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 Andorra, 2 Audio-CDs
von Max Frisch, Peter Brogie, Kathrin Schmid und Ernst Schröder
CD
Juli 2001
Verlag: Universal Music

Kommentare und Bewertungen: Eines der besten Dramen der Gegenwart
    
Die Lebenslüge des Lehrers Can, mit der er sich und seine Familie zerstört, steht im Mittelpunkt von Frischs Drama „Andorra". Um seine Beziehung zu einer Ausländerin und das aus dieser Beziehung entstandene Kind namens Andri geheim zu halten, gibt er Andri als ein Waisenkind aus, das er vor den „Schwarzen" zur Zeit der Judenmorde gerettet hat, und somit in Andorra zu einem Held wurde. Doch als Andri sich in seine Halbschwester Barblin verliebt und auf Grund von Vorurteilen von den Andorranern benachteiligt wird, gerät Cans heile Welt ins Wanken. Er erkennt, dass er verpflichtet ist die Wahrheit zu sagen, was ihm unheimlich schwer fällt. Somit nimmt Andri allmählich die Vorurteile an, die ihm tagtäglich von den Andorranern entgegengehalten werden. Als dann die „Schwarzen" in Andorra einfallen, ist es für die Wahrheit zu spät. Niemand will ihm mehr glauben - auch Andri nicht. Bei einer Judenschau wird Andri wegen der von ihm angenommenen Verhaltensweisen entlarvt und exekutiert. „Andorra ist der Name für ein Modell" sagt Max Frisch und gibt damit zu verstehen, dass dieser Roman exemplarisch das Mitläufertum während des Nationalsozialismus schildert. Schockierend ist das Selbstbild der Andorraner, deren „größte Waffe" ihre „Unschuld" ist - wie sie über sich sagen. Dabei sind sie doch am Tode Andris schuld. Meiner Meinung nach gehört „Andorra" zu den besten deutschsprachigen Dramen der Gegenwart. Das Buch ist leicht zu lesen und doch sehr bewegend. Zu dem selben Thema empfiehlt sich auch: Gotthold E. Lessing, „Nathan der Weise"
Die Schule kann auch nützlich sein
    
Als mein Deutschlehrer sich mit seiner "hallo ihr dummen Kinder ich habe wieder was um euch zu quälen" Miene vor uns aufbaute dachte ich nur "du scheiße was kommt jetzt wieder. Und wie sollte es anders sein er brummte uns eine Lektüre auf. Also rannten alle Kinderchen am selben Nachmittag in die Buchhandlung und bestellten Andorra. Die Verkäuferin muss sich krankgelacht haben, denn die meißten Schüler wohnen im selben Ortsteil und gingen somit alle in die gleiche Buchhandlung. Dann war unser Deutschlehrer 2 Monate Krank und wir hatten genug Zeit unser Buch zu lesen. Anfangs fand ich es schrecklich. Was sollte man auch von einem Drama halten, dass man für den Unterricht und nicht aus eigenem Interesse liest.Zumal ich sonst Fantasy bevorzuge. Aber nach den ersten drei Bildern fing es sogar an mir richtig gut zu gefallen. Nach den zwei Monaten haben wir einige Teile des Buches gründlich besprochen und Probleme thematisiert. z.B. was der Begriff Modell auf "andorra" bezogen bedeutet oder den zusamenhang des 2.und 7. Bildes. Und nach zwei Wochen schrieben wir die klassenarbeit. Jetzt bin ich gespannt was bei rumkommt. Die fragen waren, welches Problem Andri hat (bezogen auf Bild zwei und 7), und ob unserer Meinung nach der Pater Andri mit seinen Ratschlägen hilft.Ich denke dies ist keine Hilfreiche Rezension für sie zum Inhalt des Buches, ich wollte auch eigentlich nur erläutern wie wir als 8. Klasse dieses Buch behandelt haben und das Lehrer doch nicht alle so grausam sind und uns nur Müll beibringen den man eh nicht mehr braucht. Diese Lektüre ist zum Nachdenken über ein Thema was nicht frei erfunden ist sondern uns wirklich beschäftigen sollte. Danke an unseren Deutschlehrer der uns in mehreren Hinsichten malwieder weitergebildet hat.
Zwar alt, aber trotzdem noch aktuell
    
