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 Mythos Motivation, 2 Audio-CDs
von Reinhard K. Sprenger, Susanne Grawe, Helge Heynold und Elke Schützhold
CD
September 2004
Verlag: Campus Verlag

Kommentare und Bewertungen: Motivieren Sie sich, dieses Buch zu lesen!
    
"Reinhard Sprengers Ideen revolutionieren die Mitarbeiterführung.", schreibt Rainer Goldmann von 3M Europa (steht jedenfalls auf dem Buch). Natürlich wird hier das Rad auch nicht neu erfunden, aber die verschiedenen Ansätze und Betrachtungewinkel lassen den Leser immer wieder innehalten und denken: "So habe ich das noch gar nicht gesehen, der hat ja Recht!". Doch auch für Angestellte im Innen- wie im Außendienst halte ich das Werk für lesenswert. Wissen Sie über Motivationsmodelle Bescheid, die vielleicht Ihr Chef selbst nicht einmal kennt, dann wird er Sie als kompetenten Mitarbeiter schätzen. Naja, gute Mitarbeiter sollen ja bekanntlich mit Gehaltserhöhungen zum Bleiben animiert werden. So kann sich dieses Buch also 1000fach bezahlt machen.
Ein absolutes Muss!
    
Reinhard K. Sprengers Streitschrift gegen die alltäglichen Motivationsfallen wurde sofort nach Erscheinen zum Bestseller. Sprenger spricht offen das aus, was viele Führungskräfte und Mitarbeiter schon lange wussten: Mit den falschen Stellhebeln der Motivierung werden Mitarbeiter langfristig eher demotiviert und immer unzufriedener. Mit scharfsinnigen Beobachtungen und feiner Ironie geht es in diesem Buch populären Irrtümern an den Kragen. Allerdings schiesst der Autor zuweilen etwas über das Ziel heraus, wenn das süffisante Wortspiel über die harten Fakten triumphiert. Das typische "Sprenger-Syndrom" trübt die Lesefreude ein wenig: Mit seinem reichhaltigen, essayistischen Schreibstil neigt er dazu, den immer gleichen Aspekt aus allen möglichen Blickwinkeln neu aufzurollen - inklusive zahlreicher Wiederholungen. Trotzdem: Für jeden, der führen will, ist dieser Klassiker ein Muss!
Als Streitschrift zu betrachten
   
Es gibt Bücher, die muss man lesen, weil sie andere auch lesen. Bei Sprengers Werken ist das so. Und wer mit Personalführung und Management zu tun, bisher aber an Sprengers Büchern vorbeigeschlittert ist, braucht für anhaltende Verweigerung eine gute Ausrede. Mit der gekonnten Aufarbeitung eigener Verletzungen durch Vorgesetzte katapultierte sich Sprenger vom Doktor der Philosophie in den Olymp der meistgelesensten Managementautoren. Klar, dass er heute als gefragter Unternehmensberater tätig ist. Wieviel seine Ratschläge der Untertanenwelt gebracht haben, bleibt offen. Klar ist, dass er die Welt nicht neu erfunden hat. Aber er sprach laut und süffig aus, was bei Insidern schon lange gemunkelt wurde: Motivation durch Belohnung ist auf Dauer kontraproduktiv. Weil Begeisterung durch Bestechung an Wert verliert. Ausserdem labten sich viele daran, dass hier einer hörbar am Lack der Führungselite kratzt und einem erklärt, weshalb man/frau nicht mehr arbeitet. Das belastet die Oberen und entlastet das Fussvolk. Nicht ungefährlich, aber notwendig und befreiend. Kurz und knapp verkündet Sprenger "Alles Motivieren ist Demotivieren". Das stimmt in dieser Absolutheit natürlich nicht, rüttelt aber verkrustete Denkchips durcheinander. Nachdem sich die Aufregung gelegt hat und die Betriebe wieder der vorsprenger'schen Alltag zurückkehrten, hat der Führungsexperte seinen Longseller überarbeitet und erweitert. Da neue Studien bestätigen, dass der Nachweis für eine Leistungssteigerung durch Anreizsysteme fehlt, rückt Sprenger von seinem Dogma nicht ab. Aber er gab der Frage "Wie denn besser?" mehr Raum. Und ausserdem verweist er für die Umsetzung - nicht zuletzt aus Marketinggründen - auf seine Folgebücher. Bei der plakativen Formulierung "Fordern statt verführen" weckt Sprenger bei mir Widerspruch. Denn "verführen" ist nicht das gleiche wie "verwöhnen". Anhand dieses Kapitels lässt sich schön zeigen, was der Fachwelt aufstösst. Der liebe Doktor nimmt es mit den Begriffen nicht sehr genau. Und der häufige Gebrauch des Wörtchens "natürlich" suggeriert eine überzeitliche und universelle Ordnung hinter den Dingen. Aber eine Streitschrift darf man nicht mit wissenschaftlichen Kriterien messen. Eine Überarbeitung hingegen verliert diesen Narrenfreiraum. Selbst Luther hat seine an die Tür gehämmerten Thesen mit etwas Distanz neuen Erkenntnissen angepasst. Sprenger-Fans wird das mentale Beharrungsvermögen ihres Gurus nicht kümmern. Für sie wird die Neuauflage zum Pflichtkauf werden. Wer aber bei Smalltalks keine roten Ohren bekommt, wenn vom "neuen" Sprenger die Rede ist, wird auf eine Anschaffung verzichten. Die Lektüre lohnt sich übrigens auch für die Gattung "Angestellte". Denn mit Sprengerzitaten lässt sich bei Personalverantwortlichen und Vorgesetzten gewaltig Eindruck schinden.
Mythos Motivation
 
