Hörbuch         Roverandom, 2 Cassetten


Roverandom, 2 Cassetten
von John R. R. Tolkien und Ulrich Noethen
Hörkassette
März 2003
Verlag: Dhv der Hörverlag



Kommentare und Bewertungen:
Ein echtes Juwel!
Und es gibt sie noch - die kleinen Juwelen über die man meist nur durch Zufall stolpert. Hier stimmt wirklich alles - die Stimme des Erzählers (mein Liebling war der Wal...), die Geschichte, der Wortwitz - perfekt.
Das fanden auch unsere 2 kleinen Kinder, die mit dieser Geschichte im Auto bei einer längeren Reise geschlagene 2 Stunden ruhig zu stellen waren und bei der nächsten Fahrt gleich wieder nach der Geschichte fragten.
Aber auch Erwachsene, die noch jung geblieben sind, werden ihren Spaß an der Geschichte haben.
Meine Empfehlung: Kaufen!


Was sind Stofftiere wirklich ?
Wer hat sich als Kind nicht gefragt, was mit unseren Stofftieren passiert, wenn wir nicht da sind. Diese Geschichte zeigt eine weitere Möglichkeit, was Stofftiere eigentlich sind und was sie so treiben. Wunderschön zu hören, kurzweilig, für Erwachsene mit einer kindlichen Ader.


Vom kleinen Hund, der einen großen Zauberer biss
1925 fuhr Familie Tolkien auf Urlaub an die Nordsee. Dabei verlor der junge Michael, „Nummer zwei" von John Ronald Reuels Söhnen, am Strand sein Lieblingsspielzeug, einen kleinen metallenen Hund, weiß mit schwarzen Flecken. Die Trauer beim Tolkien-Spross war groß, so groß, dass der Vater ein Märchen ersann, um dem Filius Trost zuzusprechen. Diese liegt Geschichte liegt nun vor uns.

Sie handelt von Rover, einem aufgeweckten kleinen weißen Hund mit neckisch schwarzem Fell ums eine Auge. So versunken ist der Kleine ins Ballspiel im Garten, dass ihm das Nahen eines alten Mannes mit flickigen Hosen, langem Bart und grünem Hut samt blauer Feder nicht gewahr wird. Ein Fehler, wie sich bald erweist. Als der ungebetene Gast nahe bei ihm steht und Anstalten zum Berühren macht, knurrt und fletscht ihn Rover an. Mehr noch, er beißt dem Alten in die Flickenhose, ein Stück des Stoffes geht mit - wahrscheinlich auch ein Stück vom Zauberer selbst, denn ein solcher ist der Mann mit der seltsamen Kopfbedeckung. Die Rache des brüsk Zurückgewiesenen kann grimmiger nicht sein. Der Hexenmeister verwandelt Rover in einen Spielzeughund, geschrumpft und ständig Männchen machend.

Rover findet sich bald als Figur im Schaufenster wieder. Eine Frau kauft ihn, um ihrem Sohn „Nummer zwei" ein Geschenk zu machen. Doch der Bub verliert Rover schon bald am Strand. Ausgerechnet der alte Sandzauberer Psamathos (Achtung! Unbedingt das „P" betonen, sonst kann er recht unwirsch werden) findet das hündische Strandgut. Psamathos ist ein sonderbarer Knilch, der am liebsten schläft und nur dann gerne wacht, wenn Nixen zum Tanz sich treffen. Bei jedem „p" aus seinem Munde stößt er Sandwolken durch die Nase und schilt Rover einen Narren, weil dieser Ataxerxes - so heißt der gebissene Magier nämlich - in den Allerwertesten gezwackt hatte. Unglücklicherweise sei Ataxerxes nicht nur ein sehr alter, sondern auch sehr mächtiger Meister der Zauberei, und der Fluch, der über Rover lastet, kann - wenn überhaupt - nur durch den Mann im Mond aufgehoben werden, meint der Herr des Sandes. Auf dem Rücken der Seemöwe Möwe, Psamathos' Postboten, geht es über schwarze Klippen, donnernde Wasserfälle und das finstere Ende der Welt, immer den Mondpfad entlang, direkt zum fahlen Himmelskörper.