Rezension zu Andorra: 1.)In dem Stück "Andorra" von Max Frisch aus dem Jahre 1961 geht es um die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer unterschiedlichen Religion. In dem Buch wird Andri von den Bewohnern von Andorra ausgeschlossen, weil er angeblich ein Jude ist. Der eigentliche Vater Andris ist aber ein Andorraner und gibt seinen Sohn als Juden dar, weil dessen Mutter eine andere religiöse Abstammung hat und er dies seinen Landsleuten vor Angst nicht zugeben kann. Der Vater nimmt Andri als Adoptivkind auf , doch dieser wird von den Andorranern später zum Tode getrieben, weil ihm eine Straftat vorgeworfen wird, die er eigentlich nicht begannen hat. 2.)An dem Stück "Andorra" hat mir besonders das Verhalten von Andri gefallen, wie es sich im Laufe der einzelnen Kapitel entwickelt hat. Er wollte den eigentlichen "Juden" nicht annehmen, weil er behauptete, dass er nicht anders sei als die Andorraner. Doch später hat er es abgelehnt, kein Jude zu sein. Daran kann der Leser gut erkennen, dass Vorwürfe und Vorurteile die Lüge zur Wahrheit machen können. Mir haben auch die einzelnen Vordergründe zwischen den einzelnen Kapiteln gefallen. Diese Strukturierung des Buches unterscheidet sich nämlich von allen anderen Büchern. 3.)Die Sprechweise, die im Stück "Andorra" ist nicht identisch mit der heutigen Sprechweise. Deshalb war es einwenig schwierig, manche Stellen im Buch zu verstehen. Dies fand ich nicht so gut. Vom Inhalt her gesehen fand ich es nicht gut, dass Andri auch einen Vergewaltigungsversuch an die Barblin gemacht hat und sie einfach beschuldigt hat, dass sie freiwillig mit dem Soldaten geschlafen hat, obwohl sie keine Schuld trug, weil sie vom Soldaten vergewaltigt wurde.
Großartiges Buch!
    
Ich habe dieses Buch in der Schule gelesen und war begeistert, schockiert und traurig gleichzeitig. In Andorra wird ein eigentlich normaler, glücklicher zwanzigjähriger Junge namens Andri vor unseren Augen einfach zerstört, langsam, systematisch. Wie einer Blüte, so wird seinem Menschsein Blatt um Blatt abgerissen, bis schließlich nur noch ein armes, zerrissenes Etwas übrigbleibt. Das Böse um ihn herum ist aber nicht in seiner großen Form, sondern als Vorurteil, als Gleichgültigkeit und als Feigheit, als bürgerliche Angst - die Menschen von Andorra denken Andri sei ein Jude - jedoch hat der Lehrer, Andris Vater, damals nur eine Lüge verbreitet. Jetzt - wo Andri erwachsen ist - zeigen ihm die Leute in Andorra, was sie von einem Jud halten. Allesamt sind Schuld an Andris Tod, zu dem es im letzen Bild des Buches kommt. Er wird an "den Pfahl gebracht" - da die Andorraner ihn - zwar in unterschiedlichen Schuldanteilen, aber dennoch kollektiv - durch ein einfaches, mieses Vorurteil das Menschein, das Glücklichsein, das Leben zerstört haben. Das ganze schildert Max Frisch spannend und schafft interessante Charakterbilder (z.B. den mit nationalen Phrasen herumwerfenden Doktor Ferrer. Pflicht auf dem Lehrplan! Unbedingt lesen!
Vordergründig einfach, aber...
   
