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 Der Prozeß, 1 Audio-CD
von Franz Kafka, Ernst Schnabel, Gustaf Gründgens und Klaus Kammer
CD
März 2001
Verlag: Universal Music

Kommentare und Bewertungen: Der Prozeß: Kein Gerichtsroman...
    
Bei Kafka scheiden sich die Geister: man kann ihn lieben, oder man wird seinen Texten immer mit Unverständnis gegenüberstehen. Dazwischen gibt es fast nichts. Wer ihn in der Schule lesen *muss*, wird in hassen, wer ihn lesen will, dessen Leben kann er für immer verändern. Ein Einstieg in Kafkas Werk kann sicher über viele Wege erfolgen, „Der Prozeß ist sicher nicht der schlechteste. Der inhaltliche Ablauf ist bekannt: K. wird, ohne sich einer Schuld bewußt zu sein, verhaftet, und versucht verzweifelt wie erfolglos, seine Verteidigung vorzubereiten. Was er dabei erlebt, ist im klassischen Sinne 'kafkaesk'. Alle Bemühungen laufen ins Leere, prallen an einer sinnlosen Realität ab, gegen die der doch eigentlich stets rational und vernünftig agierende K. nichts entgegenzusetzen hat, vergleichbar mit der Situation in einem Traum, in der die groteskesten Situationen vom Träumenden widerstandslos akzeptiert werden und alle eigenen Versuche nur ein Stolpern von einer Unmöglichkeit in die nächste hervorrufen. Im Gegensatz zu „Das Schloß", das durchgehend au einem prinzipiell realen Niveau bleibt (na, weitgehend jedenfalls), finden sich im „Process" tatsächlich Situationen die der Realität augenscheinlich entgegenstehen. Der Verlauf des Romans erzeugt eine durchgehend beklemmend Atmosphäre, die Spannung bleibt aufrechterhalten, obwohl es über den Ausgang doch keinen Zweifel geben kann. Die Fassung des Urtextes ist nur zu empfeheln, da die manchmal abweichende Interpuktion niemals stört, sondern im Gegenteil oft eine beabsichtigte Kontinuität verdeutlicht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Weltliteratur!
    
DER PROCESS entstand 1914/15, also kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges und darf ohne Zweifel zu Kafkas berühmtesten Werken gezählt werden.Es wird das Leben des Josef K. zwischen dem 30. Geburtstag und dem Vorabend des 31. beschrieben. Die Handlung nimmt seinen Lauf, als der Protagonist eines Morgens überraschend verhaftet wird - ohne den Grund dieser Massnahme zu kennen. Erscheint für K. die ganze Angelegenheit zu Beginn wie ein schlechter Witz seiner Arbeitskollegen, erfährt er schrittweise die Ernsthaftigkeit und Bedrohung seiner Lage. Josef K. ist sich vorerst keiner Schuld bewusst und doch erkennt er bald einmal die Macht des Gerichts, der herrschenden Gesetze an und beschliesst, sein Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen. Seine Bemühungen, wieder Ordnung in sein Leben zu kriegen nachdem ihm seine Verhaftung mehr und mehr aus der Bahn geworfen hat, führen aber in eine immer noch verstricktere Verwirrung. Der laufende Prozess wird zum Inhalt seines Lebens und seine hohe Stellung in der Bank gerät zunehmend in Not. Obschon sich K. zeitweise auf die Hilfe bestimmter Personen einlässt, helfen ihm diese nicht, seine Unschuld zu beweisen und ihn dadurch von einer Verurteilung freizusprechen. Josef K. ist durch den immerwährenden Fortgang des Prozesses schliesslich immer weniger von seiner Unschuld überzeugt - obschon er bis zum Schluss keine wirkliche Schuld zu erkennen vermag - so dass er jegliche Konsequenzen über sich ergehen lässt und diese sogar als adäquate Strafe akzeptiert. Kafkas Roman ist geprägt von arttypischen Merkmalen, welche wir in den meisten seiner Werke antreffen können. Die stetige Gradwanderung zwischen Realem und Irrealem sowie die oftmals kleinlichen Beschreibungen unbehaglicher Ereignisse lassen einen jeden Leser und eine jede Leserin deutlich an Kafka erinnern. Die verschleierten, stets rätselhaften und undurchschaubaren Schilderungen sind ebenso repräsentativ für den Autor wie die Begeisterung, mit welcher die kleinen scheinbar unwichtigen Einzelheiten beschrieben werden. Neben den erwähnten Eigenschaften spricht auch die anhaltende Sachlichkeit der Erzählweise eine klare Sprache. Die juristische Vergangenheit Kafkas ist in vielen Passagen unübersehbar... Der Aufbau des Romans besteht vorwiegend aus der Zusammenkettung verschiedener zerstreuter Szenen und ist gekennzeichnet durch die zwei Eckpunkte, zwischen welchen sich die Ereignisse entfalten: dem außergewöhnlichen Einstieg, welcher gleich zu Beginn im Leser/in der Leserin grosse Erwartungen weckt und dem spektakulären wie auch erschreckenden Ende. Aufbau und Sprache gehen in diesem Roman Hand in Hand. In gegenseitiger Harmonie schaffen sie es, die beängstigenden Emotionen und die zunehmende Beklemmung des angeklagten Protagonisten kühl und nüchtern an den Leser/die Leserin zu bringen. Kafkas unverkennbaren Stil, seine Art und Weise zu schreiben spricht für sich und macht eine Identifikation des Lesers/der Leserin mit dem Helden beinahe unmöglich! Kleiner Hinweis am Rande: Der Process enthält eine von Kafka auch separat veröffentlichte Parabel („Vor dem Gesetz"), welche in dem Roman eine zentrale Rolle einnimmt. Sie bietet einen grossen Beitrag zum Verständnis der Geschichte und kann parallel dazu auch als eine Art Zusammenfassung des Romans betrachtet werden. Ein Roman, der es einem verunmöglicht, alle denkbaren Deutungen zu erkennen. Ein Roman, der unter anderem von der völligen Undurchschaubarkeit des Gerichtssystems sowie der Unvollkommenheit und Undeutbarkeit des Gesetzes handelt. Ein Roman, der unzählige Interpretationen zulässt und doch keine als ‚die richtige' zulassen wird. Ein Roman, den man gelesen haben sollte!
Kafkas "Prozess" - Für mich eine gigantische Karikatur
    
