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 Deutschland - Der Abstieg eines Superstars, 2 Audio-CDs
von Gabor Steingart
CD
Juli 2004
Verlag: Audiobuch

Kommentare und Bewertungen: Historisch, Sachlich, Klasse!
    
Dieses Buch habe ich von der ersten bis zur letzen Seite fast verschlungen! Es beschreibt den politischen Werdegang Deutschlands seit dem der Gründung der BRD und wie es zu unseren heutigen Problemen in der Wirtschaftslage kommen konnte. Zum Schluss deutet der Autor noch eine Lösungsmöglichkeit an.Alles ist immer wieder aufgelockert durch verschiedene Diagramme und der Text liest sich so sehr gut, ohne langweilig zu werden. Die Lösungsideen des Autors hätten früher im Buch kommen können, denn ich hatte die ganze Zeit auf Lösungsansätze gewartet, jedoch wollte der Autor sicherlich eine klare Linie zwischen den historischen und sachlichen Fakten und seinen Ideen ziehen. Insgesamt ist das Buch einfach nur sehr empfehlenswert!
Zweite Staatsgründung statt Dosenpfand!
    
Das Buch zeigt recht klar und logisch die fundamentalen Probleme vor denen das "Auslaufmodell Deutschland" steht und wohin die Reise mit wachsendem Tempo gehen wird, nämlich mit voller Power gegen die Mauer! Nur durchgreifende Reformen, alle unter dem Motto "Arbeit zuerst" können die Talfahrt stoppen und einen Wiederaufstieg ermöglichen! Als den Abstieg Deutschlands maßgeblich bestimmende Faktoren macht der Autor die Einführung der bruttolohnbezogenen Rente ("Jahrhundert-Irrtum"), das Fehlen einer funktionsfähigen Zentralgewalt ("Deutscher Defekt") und den "Aufbau Ost durch Abbau West" aus. Als radikale Gegenmaßnahmen schlägt er eine Reform der Verfassung mit Schaffung einer gestaltungsfähigen Zentralgewalt ("Zweite Staatsgründung"), die Entlastung der Arbeit von den Sozialbeiträgen für Rente und Krankheit und ein vereinfachtes Steuersystem mit konsequenter und gleichmäßiger Besteuerung vor. Gabor Steingart schreibt in flüssigem, recht unterhaltsamem Stil, so daß sich die trockene Materie sehr gut lesen läßt. Ihm ist hoch anzurechnen, daß er Probleme klar anspricht und sogar Lösungsansätze zu einer Thematik liefert, an der unsere Politiker überwiegend immer am liebsten noch gar nicht rühren würden! Sicher sind auch einige Schwächen erkennbar, die aber aus meiner Sicht nur Reformdetails betreffen und den positiven Gesamteindruck nicht stören. Ein überaus empfehlenswertes Buch für jeden der wissen will was wirklich Sache ist in Deutschland - anstatt sich weiter durch "Brot und Spiele" ablenken zu lassen!
Interessante Hintergründe und Denkansätze
   
Gabor Steingart hat eine gute und fundierte Analyse des ehemaligen Superstars Bundesrepublik Deutschland abgegeben. Gerade die Hintergründe, auf denen das Konstrukt "Bundesrepublik", deren Grundgesetz, politisches und soziales System, etc. basiert, ist exzellent und in vieler Hinsicht ein Augenöffner. Die Notwendigkeit, dieses Konstrukt von seinen Altlasten zu befreien und an die aktuellen Begebenheiten anzupassen, wird mehr als deutlich. Auch die Ansätze, wie Abhilfe geschaffen werden kann, sind zumindest diskussionswürdig. Allerdings kommt der Autor wie viele andere Autoren, die sich mit der Thematik beschäftigen, nicht über Gemeinplätze hinaus. Wertvoll ist sicher der Hinweis, keine isolierten Reformen anzugehen; nur das Gesamtpaket kann Deutschland wieder erfolgreich machen, lautet das Credo der Aussagen. Eine operationelle Umsetzung fehlt aber, das wäre aber wohl auch zu viel verlangt. Eine Anmerkung zu diesem Buch und ähnlichen Werken: mich erstaunt immer wieder, wie die Substanzbesteuerung (Erbschaftsteuer, Vermögensteuer, etc.) als ganz großer Rettungsanker apostrophiert wird. Quatsch! Auch wenn die USA als Beispiel hervorgeholt werden: dort geht die Tendenz in eine ganz andere Richtung. Die zweite Bush-Regierung wird die Abschaffung der Erbschaftsteuer in Angriff nehmen. In meinen Augen ist eine Substanzbesteuerung absolut kontraproduktiv. Statt dessen muss eine einheitliche Besteuerung der Einkünfte aller Einkunftsarten erfolgen, inkl. Kapitalerträge ... aber das ist wohl zu progressiv gedacht. Aufgrund der Historie und der Bestandsaufnahme vier Sterne, die Lösungsansätze verspielen den fünften Stern.
Die üblichen neoliberalen Rezepte
  
