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 Paul Temple und der Fall Spencer, 4 Audio-CDs
von Francis Durbridge, Rene Deltgen und Annemarie Cordes
CD
Oktober 2004
Verlag: Der Audio Verlag, Dav

Kommentare und Bewertungen: ES WAR EIN GENUSS! HERZLICHST! SPENCER!
    
Der achte Fall der berühmten Paul-Temple-Hörspielreihe des WDR lief ursprünglich im Jahre 1959 in acht Folgen. Freuen wir uns also, daß der Audio-Verlag den wunderbaren "Fall Spencer" jetzt in einem Rutsch herausbringt. Und zudem stimmt hier alles: Rene Deltgen und Annemarie Cordes geben das Ermittlerpaar Temple, Kurt Lieck ist Sir Graham, darüberhinaus hören wir die "Temple-Veteranen" Herbert Hennies, Friedrich W. Bauschulte, P. Walter Jakob, Heinz Schimmelpfennig und Peter Rene Körner. Musik wiederum von Hans Jönsson, der sogar ein paar Songs komponieren durfte, schließlich spielt der vorliegende Fall in der (Londoner) Welt der Schlagersänger, Musikproduzenten und natürlich in Nachtclubs. Ins Rollen bringt die Geschichte eine Schallplatte mit der beigefügten Notiz "Es war ein Genuss! Herzlichst, Spencer!", und wieder brauchen Paul Temple und seine Frau Steve nahezu sechs Hörstunden, bis sie im Gewirr der Spuren und Verdächtigen den ominösen Drahtzieher entlarven.
Zum Glück geht der Kult weiter
    
Eine Hörspielserie die 50 Jahre ist und sich trotzdem eine immer größeren Gemeinde erfreut, geht das ?Die Antwort ist einfach, ja das funktioniert. Und zwar so gut, dass ich mir inzwischen alle erhältlichen Veröffentlichungen gekauft habe. In friedlicher Koexistenz bringen Der Hörverlag und Der Audioverlag die Hörspiele mit dem Helden Paul Temple und seiner Frau Steve auf den Markt. Dafür sei schon einmal Danke gesagt. Wobei mir die Ausgaben vom Audio Verlag aufgrund der besseren Informationen die beiliegen etwas besser gefallen. Auf das Hörerlebnis hat das natürlich keinen Einfluss. Das Francis Durbridge spannende Geschichten zu erzählen vermag ist bekannt, auch wenn es nach den Höhepunkten im TV in den 60ern, Anfang der 7oer ruhiger wurde. Die Umsetzung der Drehbücher für das Radio kann man, den Machern sei dank, nur als überaus gelungen bezeichnen. Kongenial ergibt sich aus der Geschichte, der Art der Umsetzung für das Radio und den tollen Schauspielern (Sprechern) ein Erlebnis, dass immer wieder zu fesseln weiß. Hier liegt für mich auch der Knackpunkt des Ganzen. Ich habe eher den Eindruck einem "Schauspiel" beizuwohnen, als einem Stück aus dem Radio, aus meiner Sicht liegt das daran, dass die Krimis von den Darstellern gespielt und nicht gesprochen werden. So entsteht Atmosphäre pur ! Falls Sie, wie ich, einige der TV - Produktionen in schwarz-weiß gesehen haben, ist es sehr einfach sich das ganze bildhaft vorzustellen. Aber auch ohne diese Kenntnis funktioniert das ohne Probleme ! Einiges der Handlung, der Ausdrucksweise und im täglichen Leben ist nicht mehr zeitgemäß, darunter leidet das Hörspiel nicht, es ist eher das, was der Reihe den Kultstatus einbringt. Dazu gehört auch, wie Paul Temple ab und zu mit seiner Frau spricht. Für die Aussage "mein Dummerchen" würde man heute gesteinigt, hier erhöht es den Kultstatus. Und, Steve Temple ist alles andere als ein Dummerchen, sie hilft ihrem Mann weitgehend bei der Aufklärung, auch dieses Falles.
Kultverdächtig...
    
...auch wenn der Begriff wahrscheinlich etwas sehr beansprucht ist.
Wir haben einen Helden, eigentlich ein erfolgreicher britischer Schriftsteller, mit Wohnung in London, der so zum Zeitvertreib Kriminalfälle löst. Außerdem ist da noch seine Frau, die nicht dumm ab und an „Einfälle" bzw. „Gefühle" hat und so ihrem Mann weiterhelfen kann, wenn der mal nicht weiterweiß. Da gibt es Charlie, der Diener der Temples, meines Erachtens nicht gerade eine Leuchte, der seinem Herrn und Meister mit seinem „Okay" immer wieder auf die Nerven geht. Weiterhin ist da noch Sir Graham, der Chef von Scotland Yard, der immer wieder um die Hilfe von Paul Temple bittet, aber im Großen und Ganzen nicht so schlecht wegkommt. Damit haben wir die immer wiederkehrenden Hauptpersonen eines jeden Hörbuches abgehandelt. Daneben haben wir immer wieder die üblichen erzbösen Verbrecher, die doch immer wieder auf der Strecke bleiben. Auch gibt es gute Verbrecher, die entweder im Laufe der Handlung auf den Pfad der Tugend zurückkehren oder direkt für Paul Temple den einen oder den anderen kleinen Dienst (kleiner Einbruch, kleine Erpressung oder etwas ähnliches kleines) übernehmen. Meist geht es in den Büchern, um Rauschgift. Hier geht's um den Schmuggel von Edelsteinen. Auch gibt es in jedem Fall einen wichtigen Zeugen, der mit Gas vergiftet wird, zusammengeschlagen, erschossen oder angefahren wird, von den Temples rechtzeitig gefunden wird, eventuell noch etwas unzusammenhängendes stöhnen kann und dann doch im Krankenhaus stirbt. Nun zur Umsetzung: Technisch entspricht das Ganze wohl dem damaligen Stand der Zeit und ist auch heute noch durchaus hörenswert. Die Akteure sind, subjektiv beobachtet, mit Freude dabei und vor allem absolute Profis. Auch die Geräusche - Telephonhörer werden auf eine G a b e l gelegt, in der Abflughalle hört man das tiefe ‚Brummen' von Propellerflugzeugen - sind von Könnern gemacht. Was mir noch aufgefallen ist, besonders bei den älteren Hörspielen, ist die schon lustige Übersetzung aus dem Englischen. Paul Temple ist waschechter Brite, benutzt jedoch eindeutig deutsche Redewendungen. Auch bei der Aussprache sind eine Defizite, für die jeder Sprachschüler zumindest einen tadelnden Blick seiner Lehrerin ernten würde. Die Frau des Titelhelden wird oft von ihr „Poohl" gerufen, oder zur Begrüßung wird ein breites „Hähllo" hervorgebracht. Fazit: auch wenn es heute bessere Krimis gibt, die Paul-Temple-Hörspiele verdienen ihren Namen nicht. Es sind viel mehr H ö r f i l m e, die Handlung findet unvermeidlich im eigenen Kopf statt. Egal welcher Fall - es lohnt sich!
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