Hörbuch         Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, 4 Audio-CDs


Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, 4 Audio-CDs
von Thomas Mann
CD
August 2003
Verlag: Dhv der Hörverlag



Kommentare und Bewertungen:
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
Der Roman BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL ist mit dem SIMPLICISSISMUS von GRIMMELSHAUSEN und der BLECHTTROMMEL von GÜNTER GRASS vergleichbar. Mitten in Europa erlebt FELIX KRULL erotische Abenteuer, strauchelt von einer Liebe in die nächste und gewinnt dem Leben seine positiven Seiten ab. Selbst wenn es den Anschein hat, es gebe kein Entrinnen mehr. Ausweglose Situationen sind für FELIX KRULL das Salz in der Lebenssuppe.

Dieses Werk sollte deshalb auch als eine Parodie auf den traditionellen Bildungsroman verstanden werden. Das Motto von KRULL lautet durchweg: "Freut Euch des Lebens" und laßt kein Vergnügen aus.

Meisterhaft aus unterschiedlichen Erzählperspektiven schildert THOMAS MANN hier einen Lebenskünstler, der das Erdendasein als kurze und genußvolle Episode meistert.

Der schöne Schein und die absolute Illusion ersetzen in diesem Werk nicht selten die graue Tristesse des Alltags mit all ihren Normen und Sanktionsmöglichkeiten, denen sich FELIX KRULL immer wieder entzieht.

Dieses Spätwerk von Thomas Mann lebt von der Magie des schönen Wortes - engehüllt in jede Menge Ironie...


Herzerfrischend!
Ein herrliches Buch, das man immer wieder lesen kann! Es erzählt locker und fröhlich die Geschichte des Hochstaplers Felix Krull, der das Glück, wie sich aus seinem Namen schon schließen lässt, gepachtet hat. All die Glücksfälle in seinem Leben stoßen ihm einfach so zu, und wenn jeder andere an seiner Stelle wie ein Gauner wirken würde, so erfährt Felix von uns selbstredend seine moralische Berechtigung. Am besten fand ich die Szene, in der Felix der Romanschriftstellerin im Hotel beichtet, er habe ihren Schmuck entwendet, woraufhin sie entzückt ist und ihn bittet, sie während ihrer Anwesenheit völlig auszurauben. Aber auch andere Szenen, wie die der Musterung und das Gespräch mit Professor Kuckuck sind herzerfrischend.


Die Mannsche Essenz
Kaum ein Roman zuvor hat mich so beeindruckt, wie Felix Krull es tat. Dagegen wirken sich die Buddenbrocks wie ein Schuljungenstreich aus ( natürlich sei angemerkt das dazwischen ca. 50 Jahre Lebenserfahrung liegen). Ein brillianter Plot führt uns von den Kindertage Krulls im Rheinland in die schon damals sündige Großstadt Frankfurt mit all ihrem käuflich zu erstehenden Luxus ( körperl. Liebe eingeschlossen). In diesem gesellschaftl. Mikrokosmos lernt der mittellose Felix die Freuden der Oberschicht durch nächtelange Beobachtung verstehen. Durch Beziehungen gerät er an eine Liftboy/Kellner-Anstellung in einem exaltierten Pariser Hotel, in dem er schliesslich die Bekanntschaft mit Louis, einem Luxemburgischen Markgrafen macht, der aus Liebespein einen Identitätswechsel vorschlägt... Der Roman lebt vom handlungsreichen Plot und den erfrischenden in Mannscher Manier gehaltenen Monologen zu Liebe, Seinslehre, Künstlertum und dem Leben an sich. Etwas sauer stösst anfänglich die grenzenlose Selbsterhöhung des Helden auf, die jedoch im Laufe des Textes immer deutlicher als ironische Überzeichnung den (selbstverliebten) Leser zum Überdenken einlädt. Ein hochaktuelles Thema in unserer heutigen Ego-Welt. Neben "Lotte in Weimar" sein bestes Werk.


Ein guter Einstieg in die Literatur Thomas Manns
ist das kurz vor seinem Tode, 1954 veröffendlichte Werk, der Schelmenroman "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull".