Sprenger baut in seinem Buch den Begriff Motivierung auf. Hierein interpretiert er alle Spielarten extrinsischer Motivation. Als wenn er damit etwas neues, bisher Unbekanntes tun würde, verdammt er nun die Motivierung als untauglich im besten, und massiv kontraproduktiv im Normal-fall. Bei der Darstellung der einzelnen Elemente kommt er wortreich vom „Hölzchen aufs Stöckchen". Er verdammt dabei variable Gehälter ebenso wie Aktien-Optionspläne und Loben als Beleidigung des leistungsbereiten Mitarbeiters. Als notorische Miesmacher schafft er es sogar, die gangbaren „Wege aus einer Sackgasse" in einer inversen, also negativen Sicht darzustellen. Bei seiner negativen Grundeinstellung ist es kein Wunder, wenn er sagt „Alle Motivation ist Demotivation". Es wäre schön gewesen, wenn er die Möglichkeiten, intrinsische Motivation zu Unterstützen, zu fördern oder wenigsten weniger einzudämmen, positiv heraus gearbeitet hätte. Als Vertriebstrainer, wie als Führungskraft in einer gemeinnützigen Organisation, hätte ich gerne hilfreiche Hinweise aufgenommen. Aber ein Buch, das durch und durch in „so nicht" und „das auch nicht" und „jenes schon gar nicht" verfasst ist, macht keinen Spaß und lässt meine Motivation erlahmen, ist demotivierend. Schade, denn es enthält doch einige gute Gedanken.
Der Mythos "Mythos Motivation"
 
Sprenger gibt ein Abriss über jegliche Form von Motivierung, zerreißt diese dann in der Luft um darauf keinesfalls eine Lösung anbieten zu können. Das Buch ist eine Sammlung wortgewaltiger und inhaltsloser Begriffe, die nicht mit mehr als Pseudowissenschaftlichkeit zu tun haben. Um dieses nicht enden wollende Gejammer etwas unterhaltsam zu machen, werden gern Anekdoten und kleine Geschichten erzählt, die eh schon jeder in allen möglichen Formen kennt. Als Beispiel: Hier ist es der arme alte Mann (und nicht der jüdische Ladenbesitzer), den die kleinen bösen intrinsisch motivierten Kinder belästigen. Also her mit den Moneten als Lohn der Belästigungen, und die Kinder sind extrinsisch motiviert. Wird der Geldhahn abgedreht, lassen die Kinder sich nicht mehr blicken. Diese Geschichte kursiert in einschlägiger Literatur zur Motivationspsychologie. Sprenger stülpt diese Geschichte den Unternehmen über und macht aus diesem korrumpierenden Effekt einen Automatismus. Die Folge: Belohnen bringt nichts. So bedient sich Sprenger vieler kleiner unterhaltsamer Anekdoten, schneidert diese seinen Aussagen zurecht um eben diese damit zu bestätigen. Eine Lehre ist aus „Mythos Motivation" nicht zu ziehen. Auf psychologische Vorgänge im Menschen wird nicht eingegangen, stattdessen vergleicht Sprenger den Menschen (und die Motivation/Motivierung) mit Gestalten aus der griechischen Mythologie und verpackt das Ganze schön als Sisyphosdilemma. Andere schöne Wortkreationen (willkürlich herausgepickt aus Seite 70) sind: Anspruchsinflation, Impotenz-Traum, Abschöpfungsmentalität, Seelen-Schraubendrehern. Intelligent, wie der Spiegel über dieses Buch schreibt, wird nichts entlarvt und witzig ist allenfalls die unermüdliche und schöpferische Kraft, neue Begriffsgewitter am Horizont des Motivationshimmels donnern zu lassen. Das Buch blendet mit schillernden Worten sowie willkürlichen Automatismen und Verallgemeinerungen. Das einzig Wissenschaftliche an diesem Buch ist die Motivationsprominenz im Literaturverzeichnis. Fazit: Als Karikatur auf die heutige Unternehmenskultur ist es genüsslich zu verschlingen, als Lehr- und Leitwerk leider nicht.
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