Bereits am Anfang der Erzählung fällt Tolkiens berühmte Liebe zum Detail auf. Seine Sätze glänzen wegen der vielen plastischen Adjektiva, seine Figuren werden durch genaue Beschreibungen ihres Aussehens oder ihrer Macken im Kopf des Hörers ganz unwillkürlich zum Leben erweckt. Psamathos z.B. vergräbt sich am liebsten tief im Sand, offensichtlich behagt dem stolzen Sandzauberer sein Aussehen rein gar nicht. Er ist klein an Gestalt, von wenig gewinnendem Gesicht und mit Hasenfüssen versehen. Wen wundert da noch, dass er gewichtig Wert auf die korrekte Artikulation seines „klassisch" klingenden Namens legt? Ataxerxes wiederum, eine Ausgeburt an Mieselsucht, gewinnt durch sein Faible für die Pflaumenzucht. Heimlich braut er gern an Schnäpsen. Vor mehr als 2000 Jahren hatte er sich verirrt (gut möglich, dass es am „Pflaumengeist" lag). Und als er nach dem Weg zurück ins heimatliche Persien fragte, verstand man „Pershaw" anstatt „Persia" - seitdem lebte er in England. Der dritte große Magier - wahrscheinlich der mächtigste von allen - hat auch sein Bündel an Schrullen zu tragen. Ja, der Mann im Mond, flucht gerne auf Drachen, wenn er nicht durchs Fernrohr guckt oder an der Pfeife pafft und Klatschblätter von der Erde liest.

Am Mond, da erlebt der kleine Rover fast mehr als ein Hündchen seiner Größe ertragen kann. Immerhin lauert der Große Weiße Drache, ein gar furchtloser Geselle. Doch Rover erlebt auch viel Schönes am Erdtrabanten. Er lernt sein geflügeltes Ebenbild, den Mondhund Rover, kennen und schätzen. Oder er beobachtet Mobolde, die Kobolde des Mondes, wie sie Pfannkuchen aus Schneeglöckchen verspeisen. Es ist der Mann im Mond, der Rover seinen neuen Namen verleiht: Roverandom, denn schließlich gibt es mit dem Mondhund schon ein Tier ersteren Namens.

Auf Möwes Schwingen geht's zurück zum blauen Globus. Roverandom beschließt, Ataxerxes aufzusuchen und um Verzeihung zu bitten, damit er seine Gestalt wiedererhält und heim zum Jungen „Nummer zwei" kehren kann. Doch der griesgrämige Hexenmeister weilt nun am Grund des Ozeans. Beim Bad im Mondlicht und Tanz der Nixen hatte er sich in die Tochter des Meereskönigs verliebt. In Uins Rachen, dem ältesten aller Grönlandwale, taucht Roverandom zum Palast des Meereskönigs hinab. Dort angelangt, schenkt Ataxerxes seinen Bitten jedoch kein Gehör. Zu sehr widmet sich der Alte im x-ten Frühling seinen neuen Aufgaben, Gemahl der Prinzessin und PAM zu sein. PAM? Pazifisch-Atlantischer-Magier: der höchste Zauberer-Posten im Wasserreich. Die größte Gefahr droht von der Uralten Seeschlange, die in einer Reuse nicht weit vom Palast schläft. Wacht sie auf, drohen Flut, Wut und Verheerung. Selbst Fische würde ob des Tosens „seekrank" werden. Ataxerxes soll sie besänftigen, ein Vorhaben, das aufgrund von Roverandom gründlich scheitert. Mehr der Handlung soll ab nun nicht verraten werden ...

Für Tolkienforscher stellte „Roverandom" bislang bloß eine Randnotiz im Oeuvre des Meisters dar, da die Handlung nicht ins gewohnte Gefüge von Mittelerde passt. Wenngleich dem Eingeweihten auch in dieser Geschichte ein Hinweis auf das Reich der Elben zuteil wird. Als Roverandom mit Uin den westlichen Ozean durchschwimmt, kann sein Auge die Heimat der Elben von weitem vage erkennen, er ist „eines der sehr wenigen Geschöpfe - ob auf zwei oder vier Beinen -, die in unseren Landen umherziehen und sagen können, sie hätten das Andere Land erspäht, wenn auch in weiter Ferne." (Uin). In „Der Herr der Ringe" ist dies eben jene Sphäre ganz weit im Westen, in die das Elbenvolk sich zu Ende des Dritten Zeitalters zurückzieht.

Wer bereit und willig ist, dem eröffnet selbst das Märchen vom unscheinbaren kleinen Hund mit dem schwarzgefleckten Auge Tür und Tor zu neuen Reichen der Legende. Roverandom, vom Namen her ein scheinbar „zufällig Umherziehender", ist in der literarischen Wahrheit einer jener schicksalsbestimmten Tolkienschen „Pilger", die mit dem Umfang ihrer Aufgabe ständig an persönlicher Größe gewinnen.


Eintypisches Tolkienmärchen für Kinder und Erwachsene
Diese Geschichte beschreibt mit Liebe und Phantasie das Leben eines kleinen Hundes, wie ihn sich jedes Kind wünscht... und wenn wir ehrlich sind auch mach'Erwachsener.


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