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Hörbuch Die Blendung, 3 Cassetten
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 Die Blendung, 3 Cassetten
von Elias Canetti, Robert Matejka, Felix von Manteuffel und Libgart Schwarz
Hörkassette
Februar 2003
Verlag: Dhv der Hörverlag

Kommentare und Bewertungen: Ideale Charaktere
    
Canettis Blendung ist ein ungeheuer umfangreiches, begeisternd starkes Buch. Die Auswahl der Charaktere ist von so tiefgreifender Präzision, Vielfalt und Fantasie - mir fällt momentan keine Parallele ein! Es geht um Verstrickungen, um Herrschaft und Ethik (die vielleicht nicht vorhanden ist), um soziale und persönliche Zwänge. Unheheuer geistesbetont: Die Dinge spielen sich irgendwie - obwohl sie doch in der realen Welt zu sein scheinen - in einer fantastischen, idealisierten Welt ab - die Charaktere sind so stark überzeichnet, dass das Lesen sogleich Freude bereitet, aber auch stets zum Nachdenken anregt.
Mit Mut geschriebenes Buch
    
Canettis Roman "Die Blendung" ist ein Buch von Gewalt und Perversion. Jedoch muss man einsehen, daß es einem viel Mut und Strenge benötigt, das Zerfallensein der menschlichen Gesellschaft in der Zwischenkriegszeit aufzuzeigen. In der Form einer Fiktion ist Elias Canetti sehr gelungen, dem Leser sein anthropologisches Verständnis und seine scharfe Gesellschaftskritik zu erschliessen. Die Charaktere in Roman sind durch sprachliche Eigenheiten im Gespräch und besonders in den jeweiligen inneren Monologen ausgezeichnet. Gleichzeitig wird das Mißverständnis - das tragische "Aneinandervorbeireden" der Menschen durch nuancierte psychische Schilderungen zur Schau gestellt. Es wird in diesem Roman keine literarische "Zuflucht" angeboten, sondern eine sowohl historische als auch gegenwärtige Realität. Ein neues Fenster wird mit dem Buch geöffnet; frische Winde kommen mit Stärke und Wut.
Bizarres Jahrhundertwerk
    
Ein Sinologe, der völlig abgeschieden und weltlichen Interessen abgeneigt in seiner Bibliothek lebt, heiratet die schäbige, blauberockte und obendrein noch verblödete Haushälterin Therese, nachdem er Zeuge wurde, wie pfleglich, wie liebevoll sie eines der von ihm geliehenen Bücher behandelt.Ein Trugschluß, denn bei der Rückkehr vom Standesamt zieht die Haushälterin, Therese, ihren schrecklichen blauen Rock und alles was sie darunter trägt aus und wischt mit einem Handstreich alle auf dem Bett plazierten Bücher hinfort um Platz für ihre Bedürfnisse zu schaffen. Peter Kien, der berühmte Sinologe indes hat ein anderes Bedürfnis: Er flieht. Aufs Klo. So beginnt dieses Buch. Wunderbar komische Szenen, die von Sarkasmus nur so triefen, Missverständnisse, die unausweichlich sind, weil Verständigung zwischen derart unterschiedlichen Menschen nicht existieren kann, ein alles wissender Erzähler, der zwischen den Köpfen seiner Figuren mit grosser Eleganz umherspringt. Das vorläufige Ende des Liedes ist die Ankunft Peter Kiens im Wiener Milieu, wo er einem mißgebildeten Gauner (Fischerle, der eingebildete Schachweltmeister, meine liebste Figur des Buches) auf den Leim geht und sein Bargeld unters Volk bringt. Als Fischerle auf der Siegerstrasse zu wandeln scheint, bringt er den Bruder Peter Kiens ins Spiel, einen in Paris lebenden berühmten Psychiater. Diser muss anreisen und versuchen, das Zerwürfnis zu lösen. Vorweg: Für mich das Buch des Jahrhunderts. Es beschreibt Missverständnisse, Gewaltbereitschaft und die völlige Unmöglichkeit menschlichen Zusammenlebens. Nur der Psychiater kann Linderung verschaffen und angesichts der Katastrophen, die in den letzten 100 Jahren über die Menschen hereingebrochen sind, musste ich die Ereignisse der jüngeren Geschichte in dieser Handlung klar angedeutet sehen. Doch man kann diesen Roman auch völlig anders betrachten, psychologisch, ethnologisch (man erfährt einiges über das alte China), alles stimmt. Das macht das wahrhaft bedeutende Werk aus. Ein umfangreiches Buch mit äußerst komplexer aber gradliniger Handlung liegt vor dem Leser, derzeit mein liebster Roman, fast eine Neuerfindung des Erzählens. Ein grosser Wurf, der in den 30er Jahren, als das Buch erschien, wenig Beachtung fand, aber da hatte die Welt ja andere Probleme. Durch dieses Buch (seinen einzigen Roman) gehört Canetti für mich zu den bemerkenswertesten Autoren der letzten 100 Jahre. Danke für dieses Buch.
Die Einsamkeit des Vernünftigen
    
