Hörbuch         Die Aufzeichnungen des Malte Laudris Brigge, 7 Audio-CDs


Die Aufzeichnungen des Malte Laudris Brigge, 7 Audio-CDs
von Rainer M. Rilke und Christian Brückner
CD
September 2003
Verlag: Parlando Edition Christian Brückner



Kommentare und Bewertungen:
Der junge Rilke in Paris
Viele Jahre hat Rilke gebraucht, tief mit sich gerungen und viel über sich erfahren müssen, der Tiefe seiner Kindheitserinnerungen lauschend, bis dieses Buch so geschrieben werden konnte.
Malte, ein sensibler junger Mann, in dem man Rilke erkennen möchte, berichtet aus seiner Jugend, berichtet von seinen Jahren in Paris, aus seinem Leben. Von der Angst, eins zu werden mit dem Leid der hetzenden, der rennenden einsamen Menschen. Von seiner Angst, mehr zu fühlen, als er ertragen kann.
Ich habe mir nach diesem Buch gesagt, dass, könnte ich je ein Buch verfassen, ich so schreiben wollte, wie Rilke es in diesem Werk getan hat. Ein Kunstwerk, ein zerbrechlich schillerndes Werk, in dem man mit den weit aufgerissenen Augen des in den Wahn des Leben geratenden Menschen sehen lernt.
Das Werk eines Geistes, das Werk über einen Geist, der an der Außenwelt zu zerbrechen droht, aber doch lernt, einen Weg darin zu gehen.


Kein Buch für Alle
Rilkes Malte findet man in jeder guten französischen Buchhandlung (sehr gut übersetzt).Rilke hat auch mühelos den Weg in die berühmte Edition Pléiade gefunden, eine Ehre, die nur sehr wenigen Nichtfranzosen vergönnt ward.

Dieses Buch atmet auf unvergleichliche Weise die Pariser Atmosphären zu Rilkes Zeit (ca. 1902- 1908 wohnte er zeitweise in Paris). Vor allem in den einleitenden Prosastücken klingt der Stil sehr französich und ist von einer fernervigen Sensualität geprägt, durch die manchmal ironische Brechungen schillern.

Brigge ist ein hochsensitiver Däne und erlebt das Grauen in der modernen Großstadt. Vor allem staunt Brigge auf unnachahmliche Weise. Es ist als sei ein hypersensitives Kind in die überall bedrohliche Stadt verschlagen worden. Die Beobachtungen grenzen in ihrer Bildkraft an die Suggestibilität von Halluzinationen. Gleichzeitig denkt dieser Malte so kritisch, so selbstkritisch, taucht in die Kaltschnäuzigkeit der Großstädter als wäre er einer von ihnen.

Ein Buch für den Leser, der noch Zeit hat, ein Buch, an dem Jahre lesen kann, immer und immer wieder, wenn man Geduld und Liebe aufbringt.

pg


Alleine in Paris
Dieses erstmals 1910 erschienene Werk Rilkes ist seine wichtigste Prosaveröffentlichung, was nicht heißt, dass es einfacher zu lesen wäre als seine Gedichte. Selten ist eine Persönlichkeitskrise drastischer dargestellt worden als hier: Auflösung des Ich, Anonymität der Städte, alle großen Themen der Moderne finden sich in den Aufzeichnungen versammelt. Malte Laurids Brigge, der Erzähler, kommt aus Dänemark in die Großstadt Paris und spEt, wie dort Veränderungen in ihm vorgehen: "Ich beginne zu sehen.ESeine anfangs noch nachvollziehbaren Berichte fEren immer mehr ins Innere, bis man schließlich nicht mehr weiß, was eigentlich wirklich passiert. Am Ende des Buches ist der Verbleib des Protagonisten ungewiss.
In der Tat ist dies ein schwieriges Buch, in dem lyrische Passagen die konventionelle Erzählung auflösen. Eine stringente Geschichte kann man daher nicht erwarten. Wer sich allerdings auf die atmosphärische Dichte, die Tiefe der Beschreibungen und den Rhythmus der Sätze einlässt, wird dafE belohnt. Vielleicht sollte man das Buch als ein langes Prosagedicht betrachten, um nicht mit falschen Voraussetzungen daran zu gehen.
Mir hat diese Ausgabe besonders gut gefallen.


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