Das Buch beschreibt vordergründig mit einfachen aber nicht minder eindrucksvollen Bildern die Problematik von Vorurteilen gegenüber Anderen. Die einseitige und falsche Betrachtung von Menschen kann sogar soweit führen, dass der vermeintlich Andere (im Stück Andri, der Jude), der in Wirklichkeit sogar ein ganz "normaler" Mitbürger ist, zu einem Andersartigen gemacht wird. Andri fühlt sich selber als Jude, da es ihm solange eingeredet worden ist. Dies ist die kritische Stelle des Stückes: Frisch will aufzeigen, dass Vorurteile sich quasi von selbst bestätigen (ähnlich wie Horoskope="self-fullfilling prophecies"), wenn man sie nur lange genug wiederholt und krampfhaft nach ihnen sucht. Andri sieht an sich selber auf einmal die angeblich typischen Merkmale eines Juden wie Geldgier und Gefühlslosigkeit. Andris Schwester will ihn vor der Judenschau retten, denn er ist doch gar kein Jude. Dies ist aber problematisch. Die Schwester kämpft nicht allgemein gegen die falschen Vorurteile gegenüber Juden, sondern nur gegen die falsche Behauptung, Andri sei ein Jude. Dies kann aber leicht missverstanden werden, denn dadurch bestätigt sie ja indirekt die Vorurteile, sie gelten aber für ihren Bruder nicht, denn er ist ja kein Jude. Zwar lässt Frisch Andris Vater im zwölften Bild sagen: "Was, Judengeld? Euer Geld, unser Geld. was habt ihr denn anders in euren Taschen?", was man als Zeichen dafür ansehen kann, dass Frisch sagen will: Wir sind alle gleich. Die angeblich so geldgierigen Juden benutzen das gleiche Geld wie wir. Wir stecken es doch auch in unsere Taschen! Trotzdem hat das ansonsten sehr gute Stück den Makel der Zweideutigkeit, die Unsicherheit zwischen Bestätigung der Vorurteile und Aufruf zur Abschaffung derer. Diese könnte vielleicht mancher Leser falsch verstehen. Ansonsten aber ein sehr gutes Lehrstück über die Menschen und ihre immerwährende Borniertheit! P.S. Warum nennt Frisch sein Stück eigentlich "Andorra", obwohl es mit dem realen Kleinstaat nichts zu tun hat? Dienliche Hinweise bitte per E-Mail.
Ein Theaterstück als Buch geglückt
   
In dem Theaterstück "Andorra" von Max Frisch aus dem Jahre 1961 möchte Frisch anhand seine Protagonisten Andri die Vorurteile in unserer Gesellschaft aufzeigen. Andri wird von allen für einen Juden gehalten und hält sich selber ebenfalls für einen solchen. In jungen Jahren beeinflusst dies sein Leben noch nicht, später jedoch führt dies zu Ausgrenzung und zu beruflichen Nachteilen. Als seine Ziehvater ihm im Verlaufe der Geschichte gesteht, dass Andri wahrhaftig ein Andorraner und somit kein Jude ist, nimmt dieser seine wahre Identität nicht an, sondern hält an seinem alten Selbstbildnis fest. Bei der nun folgenden Invasion in Andorra, wird Andri als Jude wegen Rassenhass getötet. Besonders interessante Stellen sind zum Beispiel das zweite Bild. Dort unterhalten sich Andri und die Tochter seines Ziehvaters. Die Gefühle und Gedanken des Protagonisten, die für sie Geschichte den Verlauf bestimmen, werden hier sehr deutlich und ermöglichen ein leichteres Verständnis des komplexen Stückes für den Leser. Diese Stück regt folglich zum Nachdenken an. Dennoch gibt es auch Bilder, die beim Lesen dieses ursprünglich als Theaterstück aufgeführten Werkes sehr langatmig scheinen. Man wird zum Beispiel beim letzten und somit zwölften Bild auf Textstellen treffen, die übertrieben scheinen. Somit schießt "Andorra" beim Lesen oftmals über sein Ziel hinaus. Insgesamt ist das Buch allemal lesenswert, allein schon wegen der Intention Frischs. Es wird zudem durch einen Anhang ergänzt, der Notizen Frischs wiedergibt und einen Einblick in die Absichten und Gedanken des Urhebers dieses Werks öffnet.
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