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 Der Name der Rose. SZ-Bibliothek Band 2
von Umberto Eco und Burkhart Kroeber
Gebundene Ausgabe
27. März 2004
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek

Kommentare und Bewertungen: Mehr, als nur ein Detektivroman
    
Dieses Buch ist meines Erachtens für den (historischen) Kriminalroman, was Tolkiens "Der Herr der Ringe" für die Fantasy oder Stokers "Dracula" für den Vampirroman ist. Alles wird sich daran messen müssen, noch nichts hat es bislang erreicht. Dass der Name von Ecos Detektiv ausgerechnet an einen Sherlock- Holmes-Roman Doyles erinnert, wage ich nicht als Zufall anzunehmen. Baskerville bedient sich der gleichen deduktiven Herangehensweise und Schärfe wie der berühmte Kriminalist aus London, der wiederum sehr an Poes Dupin erinnert. Doch Eco kupfert nicht ab - er erschafft glaubwürdige Figuren und mit ihnen eine ganze Zeit, die sich im Geist des Lesers immer konkreter auszuformen mag. Finsteres Mittelalter zwar, dass jedoch vom aufklärerischen Geist eines vorweggenommenen Kant erhellt wird - wenngleich auch nur für Augenblicke. Neben der brillianten Haupthandlung führt uns Eco immer wieder in die Tiefen (oder Abgründe) des christlichen, mittelalterlichen Glaubens und der perversen Blüten der Inquisition sowie der Philosophie als Gegenpol, das Ganze nicht selten auf Latein (natürlich mit Übersetzungen und Anmerkungen am Ende). Wer glaubt keine Freude mehr am Buch zu haben, da er oder sie den Film gesehen hat, dem/der sei versichert: es lohnt sich! Der Film war gut, die Darsteller brilliant, die Atmosphäre düster. Und dennoch: es gibt unfassbare Änderungen zum Roman, allein darin, wer überlebt und wer stirbt. Im Buch findet sich kein vor Clichés triefendes Ende, alles geht viel mehr in die Tiefe. Das ist dem Film nicht unbedingt vorzuwerfen, verfolgte er doch eigene dramaturgische Regeln. Dem Buch ist es jedoch hoch anzurechnen. "Der Name der Rose" ist der Historienkrimi, der unerreicht bleiben wird.
Wenn sich Theoretiker an der Praxis versuchen ...
    
