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 Katz und Maus, 5 Audio-CDs
von Günter Grass
CD
August 2002
Verlag: Dhv der Hörverlag

Beschreibung: "Ich halte die Figur des 'Großen Mahlke' für eine der ergreifendsten und glaubhaftesten Jungen-Gestalten in der modernen Dichtung", jubelte einst Walter Jens. Daran hat sich auch über 40 Jahre nach der ersten Veröffentlichung von Katz und Maus wenig geändert. Immer noch wirkt die Geschichte von Joachim Mahlke, diesem Außenseiter mit dem überdimensionierten Adamsapfel, frisch und von überwältigender Sprachmacht. Umso mehr, wenn sie wie in dieser Aufnahme aus dem Jahre 1981 -- damals live gelesen vor einer Berliner Schulklasse im Grass'schen Atelier -- vom Autor selbst präsentiert wird. Dass Günter Grass wie kaum ein zweiter Schriftsteller auch ein begnadeter Interpret eigener Texte ist, wissen wir spätestens seit seiner grandiosen Lesung der Blechtrommel. Katz und Maus macht da keine Ausnahme. Und deshalb nimmt man in Kauf, dass die Tonqualität der Aufnahme in diesem Fall nicht ganz allerhöchsten Ansprüchen genügt. Dem einzigartigen Hörerlebnis tut dies keinerlei Abbruch. Überzeugen kann auch die schön gestaltete Box und das ausführliche Begleitheft, das neben einer Übersicht über Leben und Werk des Autors auch einen sehr guten einleitenden Essay von Helmut Frielinghaus enthält, der noch einmal an die heute absurd erscheinenden Diskussionen der 60 Jahre, ob das Werk pornografisch, blasphemisch oder allgemein jugendgefährdend sei, erinnert. Heute weiß man: Es ist einer der Texte des Nobelpreisträgers, die überdauern werden. --Christian Stahl Spieldauer: ca. 287 Minuten, 5 CDs, ungekürzte Lesung, Aufnahme in Mono.
Kommentare und Bewertungen: MENTOR - eine der besten Lektürehilfen
    
Eine der besten Lektürehilfen aus dem Hause Mentor, die eine der vielen Interpretationen durch Schaubilder veranschaulicht und schön gliedert. Sie ist eine große Hilfe durch ihre sehr deutliche Interpretation und die Zusammenfassung durch die man einen sehr guten Überblick über die einzelnen Kapitel erhält! Nur zu empfehlen!!!
Einstieg in das Grass'sche Werk
    
In der frühen Novelle "Katz und Maus" aus der Danziger Trilogie ist der Held Joachim Mahlke durch einen großen Adamsapfel gezeichnet. Er stellt eine ausreichende Provokation für eine Katze dar, danach zu greifen, als sie von Mahlkes Mitschülern in seine Halsnähe gehalten wird. Dieses gleich zu Beginn beschriebene Ereignis bestimmt den gesamten Ablauf des Buches. Nicht nur Mahlkes Adamsapfel wird durch die Maus symbolisiert, er selbst ist die Maus. Durch sein hervorstehendes Körpermerkmal wird der Mensch Mahlke zur Maus reduziert. Ihm gegenübergestellt ist die Katze. Nicht nur seine Mitschüler im allgemeinen, auch der Erzähler Pilenz im besonderen, die Lehrer -vor allem Studienrat Klohse, der als ausgestopfte Katze bezeichnet wird-, die gesamte Gesellschaft wird durch die Katze symbolisiert, die der Maus feindlich gesinnt ist. Mahlke ist ein Außenseiter; sein wenig ansprechendes Äußeres, nicht nur der Adamsapfel, provoziert die Gesellschaft zur Ablehnung. Somit befindet sich Mahlke in einem Dilemma, denn er will anerkannt werden. Deswegen versucht er seine "Maus" zu verstecken, indem er sie durch Bommeln, Schraubenzieher, Ritterkreuz und andere Gegenstände zu verdecken sucht. Die Maus versteckt sich vor der Katze hinter Bommeln. Der Schwache sucht Schutz vor der übermächtigen Welt. Fatalerweise erregt Mahlke mit den verdeckenden Gegenständen erst recht Aufsehen. Die Maus ist zwar verdeckt, tritt aber umso deutlicher hervor. Eine Maus erregt immer Aufsehen und Mahlke ebenfalls. "Er hatte immer Publikum", steht im Text; er tat sogar nie ohne Zuschauer etwas, nachdem er begriffen hat, dass er, ob er will oder nicht, immer im Mittelpunkt steht. Fast scheint es so, als wolle er die Katze noch mehr ärgern, als er es durch seine Erscheinung ohnehin tut: er stiehlt das Ritterkreuz und provoziert die Katze gerade zu, dass sie zuschnappt. Als er sogar desertiert, lässt er der Katze quasi keine andere Wahl als zum letzten Angriff überzugehen. Er kann sich nur noch in sein Mauseloch -die Funkerkabine- zurückziehen, das sich vermutlich auch als sein Grab erweist. Obwohl Mahlke die Katze zeitweise ärgert, braucht er sie eigentlich nicht. Wohl aber braucht die Katze Pilenz die Maus, wie die Einseitigkeit der Beziehung zwischen Erzähler und Held beweist. Es ist offensichtlich, dass die verfolgte Maus nur zu gerne dem Verfolger entkommen will. Solange dies noch nicht dauerhaft möglich ist, bleibt der kleinen Maus nur die Möglichkeit, den großen Gegner zu ärgern. Die Katze aber braucht die Maus, um mit ihr zu spielen und sie auch fressen zu wollen. Die Gesellschaft benötigt Brot und Spiele. Eine Besonderheit stellt Pilenz dar. Einerseits versucht er die Maus zu schützen und eifert ihr nach, indem er Mahlkes Mode nachäfft, andererseits animiert er gleich zu Beginn die Katze, die Maus anzuspringen und zuletzt versteckt er den lebensnotwendigen Dosenöffner vor den Augen Mahlkes. Dies kann als Ausdruck einer Gesellschaft interpretiert werden, die ihren Außenseitern gespalten gegenübersteht. Ein Beispiel: einerseits wird von Zigeunerromantik geschwärmt, andererseits Sinti und Roma diskriminiert. Insgesamt wird in "Katz und Maus" der dramatische Versuch eines Individuums und Außenseiters, das zu einem kleinen Nagetier reduziert wird, dargestellt, in unmenschlicher Zeit zu überleben. Ständig vor der Katze -als Symbol für eine uniforme, keine Abweichung zulassende Gesellschaft- verfolgt, entkommt die Maus, zieht sich in ihr Loch -die Funkerkabine- zurück und wird nie wieder gesehen. Ob sie stirbt oder einfach nur der Gesellschaft durch einen endgültigen Ausstieg entsagt, bleibt der Interpretation des Lesers überlassen. Wer Günter Grass versteht, bzw. sein Werk schätzt, dem ist neben der unumgänglichen Lektüre die Lesung (Originallesung aus dem Jahr 1981 - an einigen Stellen ist dies an der Qualität der Aufnahme festzustellen, was aber nicht störend ist) zu empfehlen.
Lektürehilfe zu Katz und Maus
 
Im Vergleich zu anderen Lektürehilfen, finde ich diese als Nachschlagewerk sehr schlecht geliedert und unübersichtlich. Sie bietet zwar eine subjektive Interpretation, lässt jedoch wenig Spielraum für eigene Sichtweisen. Um schnell mal etwas nachzuschlagen ist es durch die unübersichtliche Gliederung nicht geeignet. Für den Schulunterricht empfehle ich es nicht.
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