Hörbuch         Das Buch, in dem die Welt verschwand, 6 Audio-CDs


Das Buch, in dem die Welt verschwand, 6 Audio-CDs
von Wolfram Fleischhauer
CD
April 2005
Verlag: Steinbach Sprechende Bücher



Kommentare und Bewertungen:
nicht für jeden, aber ...
den erwartungen an den roman, die der klappentext schürt, wird das buch nicht gerecht - was es aber keinesfall zu einem schlechten macht.
es ist absolut spannend und originell originell - wer jedoch krimi mit einem klassischen ende sucht, der wird ohne zweifel enttäuscht. "das buch in dem die welt verschwand" ist keine popcorn-literatur, die man gemütlich nebenbei liest.
fleischhauer nimmt einen zunächst mit auf eine lebendig geschilderte zeitreise, die durchaus mit thriller und horror kokettiert.
wir finden uns wieder im jahre 1780, in einem deutschland im umbruch, durchzogen von geheimbünden und einem hauch mythologie, lange bevor meinungsbildende institutionen wie radio und fernsehen installiert sind. visionen, gerüchte und ideen sind eine nicht zu unterschätzende kraft.
gesellschaftliche und religiöse fragen werde philosophisch analysiert, kritisiert; visionen wird unter dem gesichtspunkt der memetik mit skepsis begegnet.
in dieser welt geschehen verbrechen, die einen weitaus tiefgründigeren hintergrund haben, als zunächst vermutet wird. der spielraum der möglichen lösungen weitet sich zusehends aus, und damit natürlich auch die zahl der bedrohungen für den unbedarften arzt röschlaub, der sich die aufklärung dieser geschehnisse zur aufgabe gemacht hat.
fleischauer hat einen spannenden und außergewöhnlichen roman geschrieben, der sich zwar streckenweise in wiederholungen ergießt, sich aber nicht nur angenehm von der masse der zeitgenössischen kriminalliteratur abhebt, sondern (gewürzt mit erotik, mystik und hochspannung) geschichte erlebbar macht. wer sich ein löffelchen geistreicher kultur abholen möchte, der ist mit "dem buch in dem die welt verschand" bestens beraten.


Endlich wieder ein richtig gutes Buch
Nach der "Purpurlinie" habe ich mich schon sehr auf den neuen Roman von W. Fleischhauer gefreut. Selten lese ich Bücher mit so viel Genuss wie die von ihm. "Das Buch, in dem die Welt verschwand" hat meine Erwartungen nicht enttäuscht. Die Geschichte ist wieder eine wunderbare Kombination aus gut recherchierter Historie, Kriminalhandlung und geheimnisvollen Ereignissen, die einen das Buch nicht aus der Hand legen lassen. Die Geschichte ist ungewöhnlich, ein wenig phantastisch, trotzdem überzeugend und regt einen zum Nachdenken an. Allen, die vom Lesen mehr als nur reine Unterhaltung erwarten, empfehle ich dieses Buch wärmstens! Und ich warte schon wieder ungeduldig auf das nächste Buch von Fleischhauer, in dem wenigstens meine Welt für die Zeit des Lesens verschwindet.


Melancholischer Blick
Ein wirklich guter historischer Roman sollte in der Gegenwart spielen. Natürlich ist es ein Genuß, vergangene Zeiten wiederzubeleben und die Phantasie in Gang zu setzen mit dem Wissen, daß es so oder so ähnlich wirklich gewesen ist. Aber wenn die Konflikte von früher, nicht die Konflikte von heute sein könnten, bleibt eine solche Lektüre Tourismus.

In Wolfram Fleischhauers „Das Buch, in dem die Welt verschwand" geht es tatsächlich um mehr als Intrigen bei Hof, die große Politik von Fürsten und Kaisern oder eine verhängnisvolle Liebe zwischen den Ständen. Es handelt von einem neuen Gedanken, der am Ende des 18. Jahrhunderts zum ersten mal in die Welt kommt. Der Denker heißt Immanuel Kant.
Auf dem Rückentext hätte sich diese Information eher verkaufshemmend ausgewirkt. Schade eigentlich. Weil die trockenen Schriften dieses trockenen Philosophen durchaus ungeheurlich sind. Es gibt Leute, die sich nach der Lektüre einen gewissen melancholischen Blick angewöhnt haben. Kleist gibt sich sogar die Kugel. Aber zu Ende gedacht hat man diesen Gedanken scheinbar bis heute nicht.

Fleischhauer gelingt es, dem Thema die Schwere zu nehmen ohne dessen Tragweite zu kappen. Kopflastigkeit kann man ihm nicht vorwerfen, da er die Geschichte in dichten Handlungen vorantreibt. Seine Stärke ist es, recht unauffällig historische Anekdoten einzustreuen und den Geist der Aufklärung heraufzubeschwören. Der Tonfall ist richtig getroffen und das Ganze gut lesbar, auch wenn einem nicht unbedingt auf jeder Seite ein Satz begegnet, den man zweimal liest. Fleischhauers Roman ist zwar nicht das Buch, in dem die Welt verschwindet, aber dem Leser selbst wird es gelingen.


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