Dieses Buch enthält alles, was man wissen muß: Wie es einem bei dem Versuch ergeht, als Einzelgänger eine eigene Insel der Vernunft, der Bildung aufzubauen und sie gegen die feindliche Umgebung zu verteidigen. Es erzählt von den Reaktionen dieser Umgebung. Und wie es einem ergeht, wenn man es aufgibt, für diese Insel Mitbewohner zu suchen. Es zeigt das gnadenlose Untergehen des gebildeten Einzelnen, zwar ein Untergang in der berechtigten Überzeugung persönlicher Überlegenheit, dabei aber trotz allem untergehender Versager. Darin sehe ich die Kernproblematik Canettis, aus der er, ganz in der großen Tradition des Humanismus, keinen Ausweg kennt. Es ist ein tragisches Buch, am Vorabend des Faschismus geschrieben und von einer visionären Kraft, die sehr, sehr selten ist. Die Blendung gehört zu den wichtigsten Werken der europäischen Literatur überhaupt.
dem schicksal ausgeliefert...
    
"Die Blendung" beginnt scheinbar harmlos (und hat mich am Beginn sogar etwas gelangweilt) mit der Einführung in das Leben eines verschrobenen Sinologen der ein einsames aber durchaus glückliches Leben führt. Er ist offensichtlich von seinen Büchern besessen und zieht diese den Menschen bei Weitem vor. Niemand scheint diese außergewöhnliche Vorliebe des Sinologen zu teilen bis er eines Tages eine Haushälterin einstellt... Damit nimmt das Unheil seinen Beginn. Ein Alptraum bricht über den Sinologen herein der scheinbar nicht aufzuhalten ist. Alles was passiert scheint so stattfinden zu müssen wie es stattfindet und manchmal ist es beim Lesen schwierig den unaufhaltsamen Strudel zu akzeptieren der die Hauptperson verschlingt. Canetti zeichnet die Charaktere in seinem Roman mit einer unvergleichlichen Geschicktheit und Lebendigkeit. Die Verschlagenheit, Boshaftigkeit, Gemeinheit und unglaubliche Gewissenlosigkeit mit der er seine Protagonisten ausstattet lassen den Leser manchmal verzweifeln. Man möchte in das Geschehen eingreifen, den Sinologen warnen und zu Hilfe eilen, die Bösewichtige strafen... - gerade diese Teilnahme, die Canetti beim Leser auslöst macht für mich den Reiz dieses Buches aus. Was könnte ein Buch besseres zustande bringen als den Leser vollkommen in seinen Bann zu ziehen?
Ausgesprochen anstrengend
  
Elias Canetti ist Nobelpreisträger. Es mag daran liegen, daß er intellektuell ungezählte Klassen über mir spielt, aber ich gestehe: ich finde das Buch nervtötend und langweilig. Keine der Personen, die im Buch auftreten (zumindest bis zu der Stelle, bis zu der ich durchgehalten habe), verhält sich realistisch oder drückt sich auch nur annähernd realistisch aus. Jede Figur trägt ihr eigenes Päckchen an Verrücktheit mit sich herum, jede Person ist egoistisch und habgierig. Ich komme daher zu dem Schluß, daß Canetti den "ganz normalen Wahnsinn", der uns alle umgibt, zum Thema seines Buches machen wollte. Die Art und Weise, wie er es tut, strengt mich aber zu sehr an, und ich kann dem Buch weder Lehren entziehen noch Unterhaltung daraus gewinnen. Deswegen habe ich aufgegeben und es nicht zu Ende gelesen. Vielleicht bin ich ja einfach zu dumm für dieses Buch....?
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