Hörbuch         Achtung Vorurteile, 1 Audio-CD


Achtung Vorurteile, 1 Audio-CD
von Peter Ustinov
CD
März 2004
Verlag: Hoffmann & Campe



Kommentare und Bewertungen:
Ustinov's Liebingswaffe: Der Humor!
„Achtung! Vorurteile" ist weitgehend in dem Stil geschrieben, in dem Ustinov auch erzählt hat. Selbst schwierige oder tragische Themen werden mit der ihm eigenen Leichtigkeit präsentiert. Das fällt ihm besonders leicht, wenn er von seiner Bewunderung für den früheren amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter spricht oder von seinem Freund, dem ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Selbst wenn er über ernste Themen, wie den Irak-Krieg befindet oder über „George Doublejuh" herzieht, ist das immer mit einem Augenzwinkern. Er wird nie respektlos oder unfair. Gerade bei Dingen, die ihn unangenehm beschäftigen, bedient er sich seiner Lieblingswaffe, des Humors.


Ein Buch das alles abdeckt und die Größe eines Mannes zeigt
Sicherlich nicht eines der leichtestesn Bücher von Peter Ustinov, aber nicht umsonst hat er es als sein Vermächtnis betitelt. Große Neueigkeiten waren nicht zu erwarten, wie auch wenn sein leben mehr als gut dokumentiert, aber um das geht es heir nicht. Es geht um Vorurteile, ein Problem das Kriege, vernichtung und Gewalt über die Menschhheit gebracht hat. Der Auto versteht es einerseits heiter, aber auch sehr ernst dem Leser dies zu vermitteln. Nein er belehrt dem leser nicht, er schafft es zum Nachdenken anzuregen um die eigenen Vorurteile, wenn man auch dabei sehr oft ein Schmunzeln auf den Lippen hat.
Eines der Top 10 Bücher die ich gelesen habe.


tennis mit dem papst
"der chef: gestatten, despotowitsch. sein untergebener: gestatten, vasallowitsch!" - mit diesem kleinen seitenspot auf ein von ustinov beschriebenes kroatisches filmteam erhellt sich vielleicht am zügigsten das konzept seines neuesten buches - eines, von dem er sagt, es werde eventuell sein vermächtnis sein: ustinov stellt wie üblich humorvoll, manchmal staunend, oft aber auch mit tiefem schrecken dar, wie die geschichte der menschheit als eine geschichte verheerender vorurteils-produktionen begriffen werden kann: von nero bis bush, von pol pot bis auschwitz, vom monotheismus bis zum terrorismus: ustinovs beispiele machen nachdenklich - und fördern die fähigkeit, zu erschrecken. ustinov, der als das beste gegenmittel zum vorurteil den zweifel nennt, erlaubt sich sogar, die verteufelung des terrorismus in zweifel zu ziehen, wenn er (aphoristisch perfekt) formuliert: "der terrorismus, der im furchtbaren 11. september kulminierte, ist ein krieg der armen gegen die reichen. der krieg ist ein terrorismus der reichen gegen die armen." an drei europäischen universitäten (wien, budapest, durham) hat ustinov die einrichtung von lehrstühlen zur vorurteils-erforschung initiiert. für den wiener lehrstuhl gewann ustinov den psychoanalytiker horst-eberhard richter, der im sommer 2004 dort seine vorlesungen unter dem titel "kreuzzüge" aufnehmen wird. das buch ustinovs ist ein kreuzzug für den zweifel - und auf seitenpfaden immer noch einer für die ironie als kreative erkenntnis-methode. gerne zitiert er lessing: "das lachen erhält uns vernünftiger als der verdruss." und wenn er toni schumacher "choumakkär" buchstabiert, weil die franzosen sich über ihn aufregten, oder wenn er argwöhnt, der papst wolle gar nicht mit ihm tennis spielen (er erhielt ein schreiben, bei der nächsten audienz doch bitte seinen schläger mitzubringen) - womöglich wolle der heilige vater ihm "hinter der racket-bespannung nur die beichte abnehmen" - dann wissen wir: dieser ustinov ist unersetzlich...


