Hörbuch         Hiob, 1 Cassette


Hiob, 1 Cassette
von Joseph Roth, Helmut Peschina, Robert Matejka, Michael Degen, Jürgen Hentsch und Roland Kukulies
Hörkassette
September 1999
Verlag: Der HÖR Verlag DHV



Beschreibung:
Hiob von Joseph Roth erzählt auf eine einfühlsame und bewegende Weise das von Schicksalsschlägen durchzogene Leben des Mendel Singer, einem "ganz alltäglichen Juden". Jetzt liegt der Roman des 1939 verstorbenen österreichischen Autors auch als Hörspielbearbeitung vor. Helmut Peschina, selbst Autor zahlreicher Hörspiele, hat die Bearbeitung dieses Werks vorgenommen.

Wir werden in das einfache Leben einer jüdischen Familie geführt, das uns mit seinen ganz alltäglichen Problemen und Tragödien erschüttert. Mendel Singer ist die Reinkarnation des biblischen Hiob im 20. Jahrhundert. Wie dieser muß er die Prüfungen Gottes erdulden. Seine Frau und zwei seiner Kinder sterben, bei der Emigration in die USA muß er seinen behinderten Sohn zurücklassen und schließlich mit ansehen, wie seine Tochter ins Irrenhaus eingeliefert wird. Gebeugt von seinem schweren Los hadert er mit Gott und verliert allen Lebensmut, doch da erscheint eines Tages eine fast wundersame Umkehr des Schicksals.

Peschina hat es verstanden, mit einfachen Mitteln auf sehr behutsame Weise die Geschichte des Mendel Singer zu Gehör zu bringen. Mit einer exzellenten Sprecherbesetzung (Michael Degen in der Hauptrolle) und einem Gespür für die Sprache und den Rhythmus des Autors gelingt es, ohne großartige Effekthascherei diesen Roman, der voll ist mit Kindheitserinnerungen Joseph Roths, zu gestalten. Gerade die Schlichtheit, mit der hier das Werk präsentiert wird, hebt es heraus und macht es zu einem Glanzstück in der Reihe der Audiobooks. --Anne Hauschild


Kommentare und Bewertungen:
Wirklich empfehlenswert
Obwohl die Bewertungen dieses Buches, als auch der Klappentext viel versprachen, ging ich etwas skeptisch an dieses Buch heran. Doch man wird von Anfang an in den jüdischen Alltag hineingezogen und fühlt auch gleich mit den Personen, hauptsächlich mit Mendel, mit. Bemerkenswert ist Joseph Roths wunderbare Erzählweise und seine Art, die Gefühle und Handlungen der Charaktere darzustellen, sodass man auch viel über das Ostjudentum der damaligen, aber auch heutigen, Zeit lernen kann.


Der Angefeindete
"Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht - die Versuchung ist groß und seine Kraft ist klein. Die große Schuld des Menschen ist, daß er jederzeit umkehren kann und es nicht tut." Diese alte Weisheit aus dem Chassidismus scheint charakteristisch - nicht nur - für diesen Roman von Joseph Roth, welcher besticht durch die wundervoll poetische, schlichte und doch reiche Sprache. Dabei greift Joseph Roth für seine "wesens- ergründende Darstellung ostjüdischer Existenz" (S. Rosenfeld) auf die Elemente klassischen Erzählens zurück. Mendel Singer, "fromm, gottesfürchtig und gewöhnlich, ein ganz alltäglicher Jude", dessen Leben als Lehrer in einem wolhynischen Dorf "stetig dahinrinnt wie ein kleiner armer Bach zwischen kärglichen Ufern", wird jäh durch eine Kette harter Schicksalsschläge aus aus dessen Bedeutungslosigkeit herausgerissen und zu einer Art "Reinkarnation" des biblischen Hiob im zwanzigsten Jahrhundert. Die Aspekte der Beziehung des Menschen zu seinem Gott, zwischen Gottergebenheit und Auflehnung, zwischen Versäumnis und Schuld, Leben und Tod, orthodox und chassidisch, Leid und Wunder, Trauer und Freude, Böse und Gut, Heimat und Heimatlosigkeit, ziehen sich durch den ganzen Roman hindurch - wie eine Art "höheres Prinzip" zweier sich gegensätzlicher und doch ergänzender Pole. Josef Roth ist es damit gelungen, eine spannende Geschichte wirkungsvoll und in kräftigen Bildern zu schreiben. Gerade durch die ausdrucksstarke Symbolik, die Metapher und Bilder, die differenzierten und undifferenzierten Gefühls- und Gedankenwelten und dem insgesamt doch deutlich wirkungsorientierten Schreibstil gelingt es Roth, den Leser von Anfang bis zum Schluß mehr und mehr gefangen zu nehmen. Emotionen rufen seine Sätze hervor: Wut, Trauer, Mitleid, aber auch Freude und auch dies macht es zu einem bedeutenden Werk deutscher Literatur - zeitlos, schön und aktuell. Hiob Mendel jedenfalls (die Hauptfigur des Romans)findet seinen Gott nicht - vielleicht aber hat Gott ihn gefunden?

(Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Wunderschön geschrieben
"..., an Musikalität der Sprache kaum zu übertreffen" Stefan Zweig
Diesem kann ich nur zustimmen. Da es bei mir Schullektüre ist, bin ich mit der Erwartung rangegangen, dass es mir wohl eher nicht gefallen wird. Doch genau das Gegenteil ist eingetreten. Schon von den ersten Seiten war ich gefesselt. Aber nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der wundervollen Sprache, in der Joseph Roth schreibt. Sie ist so melodisch, dass man gar nicht auffhören möchte zu lesen. Und die Handlung ist...na ja, gewöhnungsbedürftig, denn man erfährt viele Dinge aus der Bibelgeschichte. Doch das empfand ich als nicht sehr schlimm, viel mehr konnte ich mit Mendel Singer, der Hauptsperson, die so vieles erleiden musste und zum Schluss doch noch sein Glück findet, sehr gut nachempfinden!
Mir hat er sehr gut gefallen, aber es ist gewiss nicht jedermanns Sache! Trotzdem 4 Sterne.


Gelungene Übertragung des biblischen Hiob
Joseph Rots Roman "Hiob" greift die Thematik des biblischen Hiobbuches auf, versetzt den Ort der Handlung aber in ein kleines russisches Dorf. Dort lebt Mendel, ein jüdischer Rabbi, mit seiner kleinen Familie in bescheidenen, ärmlichen Verhältnissen. Seinen Alltag bestimmt eine gleichbleibende Monotonie, die er aber als von JHWH so gewollt hinnimmt. Genauso wie die kommenden Schicksalsschläge: Sein 3. Sohn hat eine schwere Behinderung, seine Tochter "geht mit einem Kosaken", weswegen er nach Amerika auswandert. Allerdings reißen die Schreckensfälle dort nicht ab: Seine Frau stirbt, der zweite fällt im Krieg, doch immer noch hält Mendel an seinem Glauben fest - bis seine Tochter in eine Irrenanstalt eingeliefert wird. Joseph Rot versteht es, trotz der bekannten Geschichte den Leser in seinen Bann zu ziehen. Vor allem auch wegen der unerwarteten Wendung am Ende regt dieses Buch zu Diskussionen und Vergleichen mit dem biblischen Hiob an. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Die alte Geschichte
Hiob ist Joseph Roths wohl bekanntester Roman. Die Geschichte ist ein relativ genauer Spiegel der biblischen Hiob-Überlieferungen - nur ist die Handlung in spätere Zeit verlegt worden und erhält aktuellere Bezüge. Die Fragen bleiben aber die selben: Warum wird Hiob - unschuldig - so gestraft? Warum erlaubt es sich ein Gott, so mit seiner Kreatur zu spielen? Hiob wird geprüft - aber wozu? Ist er nicht derjenige, der Gott am meisten von allen vertraut, der ihn am intensivsten verehrt? Warum prüft Gott nicht jemanden, der vielleicht eher nachdenklich wird, eher aufbegehrt?

Das Buch regt zum Nachdenken an und ist gleichzeitig eine spannende Lektüre, auch wenn man mit biblischen Themen sonst eher nicht so vertraut ist. Die Handlung: Mendel Singer, Dorfschullehrer in Ostgalizien, wird endlos von Schicksalsschlägen heimgesucht; ein Sohn wird behindert geboren, der andere muß vorm Militärdienst ins Ausland fliehen, seine Tochter muss in eine Anstalt gebracht werden, seine Frau und seine Söhne sterben - und bei allem zögert Mendel Singer keinen Moment, seinem Gott bedingungslos zu vertrauen; bis, ja bis endlich die Erlösung für ihn kommt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Schlicht und ergreifend unerträglich.
Ich habe noch nie ein Buch verbrannt, aber wenn das mal wieder Schule machen sollte, ist dieses Buch mein Favorit für den Posten des Anzünders.

Tja, wenn sie bis hierher gelesen haben, war wenigstens einer auch meiner Meinung.

Aber jetzt mal ganz wertneutral: nur weil ein Buch über das Leiden eines Juden handelt, muss es nicht zwangsweise ein Meilenstein der Weltliteratur sein.

Die Charaktere, mal von Mendel abgesehen, wirken aufgesetzt und so klischeehalft, dass sie andererseits wieder ganz gut in die gleichermassen vorhersehbare Handlung passen.
Wie es sich gehört, stirbt Mendels Frau, die sich nach der Geburt eines - natürlich - behinderten Sohnes von einer hübschen Frau in eine hässliche Wuchtbrumme verwandelt.
Zwei seiner Söhne fallen im Krieg, während der dritte in die USA auswandert und dort natürlich schnell zu erfolgreich ist, dass er den kümmerlichen Rest der Familie nachholt.
Als dann Mendel am Schluss sogar noch in Amerika seinen behinderten jüngsten Sohn wiedertrifft (den er aber in der Heimat zurückgelassen hat), der es - man höre und staune - als Pianist ebenfalls zu Ruhm und Reichtum gebracht hat, fühlte ich mich in eine triviale Seifenoper versetzt.

So weit, so gut.

Als Buch für die Schule kann man Hiob ruhig denjenigen antun, die sich nicht dagegen wehren können - obwohl schon Marcel Reich-Ranicki gesagt hat, dass man mit der heutigen Schulliteratur keinen Jugendlichen mehr zum Lesen bringt.
Wer das Buch allerdings noch nicht gelesen hat, sollte sich was besseres suchen.

In Sachen Handlung und Qualität gibt es viel besseres.


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