Erzählt wird die äußerst amüsante, mit feiner Ironie durchwobene Lebensgeschichte eines weltgewandten Lebenskünstlers; ...böse Zungen mögen gar sprechen von der eines Betrügers, genauer... des Betrügers schlechthin: Felix Krull - und zwar von niemand geringerem als von diesem höchst selbst!

Sicher, die Syntax ist kompliziert, setzt voraus, dass sich der Leser darauf einlässt und erfordert Konzentration und Geduld; - in ihrer Schönheit, der Poesie ihrer vollendeten Komposition entschädigt sie jedoch vollkommen dafür. Und nicht nur durch diese. Der geneigte Leser wird, abgesehen von dem herrlichen Plot, verwöhnt mit einer Priese (gut verständlicher) Philosophie und Lebenswahrheiten über menschliches Zwischeneinander und über die Liebe, bei denen man sich zurücklehnt und sie sich auf der Zunge nocheinmal zergehen lässt.

"Der Memoiren erster Teil" lautet der Untertitel. Und in der Tat, ist es bedauerlicherweise weder Felix Krull, noch Thomas Mann vergönnt gewesen, diese Erzählung zu beenden. Diese Tatsache mag Anteil daran haben, dass das Geschehen zum Ende hin, im letzten 4tel, ein wenig zu zerfließen scheint und ins Stocken kommt. Allzulang lässt Thomas Mann seinen Felix Krull in Lissabon verweilen, zu ausführlich über die Liebe philosophieren.
Aus diesem Grunde komme ich nicht umhin "nur" 4 Sterne zu geben, wenngleich es, wie oben erwähnt, auf der Hand liegt: Das Ende des Romans, ist nicht auch das Ende der Geschichte, sondern lediglich als der Abschluß einer der zahlreichen Episoden aus denen die Erzählung besteht, zu verstehen.


Etwas zu langatmig
Mein erster "Mann". Da ich vorher in keinem Kontakt zu anderen Werken von Thomas Mann stand, mag ich eine Gegenüberstellung und/oder Gewichtung der "Bekenntnisse" gegenüber anderen Werken nicht einschätzen, kann dieses Buch auch lediglich als Alleinstehendes Werk begutachten.

Die volle Wertschätzung erhält Thomas Mann für die mir bisher unbekannte und wirklich atemberaubende Fähigkeit litarischer Beschreibung. Der Sprachstil bewegt sich in einer kaum mehr bekannten Vornehmlichkeit und umschreibenden Ausführlichkeit, dass es einfach Spaß macht, Satz für Satz den Ausführungen zu folgen. Sollte sich eine ähnliche Erzählweise in anderen Büchern von Mann wiederfinden, werde ich sicherlich in nächster Zeit von seinen Büchern kaum lassen können. Ich bin gespannt auf mehr...

Missfallen hat mir am Buch die streckenweise Langatmigkeit eigentlich belanglose und unkomplizierte Sachverhalte und Ereignisse - wenn auch wortgewandt - aufzublähen und über endlose Sätze hinwegzuziehen. An vielen Stellen hätte Kürze der Erzählung gut getan.

Was die Geschichte als solches angeht, verfehlt der Titel "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" leider völlig den Inhalt. Allein die Absicht des Buches, läßt sich entnehmen. Dieses Ziel wird aber weder durch eine wirklich ergreifende, bzw. innovative Geschichte, noch durch eine Vollendung der Geschichte erreicht. Vielmehr hört der Text leider an einer Stelle auf, die eigentlich erst der wirkliche Einstieg der Bekenntnisse sein darf. Schade, dass es Thomas Mann nicht vergönnt war, dieses Werk zuende zu schreiben. So bleibt dem Leser nichts anders übrig, als die ersten 300 Seiten Anlauf auf den bewegensten und prägensten Abschnitt des Lebens Krulls zu nehmen, um dann nach weiteren 100 Seiten festzustellen, dass die Erzählung jäh und unvorbereitet endet. Schade.


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