Amüsantes Buch - ernstes Thema - Ustinovs Vermächtnis.
Sir Peter Ustinov hat in diesem Buch, das kurz vor seinem Tod erschienen ist, ein wichtiges Thema besprochen, das ihn zeitlebens begleitet hat. Es geht um Vorurteile und ihre verheerende Wirkung in der Politik.

Mit unnachahmlich vergnüglichem Erzählstil hat sich Ustinov in kurzen Kapiteln dem Vorurteil in seinen vielen verschiedenen Erscheinungsformen genähert. Jedes Kapitel für sich allein genommen ist bereits ein kleines Meisterwerk zum Thema, das sich wie ein roter Faden durch sein Leben als Kosmopolit zieht. Schon als Sechsjähriger muß der kleine Peter in der Schule erfahren, was Vorurteile der anderen für den Einzelnen bedeuten können, und im Laufe seines bewegten Lebens auf dem internationalen Parkett begegnet ihm der alte Feind, das Vorurteil, immer wieder in neuen Varianten.

Ustinov gelingt es dabei fast immer, auch den unangenehmsten Begebenheiten noch eine komische Seite abzugewinnen. Nur in wenigen ganz krassen Fällen wird sein Ton einmal scharf. Sein Buch ist aber insgesamt äußerst unterhaltsam, und dabei intelligent und von tiefer innerer Wahrheit. Ein Querdenkerbuch von einem weitblickenden Menschenfreund geschrieben, der zeitlebens viele verschiedene Berufe ausübte und in allen brillierte.

In dem Buch hat Peter Ustinov aber nicht nur eine bunte Kollektion von selbsterlebten Geschichten über Vorurteile zusammengestellt, er analysiert auch das Zustandekommen und will Vorurteile nun wissenschaftlich erforschen lassen, um sie besiegen zu können. So erfahren wir, daß es durch Ustinovs Initiative mittlerweile drei Stiftungslehrstühle zur Vorurteilserforschung gibt: in Durham, Budapest und Wien.

Ich halte dieses Buch und seine Botschaft für einen der intelligentesten neuen Ansätze zum Kampf gegen das Vorurteil. Danke, Sir Peter!


Ein lesenswertes Vermächtnis
Wie wahrscheinlich viele kannte ich Sir Peter Ustinov bis vor kurzem nur als Schauspieler. Als solcher faszinierte er mich aber schon von klein auf. Richtig neugierig auf diesen außergewöhnlichen Mann wurde ich durch einen seiner letzten Fernsehauftritte. In diesem Interview liess er in der ihm eigenen, verschmitzten Art durchblicken, wie viel er uns Jüngeren mitzugeben hatte.
In seinem Buch tut er genau das: er gibt uns, die wir ihn nun überlebt haben, einen kleinen Teil seiner vielseitigen und reichen (Lebens-) Erfahrung mit auf den Weg. Kaum ein anderes Buch hat mich bislang so unterschiedlich angeregt wie dieses: vom Lachen über's Staunen bis hin zum Nachdenken war beim Lesen alles möglich. (Leider verliert das Buch gegen Ende etwas den "roten Faden", deshalb nur 4 * - ein Fehler, der nicht zuletzt auf die Auswahl und Zusammenstellung der Kapitel durch die Publizisten zurück zu führen ist!)
Letztlich setzten sich bei mir zwei Erkentnisse fest: 1. Vorurteile gehen uns alle an, mehr als wir es uns eingestehen möchten und 2. man sollte Sir Peter Ustinov nicht nur als Schauspieler in Erinnerung behalten, sondern unbedingt mehr von ihm lesen. Wenn man sich auf seine Gedankenspiele einlässt, erfährt man unweigerlich eine Horizonterweiterung! Und genau das ist es, was Sir Peter uns hinterlassen wollte: einen neuen Blickwinkel auf vermeintlich Altbekanntes oder völlig Unbekanntes.


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