Primär lese ich Kafkas "Prozess" als einen expressionistischen Roman, in dem fast alles abstrakt, rätselhaft, unkenntlich erscheint. Darüber hinaus erweist sich diese "Vision des 20 Jahrhunderts" einmal mehr als eine gigantische Karikatur auf den systemabhängigen Menschen der industrialisierten Moderne. Kafka karikiert das Aussehen und die Handlungen der Personen im Roman. Er bezieht sich aus der, wiederum einsinnigen Erzählweise des Protagonisten Josef K., fast ständig nur auf Nebendarsteller, die, wie man genau zu erkennen vermag, den Großteil der Kapitelüberschriften füllen. Daraus resultiert zwangsläufig ein Querschnitt von scheinbar verschiedenen Individuen, die jedoch eines vereint: die Kritik an die bedingungslose Isolation der Menschen voneinander, die heraustritt aus dem imaginären Prozess, der für mich nur als unverständliche, aber gerade deshalb als deutliche Kontrastfolie zu den hier karikierten Personen zurücktritt. Er ist die abstrakte Begleiterscheinung der Kritik. Das zeigt sich zum Beispiel an der "Prügler-Szene", in der die zwei Wächter, welche Josef K. gefangen genommen hatten, verprügelt werden, weil sich jener Gefangengenomme bei einer ersten Anhörung vor dem Gericht über die Wächter beschwert hatte. Josef K. ist zufälliger Beobachter dieser abstrus und grotesk wirkenden Szene, die abweichend von der alles erfüllenden Abstraktheit des Romans erstaunlich konkret-physisch bleibt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Die Wächter werden prügelnd bestraft. Jedoch gibt es keinen kausal-stringenten Zusammenhang zwischen Beschwerde und vollzogenem Urteil. Hier zeigt sich wiederum die Isoliertheit, die sich im Medium des Prozesses auflöst. Sie bleibt aber insofern in der Szene erhalten, als ein in die Beobachterrolle zurückgedrängter K. hilflos und reflektierend konkret und damit wirklich faßbar von den Wächtern abgekrenzt, entfremdet, eben isoliert wird. Deshalb kann die Frage nach dem Warum des Prozesses nie gestellt werden. Sie braucht sich nicht zu stellen, denn die unfaßbare, unbegreifbare Komplexität unserer Existenz, ihre Verselbstständigung, unahbhängig unseres Zutuns, bleibt ebenso gegenwärtig wie "Der Prozess" Genau wie wir im Verstehensfortgang dieser Existenz scheitern müssen, scheitert der Protagonist Kafkas an dem Versuch, den Prozess zu begreifen.
Spannend und lehrreich!
   
Kafka zeigt hier den Prozeß des Josef K. auf, der eines morgens aufwacht und Beamte vor seinem Bett stehen hat die ihm verkünden, dass er einen Prozeß hat. Nachdem die Beamten weg sind hört er nicht mehr allzuviel von seinem Prozeß und lebt sein Leben als Bänker weiter. Erst sein Onkel sorgt dafür, dass Josef K. sich wieder Gedanken über seinen Prozeß macht und verschafft ihm einen Anwalt. Von nun an trifft er immer wieder auf Menschen die versuchen ihm bei seinem Prozeß zu helfen... Ein tolles Werk Kafkas, das wohl noch besser als "Die Verwandlung" ist. Es vereint Spannung und Lehre und regt einen jeden zum Denken an. Dem Leser wird relativ schnell deutlich, dass nicht nur Josef K. einen solchen Prozeß durchlebt, sondern ein jeder. Die Frage ist nur ob man es zuläßt...
Wo ist der Richter? Wo ist das hohe Gericht?
   
Die Idee könnte besser nicht sein: Einem junger Bankier, dem Leser nur als Josef K. bekannt, wird eines Tages aus heiterem Himmel mitgeteilt, dass er verhaftet sei. Ohne den Grund hierfür zu benennen und auch ohne ihn in ein Gefängnis zu bringen, lässt man Josef K. sein Leben wie gewohnt weiterleben - mit der einzigen Einschränkung, dass eben nun offiziell ein Prozess gegen ihn laufe. Das Buch begleitet K.'s Versuche, seinen Prozess, von dem er selbst kaum etwas weiß, so gut als möglich zu führen. Merkwürdige, zwielichtige Gestalten -von einem greisen Anwalt bis hin zu einem unbedeutenden Gerichtsmaler und schließlich sogar dem Gefängniskaplan- versuchen ihn dabei zu unterstützen. Kafkas völlig schnörkellose und sachliche Art des Schreibens überzeugt, unnötige und störende inhaltliche Ausschmückungen bleiben völlig aus. Dennoch wird dem Leser viel Geduld abverlangt, da das Buch nach einem wirklich phänomenalem Anfang schnell in der Spannungskurve absackt. Stattdessen wird in der zweiten Hälfte des Buches Kafkas surreale und expressionistische Weltsicht überdeutlich, wofür auch das in jedem Fall unerwartete Ende ein Beleg sein mag.
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