Es ist flüssig geschrieben, dieses Buch - aber wer nicht zehn Jahre auf dem Mond gelebt hat und den Standpunkt der Neoliberalen inzwischen kennt, erfährt auch nicht viel Neues. Hauptgegenstand ist ein Schnelldurchgang durch die Geschichte der Bundesrepublik, kapitelweise nach der Person des jeweiligen Bundeskanzlers untergliedert, wobei jedem einzelnen von diesen die angeblich zu hohen Sozialausgaben in seiner Amtszeit vorgehalten werden. Am Ende steht die für den Autor offenbar sehr erschütternde Erkenntnis, dass es auf die Person des Kanzlers gar nicht so sehr ankommt - Kohl wie Schröder haben keine erfolgreichen Massnahmen gegen Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung eingeleitet. Dies, so der Autor, sei Schuld des Grundgesetzes -- man brauche stattdessen einen Zentralstaat mit Mehrheitswahlrecht und vor allem die Abschaffung des Bundesrats. Natürlich dürfen daneben auch die üblichen Forderungen (Förderung von Billigjobs, steuerliche Absetzbarkeit privater Dienstboten) nicht fehlen; ein paar "linke" Ideen (Erhöhung der Erbschaftssteuer) sind auch hereingerutscht. Gesamturteil: etwas ideenreicher, dafür auch etwas verrückter als üblich.
Zu kurz gesprungen
  
Gabor Steingart hat ein gut lesbares Buch über die Krankengeschichte des Patienten Deutschland vorgelegt. Die Probleme des Landes werden zutreffend und pointiert beschrieben und mit aussagekräftigem Zahlenmaterial dokumentiert. Hinzu kommt die Entlarvung ökonomischer Scheinargumente wie bspw. die von den Gewerkschaften immer wieder behauptete Relevanz der Lohnstückkosten - sicherlich, für Ökonomen ein alter Hut, aber andererseits schadet es auch nicht, immer wieder darauf hinzuweisen. Trotzdem: Steingart springt mit seiner Analyse zu kurz, was damit zu tun haben könnte, daß es ihm wohl an einem staatsphilosophischen Kompaß fehlt. Er bleibt (leider) zu sehr Journalist, um sich von der lediglichen Beschreibung des Ist zu lösen. Fragen nach dem Warum, nach der Begründung des Staats, nach dem Zusammenhang von Mensch, Markt und Staat werden vorsichtshalber gar nicht erst gestellt. Sie wären aber notwendig, um klarer erkennen zu können, warum dem "System Bundesrepublik" bereits bei seiner Konstitution als "Soziale Marktwirtschaft" einige Geburtsfehler inhärent waren. Leser, die nach Antworten auf diese Frage suchen, wären mit Erich Weedes "Mensch, Markt und Staat" oder auch Roland Baaders "Fauler Zauber - Schein und Wirklichkeit des Sozialstaats" besser bedient. Steingart spielt seine Stärken als Journalist aus, wenn er mit Statistiken wort- und bildreich ein Gemälde des deutschen Status Quo zeichnet. In diesen Passagen überzeugt das Buch am meisten. Schade nur, daß er sich dazwischen abschnittsweise zu persönlichen Polemiken hinreißen läßt. Sicherlich muß man Guido Westerwelle persönlich nicht mögen; ihm jedoch wie Steingart gleich sämtliche Argumente abzusprechen bzw. ihm ausschließlichen Populismus zu unterstellen, wird Westerwelle nicht gerecht (man lese nur sein Buch "Neuland") und fällt als unsachliche Kritik eher auf Steingart zurück. Auch Steingarts Plädoyer für ein Mehrheitswahlrecht wäre für sich genommen diskutabel, wenn er sich darauf beschränkt hätte, auf die Vorzüge klarer parlamentarischer Mehrheiten hinzuweisen. Völlig unnötig hingegen sein Abgesang auf die kleineren Parteien. Die Grünen: Personell (hinter Fischer) am Ende. Die FDP: Der reine Populismus. Ausgerechnet der PDS würde Steingart eine Träne nachweinen, verträte sie doch angeblich den Osten - von einer inhaltlichen Diskussion ihres nach wie vor sozialistischen Kerns keine Spur. Was bleibt ist ein Buch voll Licht und Schatten - lesenswert, aber leider nur in Teilen informativ und zudem ohne wirtschafts- und staatstphilosophische Fundierung.
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