Hörbuch         Aus dem Leben eines Taugenichts, 3 Audio-CDs


Aus dem Leben eines Taugenichts, 3 Audio-CDs
von Josef Frhr. von Eichendorff und Reiner Unglaub
CD
Januar 2001
Verlag: Hörbuchproduktionen



Kommentare und Bewertungen:
Paradebeispiel der Romantik
Wenn jemand den Helden seiner Erzählung nach einem Schimpfwort benennt, dann kann das nur ein Romantiker gewesen sein. Joseph von Eichendorff war einer, und seine fiktive Biographie "Aus dem Leben eines Taugenichts" von 1826 macht ein echtes Sonntagskind zum Titelhelden. Der Taugenichts (denn einen anderen Namen bekommt er nicht) wird wegen seiner Faulheit vom Vater vor die Tür gesetzt, durchwandert - gar nicht traurig darüber - die deutschen und österreichischen Lande und dringt bis nach Rom vor. Arbeiten tut er nur gelegentlich. Seine heimliche Liebe zu einer vermeintlichen Grafentochter verstrickt ihn in eine tolldreiste Entführungsgeschichte. Der "Taugenichts" ist eine naiv-märchenhafte Erzählung mit allen Zutaten, die eine romantische Geschichte ausmachen und die wie kaum eine zweite die Signalwörter der Spätromantik verarbeitet: "nichts als Traum, Musik, Gehenlassen, ziehender Posthornklang, Fernweh, Heimweh, Leuchtkugelfall auf nächtlichen Park, törichte Seligkeit, sodass einem die Ohren klingen und der Kopf summt vor poetischer Verzauberung und Verwirrung" (Thomas Mann). Gewürzt mit einigen der bekanntesten deutschen Volkslieder ist Eichendorffs Novelle ein Musterexemplar der Romantik.


Seitliche Hilfestellung
"Aus dem Leben eines Taugenichts" ist für manchen der modernen Romanschreiber Vorbild, da dürfen wir uns nichts vormachen.

Und gerade die gradlinig-verschobenen Achtundsechziger, so meine ich, haben in dem "Helden" dieser Novelle ihr Idealbild gesehen, insbesondere, wenn ich auch an die Musiker und Liedermacher denke.
Denn, hier geht es nicht um die Beschreibung einer Figur nur, sondern um die Beleuchtung einer inneren Stimmung, um soetwas wie Freiheit auch, nur um das einmal klarzustellen.

Was war denn damals das Schicksal der allgemeinen kreatürlichen Existenz? Wie war es denn bestellt mit Freiheit, Gleichheit und auch mit der Brüderlichkeit, Idealvorstellungen, derer sich das Christentum doch anfänglich angenommen hatte?

Eichendorff hat das alles gewußt und er bringt es aufs Tableau in seiner herrlichen Art. Schon allein der Beginn der Novelle verheißt soetwas wie Erfüllung. Und diese ergibt sich für den Helden (und für manch andere Figur) dann endlich auch.

Es ist die innere Stimmung also, die den Wert der herrlichen Novelle ausmacht. Mann muß auch etwas zwischen den Zeilen lesen und wenn es gelingt, nur einen Hauch von dem mitzunehmen, was dieses Werk beinhaltet, so haben wir mehr als wir ahnen werden.

Der Geist der Freiheit weht demnach durch dieses kleine und so große Werk und dafür sind manche ins Feld gezogen und haben Leib und Gut geopfert. Wir alle sind also die Nutznießer, wenn man so will, dieses Idealbildes und das sollten wir niemals vergessen, hier vor allem nicht im jungen alten Europa und anderswo auch.


Das Buch vom schönen Leben
„Aus dem Leben eines Taugenichts" ist eine Novelle von Joseph von Eichendorff, die man als typisch für die Epoche der Romantik bezeichnen kann.
Der Sohn eines Müllers wird von seinem Vater als schmarotzender und nichtsnutziger „Taugenichts" beschimpft - die Titelfigur schmückt sich bereitwillig mit diesem Etikett und zieht abenteuerlustig in die Welt. Im häuslichen Umfeld fühlt er sich nicht wohl, da die Welt seines Vaters die der „Philister", der Spießer ist. Bei seinem Auszug in die Welt lernt er schöne Frauen, Künstler und vor allem Italien kennen - seine abenteuerliche Reise führt ihn bis nach Rom. Selbstverständlich kommt es zum Schluss zu einem Liebes-Happy End, wobei der leise Verdacht aufkeimt, dass der Taugenichts damit sein freiheitliches zugunsten eines Philisterlebens aufgibt.
Die verworrene, fast traumhaft-idyllische Handlung wird aus der Sicht des Taugenichts erzählt, wobei die Prosa immer wieder durch liedhafte Gedichte unterbrochen wird. Sowohl in der Prosa als auch in der Lyrik ist eine außerordentliche Verklärung der Natur zu beobachten und der ganze Grundton der Erzählung vermittelt das Gefühl, sich in der Welt eines Kunstmärchens zu befinden.
Zum Abschluss bleibt die Frage offen, ob es sich beim Taugenichts um einen liebenswerten Außenseiter oder einen faulen Schmarotzer handelt - dies zu klären, bleibt dem Leser überlassen.


Faulenzen und Freiheit
Ich war eigentlich immer jemand, der mit gemischten Gefühlen an ältere Werke heranging. Und vor einer Woche habe ich es wieder einmal gewagt. Aber ich habe es nicht bereut. Und zwar war es der "Taugenichts" von Eichendorff.
Im "Taugenichts" geht es um einen jungen Burschen, der von seinem Vater von zu Hause rausgeworfen wird, um sein eigenes Brot und Geld zu verdienen. Er zieht umher, trifft allerlei Menschen und spielt wann immer er kann auf seiner Geige, die er auf seine Reise mitgenommmen hat. Eigentlich eine Handlung, die nicht besonders zum Lesen antreibt, aber wenn man sich einmal dazu durchrungen hat anzufangen, ist es schwer wieder aufzuhören. Es ist Eichendorffs einfühlsame Sprache, die das Lesen zu einem wahren Vergnügen macht. Zudem steigt die Freude beim Lesen mit der Tatsache, dass jeder von uns schon einmal den Drang verspürt hat, aus dem normalen Leben auszubrechen, um die ferne, schöne und weite Welt kennenzulernen. Ein Buch für Träumer und Romantiker oder für die, die es noch werden wollen.


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