... dann kann das durchaus auch großartig ausgehen. Umberto Eco, seines Zeichens ein ganz wesentlicher Vertreter der Semiotik, lange Jahre ein führender Kritiker in Italien, hat es geschafft, sein theoretisches Wissen darüber wie man gute Bücher schreibt in die Praxis umzusetzen.Bei der Rezension dieses Werkes kommt man eigentlich nicht umhin es mit dem gleichnamigen Film zu vergleichen. Dieser Vergleich fällt wie so häufig eindeutig zugunsten des Buches aus. Wenngleich ich den Film immer sehr gemocht habe, hatte ich immer sehr viele unklare Punkte in der Handlung entdeckt, die ich irgendwie nicht ganz miteinander verflechten konnte. Im Buch gibt es diese Probleme nicht; Eco erschafft ein Bild des mittelalterlichen Klosterwesens das seinesgleichen Sucht. Dies aber ist letztlich nur die Rahmenhandlung für das wirklich gelungene Bild der mittelalterlichen Machtkämpfe innerhalb der Kirche ebenso wie zwischen Papst und Kaiser. Wenngleich sich Eco auch seitenlang mit Details beschäftigt so muss man dennoch festhalten, dass die Story sehr dicht ist. "Ich wollte einen Mönch vergiften", hat Eco später gemeint und das sei der Ausgangspunkt für dieses Werk gewesen. Nun er hat mehrere Mönche vergiftet und eine interessante Kriminalhandlung als Hintergrund geschaffen. Aber Eco konnte es nicht lassen und musste diese Kriminalhandlung natürlich in einen für den Geist sehr fordernden Bereich ansiedeln - letztlich wird die Kriminalhandlung zum Nebenschauplatz. Die Schilderung der größeren Konflikte übernimmt sehr bald die Führung und macht das Buch damit so unendlich kostbar. Besonders interessant ist die Herausarbeitung der vielen religiösen Strömungen der Zeit, etwas das in der Verfilmung gänzlich ausgelassen wird. Beachtenswert ist jedenfalls auch die Art und Weise wie Eco es schafft die Verstocktheit der damaligen Amtskirche aufzuzeigen ohne dabei ins niveaulose abzugleiten. Weiters sollen hier die beiden Protagonisten kurz beschrieben werden. Da ist einerseits William von Baskerville der seine Vorlage zweifellos in Sherlock Holmes findet, er ist ein exzellenter Beobachter der die holmsche "Deduktion" in exakt der gleichen Weise betreibt. William ist auch weit über den Aberglauben seiner Zeit erhaben, fast möchte man sagen er ist ein aufgeklärter Mensch der Neuzeit und kein Ordensbruder des Mittelalters - aber in Wahrheit gelingt Eco der Hochseilakt, die Figur des William ist kein Anachronismus. Andererseits ist der Icherzähler Adson von Melk zu erwähnen. Er schreibt zwar das Buch als Greis, aber nur selten kommt diese große Lebenserfahrung durch. Die meiste Zeit sieht man die Handlung durch die Augen eines Novizen - der täglich die Welt verwundert kennen lernt. Die sprachliche Qualität des Werkes ragt deutlich aus der Masse heraus, Eco versteht es mit Worten zu spielen. Das Werk ist natürlich kein Roman, den man nebenher einfach liest - das Lesen dieses Buches fordert schon ein gehöriges Maß an Aufmerksamkeit. Dennoch bleibt es aber immer lesbar im Sinne von verständlich und nachvollziehbar. Ecos sprachliche Gewandtheit stellt eine enorme Herausforderung auch an den Übersetzer dar. Diesem muss man daher ebenfalls ein großes Kompliment aussprechen. Das Gesamturteil kann nur so ausfallen, dass ich diesem Buch ohne Einschränkungen die Höchstnote zuteil werden lasse. Interessante Story, lehrreiche aber nicht belehrende "Hintergrundberichterstattung", ausgezeichnete Recherche, sauber abgeschlossene Handlungsstränge ohne dem Leser seiner Phantasie zu berauben, sprachlich höchstklassig - mehr kann man von einem Roman nicht erwarten.
stellenweise langatmig, doch das Durchhalten lohnt sich
   
Umberto Eco sagte einst selbst in einem Interview, dass es nur dem, der die ersten 100 Seiten "durchhalte", erlaubt sei, in das Geschehen gänzlich einzutauchen. Hätte ich das vor Lesebeginn erfahren, wäre ich nicht ganz so schockiert gewesen, dass z.B. auf endlosen Seiten das Portal einer Kirche in allen Einzelheiten beschrieben wird... Dies stellt meiner Meinung nach die längste Durststrecke dar. Wenn man diese jedoch überwunden hat, findet man sich in einer vollkommenen Geschichte wieder, die es wert ist, sie in einem Stück bis zum Ende durchzulesen. Der Leser ist dazu geneigt zu glauben, dass es sich bei der Erzählung nicht um Fiktion, sondern um eine wahre Geschichte handelt, da der Autor die Geschichte in eine Rahmenerzählung bettet, laut der er ein Manuskript fand, das ihm jedoch gestohlen wurde und nun schreibe er aus der Erinnerung heraus die Geschichte auf: Der alte Adson von Melk erinnert sich zurück an die Zeit als er Novize des William von Baskerville war und mit ihm eine spannende Zeit erlebte. Auch der gesamte Inhalt, die Sprache an sich und der Aufbau lassen den Leser glauben, es könne alles genau so im Mittelalter passiert sein. Wer schon den Film zum Buch gesehen hat, dem sei gesagt, dass dieser nicht ansatzweise so gut ist, wie das Buch selbst. Im Film wird zum Beispiel der Grund, warum William und Adson in das Kloster kommen nur oberflächlich abgehandelt - William soll ein Treffen zwischen Franziskanern und Gesandten des Papstes vorbereiten. "Der Name der Rose" scheint ein Kriminalroman zu sein, ist im wahren Kern jedoch ein Roman über die Religion und Philosophie des Mittelalters. Alles in Allem finde ich den Roman sehr lesenswert und wie bereits im Titel der Rezension gesagt: stellenweise langatmig, doch das Durchhalten lohnt sich. Versprochen.
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