Hörbuch         Die Herrin der Burg, 5 Audio-CDs


Die Herrin der Burg, 5 Audio-CDs
von Ulrike Schweikert und Joseline Gassen
CD
November 2003
Verlag: Lübbe



Kommentare und Bewertungen:
Spannung bis zur letzten Seite
Ich habe mir das Buch im Urlaub gekauft und es regelrecht verschlungen.Wer das Mittelalter mag und wer mehr als eine Gute-Nacht-Lektüre erwartet, der ist bei Ulrike Schweikert genau richtig aufgehoben.Mich hat die genaue Beschreibung der Personen genauso fasziniert, wie die Darstellung der Schauplätze. Da wir nahe Burghausen(längste Burganlage Europas mit 1100 m) wohnen und ich ein richtiger Mittelalter-Freak bin, kann ich mir die "Gute alte Zeit" schon wirklich so vorstellen. Die Zeit damals war brutal und die Frauen hatten es sicherlich nicht leicht. Die Beschreibung von Tilia und Gret und ihre unterschiedlichen Schicksale sind so realitätsgetreu geschildert, dass ich immer wieder das Gefühl hatte, mitten auf der Burg Hohenzollern zu sein. Mal neben Gret, mal im Rittersaal. Es war Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.


Ein Highlight für Liebhaber historischer Literatur
Wer hat als Kind nicht davon geträumt, als stolzer Ritter oder edles Fräulein auf einer Burg zu leben, den ganzen Tag Dinge tun zu können, zu denen man Lust hat, Diener und Gefolgsleute zu besitzen, die alle unliebsamen Tätigkeiten erledigen, in herrlichen Gewändern umherzuwandeln und die leckersten Gerichte serviert zu bekommen? Sollte man sich solch wundervollen Träumen hingegeben haben, dann bringt Ulrike Schweikerts Buch "Die Herrin der Burg" einen gnadenlosen Abschied von allen romantisch angehauchten Illusionen mit sich.
Ungeschminkt, unglaublich fesselnd und so lebensnah, als würde man selbst mitspielen, führt die Autorin den Leser zunächst ins Jahr 1267. Zu Allerheiligen werden Tilia von Wehrstein, Tochter eines Ritters, und ihre Halbschwester Gret, Kind einer Magd, geboren, deren Lebenswege über einen langen Zeitraum hinweg eng miteinander verbunden sind und im Mittelpunkt der Handlung stehen. Ulrike Schweikert lässt den Leser teilhaben an einer interessanten Reise durch das Mittelalter und zieht ihn in solch einen Bann, dass es beinahe unmöglich ist, das Buch aus den Händen zu legen, ohne es zu Ende gebracht zu haben.
Waren die Vorgängerwerke "Die Tochter des Salzsieders" und "Die Hexe und die Heilige" schon höchst lesenswerte Exemplare, so stellt "Die Herrin der Burg" einen neuen Meilenstein dar. Mit großem Sprach- und Feingefühl, Wortgewandtheit sowie durch sorgfältige Recherchen ist ein Buch entstanden, das von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Dabei reichen die Eigenschaften des Romans von realitätsnah, grausam, nervenaufreibend spannend über einfühlsam, tragisch und farbenfroh bis hin zu herzzerreißend traurig, nachdenklich, mitunter auch romantisch. Die Gesamtheit dessen bildet ein absolutes Highlight der Literatur.


Packend, aber brutal!
„Die Herrin der Burg" ist spannend bis zur letzten Seite, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu brutal:

Tilia v. Wehrstein und ihre Halbschwester, die Magd Gret, werden als politisches Unterpfand auf die Burg der Zollern geschickt. Dort sind die beiden nicht nur unwillkommen, sondern werden Zeuge von politischen Ränkeschmieden, Verschwörungen, Inzest, Machtgier und Wollust.

Als Edelfreie geht es Tilia nur unwesentlich besser als Gret, denn die Sitten sind rauh, das Verhalten der Ritter und Hofdamen zügellos und gewalttätig: Vergewaltigungen der Mägde sind an der Tagesordnung, die Ritter haben Spaß an grausamen Spielchen und die Hofdamen nehmen ungeachtet ihres Status mit ins Heu, wen sie wollen. Tilia und Gret müssen dabei versuchen, ihre Haut zu retten und nicht in die Ränkeschmiede hineingezogen zu werden. Im Nachwort teilt die Autorin mit, dass die Figur der Tilia sicherlich für das 13.Jahrhundert nicht typisch war. Sie stellt aber Überlegungen an, warum es solche Frauen doch gegeben haben könnte (z.B. wer sah auf den Burgen nach dem Rechten oder kümmerte sich bei oft monatelanger Abwesenheit der Ritter um die Leibeigenen?) und liefert somit eine plausible Erklärung für die Figur der Tilia.

Ulrike Schweikert ist m.E. eine der besten Autor/-innen historischer Bücher. Sie recherchiert sehr genau. Ihre Recherchen sowie ihre Art zu erzählen, machen ihre Bücher so lesenswert & spannend. Nicht vielen Autoren/innen gelingt es, Atmosphäre und Personen so gut rüberbringen wie Frau Schweikert. Und weil sie das eben so gut beherrscht, fand ich einige Schilderungen dieses Mal so beklemmend. Sie beschönigt nichts, sondern es macht eindeutig klar, dass das Leben in der damaligen Zeit - gerade für Frauen - kein Zuckerschlecken war: Es ist im Mittelalter zwar an der Tagesordnung gewesen, dass sich die „Herren" nahmen, wonach ihnen der Sinn stand, und es ist sicherlich grob und derb zugegangen, aber m.E. ist in diesem Buch zu oft vergewaltigt worden. Etwas weniger Brutalität hätte der Realitätstreue sicherlich keinen Abbruch getan!

Fazit: Wenn Sie über die Brutalität & Roheit hinwegsehen können, ist „Die Herrin der Burg" ein packendes Buch! Vermutlich war ich etwas zu zart besaitet, daher auch „nur" vier Sterne.


Mittelprächtig
Das Ulrike Schweikert schreiben kann, hat sie bereits mit ihren Romanen "die Hexe und die Heilige" und "die Tochter des Salzsieders" bewiesen. Dieses Buch habe ich allerdings nach der Hälfte weggelegt. Eine wirre Vielzahl von Personen und Namen und eine unappetitliche Überbetonung sexueller Szenen hat mir dann doch gereicht. 2 Punkte gebe ich, da die Szenen, die gerade mal nicht wieder von geilen Rittern, schamlosen Frauen und Sex handelten, doch interessante Beschreibungen des Burglebens und der Zeit gaben. Mag sein, daß die Zeit wirklich so war. Aber etwas weniger wäre mehr gewesen.


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