich die einen aus dem Staub machten, blieb den anderen nur der Weg des Suizids, um sich vor Kriegsgefangenschaft und Todesurteil zu retten.
Joachim Fests "Der Untegang" bietet einen erschütternden Einblick in die letzten Wochen des 3. Reichs und seiner Führungsspitze. Ein Muss für jeden Zeitgeschichts-Interessierten!


Gut, aber die Schilderung bringt nichts Neues
Joachim Fest ist ein guter Erzähler. Dies wird an dem vorliegenden Buch deutlich, in dem er die letzten Tage des Dritten Reiches Revue passieren lässt. Der Wahnsinn des bis zuletzt absolut herrschenden Diktators Hitler wird gut verdeutlicht. Nicht zuletzt dient das Buch als Vorlage zu dem neuen Film von Bernd Eichinger, der zur Zeit in den Kinos anläuft. Dies war Anlass für mich, das Buch erneut zu lesen. Trotzdem habe ich mich gefragt: Warum dieses - sicherlich brilliant geschriebene - Buch? Es bringt gegenüber dem von Fest selber zitierten Werk von Hugh R. Trevor-Roper, der bereits 1946 in: "Hitlers letzte Tage" dessen "Untergang" im Führerbunker eindrucksvoll beschrieben hat, nichts Neues. "Bis heute ist dieses Licht kaum schärfer geworden" bilanziert Fest, auf Trevor-Roper eingehend. Ein grosses Versäumnis sei es gewesen, so Fest, dass Trevor-Ropers Untersuchung erst Monate nach den Ereignissen eingesetzt habe, als wichtige Zeugen verschwunden waren. Die 1955 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden Zeugen wurden nicht befragt - ein grosses Versäumnis, wie Fest es empfindet. Es gibt auch die - auch verfilmten - Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge und - last not least - Fests umfangreiche Hitler-Biographie von 1973, erneut aufgelegt 1998. Aus diesem Werk wird einiges hier seitenweise wiederholt, etwa das Kapitel: "Konsequenz oder Katastrophe: Hitler in der deutschen Geschichte. Hier lehnt Fest eindeutig die These, es habe von Friedrich dem Großen über Bismarck bis Hitler eine Kontinuitätslinie in der deutschen Geschichte gegeben, ab. Dieser Abschnitt - der sich in Fests Hitler-Biographie ebenfalls findet, ist eine der besten Darstellungen über die langfristigen Ursachen von Hitlers Machtübernahme 1933 und führt ausgezeichnet in die Geistes- und Mentalitätsgeschichte der Deutschen im letzten Jahrhundert ein.

Fazit: Für diejenigen, die Fests Hitlerbiographie - neben Haffners: "Anmerkungen zu Hitler" die bis heute beste Publikation über den deutschen Diktator - nicht lesen wollen - sie ist weit über 1000 Seiten stark - der ist mit diesem Werk gut bedient.

Neuigkeiten gegenüber Trevor-Roper oder Fests eigenen Feststellungen von 1973 habe ich jedoch nicht gefunden. Und die Tatsache, dass keine neuen Fakten gegenüber diesen früheren Erkenntnissen angeboten werden, macht es weniger wertvoll für Wissenschaftler, wenn auch die außerordentliche Plastizität und die großartige Schilderung dieses Zeitabschnittes den grandiosen Erzähler Fest - der er neben dem Historiker Fest eben auch ist - verrät. Daher auf jeden Fall trotz des Mangels an wirklich Neuem lesenswert.


keine neuen Erkenntnisse
bringt das neue Buch " der Untergang " von Joachim Fest. Er selbst rechtfertigt die Veröffentlichung des Textes damit , daß es bis dato keine umfassende Beschreibung der letzten Tage im Führerbunker im sterbenden Berlin gäbe.

Doch hier irrt der Autor. Abgesehen von einigen von ihm selbst zitierten Essays verschiedender Autoren hat er sich in seiner umfassenden Biographie über Hitler selbst bereits recht ergiebig mit diesem Thema befasst. Es kann also kaum verwundern, wenn die Kenner dieses ( brillianten ) Buches von " der Untergang " eher entäuscht sein dürften, zitiert sich Fest doch über weite Strecken der 200 Seiten einfach selbst; dies tut er aber gut und sein gewohnter fesselnder Erzählstil tut sein übriges, um die Anschaffung dieses Buches empfehlenswert zu machen.
Es bietet ein guten Einblick in die absurde Gedankenwelt Hitlers und in die bizarre Bunkerwelt der letzten Tage des dritten Reiches, in der Geisterarmeen auf Landkarten verschoben wurden und in der Kantine getanzt wurde während Hitler sich das Leben nahm .

Wer bisher nicht die Zeit und die Geduld hatte, sich die bereits oben erwähnte Biographie des Autors über Hitler zu Gemüte zu führen, die immerhin mit 1000 eng bedruckten Seiten kein Leichtgewicht ist, oder aber ein Neuling auf der Ebene dieser historischen Materie ist, der wird von " der Untergang " nicht entäuscht werden.

Für alle anderen aber ist Vorsicht geboten.


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