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 Venezianisches Finale, 6 Cassetten
von Donna Leon und Philipp Schepmann
Hörkassette
Oktober 1998
Verlag: Steinbach Sprechende Bücher

Kommentare und Bewertungen: Wunderbarer Kriminalroman a la Simenon
    
Donna Leon ist inzwischen zu einer Kultautorin fuer anspruchsvolle Kriminalliteratur geworden. Wie Magdalen Nabb Florenz in ihren Krimis populaer gemacht hat, so hat es die seit langem in Venedig lebende Donna Leon geschafft, mit ihren Krimis ihrer Lieblingsstadt zu neuem ruhm zu verhelfen. Gleich ihr Debutroman "Venezianisches Finale" wurde von der Kritik enthusiastisch gefeiert und - meiner Meinung nach zu Recht - mit den romane n von Simenon verglichen. Wer Freude an genauer Beobachtung - auch der kleinsten Details - hat, differenzierte Charaktere mag und einfach nur die BEwohner Venedigs kennenlernen moechte, sollte zu den Buechern von Donna Leon greifen. Mir hat ihr Erstling bei weitem am besten gefallen. Ein deutscher Stardirigent, Helmut Wellauer, der eindeutig einem beruehmten deutschen Dirigenten nachgezeichent wurde, wird vor dem 3. Akt der Verdi-Oper "La Traviata" vergiftet aufgefunden.Der Maigret, der diesen komplizierten Fall aufklaeren soll, heisst in Donna Leons Krimis Kommissar Brunetti, und er ist um die Loesung seiner Aufgabe nicht zu beneiden. Sein Vorgesetzter setzt ihn mit der Aufklaerung dieser verzwickten Gechichte unter Druck, um vor der Oeffentlichkeit die Lorbeeren des erfolgreichen Ermittlers einzuheimsen, die eigentlich Brunetti zustehen. Diesem gelingt die Aufklaerung des Todesfalles - doch sieht er sich um die Anerkennung seiner Arbeit betrogen. Brunetti erkenn im Rahmen seiner Aufklaerungsarbeit an diesem Fall sehr bald, welches Mass an Hass, Missgunst und Neid sich hinter der feinen Fassade des Theaterbetirebes auftut. Es kann nicht Aufgabe dieser Rezension sein, die Loesung dieses Falles zu verrraten. Was jedoch an dem vorliegenden Krimi beeindruckt, ist die Glaubwuerdigkeit der Charaktere, die im Laufe der Beragungen ihre Beziehung zu dem verstorbenen Dirigenten erlaeutern und allmaehlich die Schattenseiten des bisher als untadelig geltenden Dirigenten ans Licht bringen. Donna Leon hat einmal zu ihrem Romangesagt, ihr sei die Idee zu diesem Plot in einem Cafe gekommen, als sie nach einer Auffuehrung in Venedigs opernhaus den Dirigenten so schlecht fand, dass sie ihn am liebsten ermorden wuerde. Hier ist es nicht so sehr die Spannung, der Thrill, sondern die Atmosphaere der Stadt und die differenzierten Charaktere, die sehr glaubhaft dem "wirklichen Leben" entstammen koennten, welches dieses Buch aus der Vielzahl gewoehnlicher Krimis hervorhebt. Ich muss sagen, dass die an Simenon erinnernde Ruhe in der Beschreibung in diesem Band nicht stoert. Mir haben allerdings die folgenden Baende von Donna Leon weniger gefallen. Hier artet die Ruhe in Langatmigkeit und Langeweile aus, zumal die Krimis immer pessimistischer werden und sich mit Mafia und organisierter Kriminalitaet beschaeftigen. Erst in "Aqua alta" spielen kultur und kKunst wieder eine demm vorliegenden Band vergleichbare Rolle. Fazit: Ein aussergewoehnlicher Krimi fuer Leute, die Simenons Maigret oder Timothy Holmes Italien-Krimis um Kommissar Peroni (in der Kriminalbibliothek von Dumont) moegen. Leider lebt Jean Gabin nicht mehr: er waere wie fuer Maigret auch fuer Brunetti die ideale Filmbesetzung gewesen. Der Roman wurde inzwischen sowohl verfilmt als auch als Literaturhoerspiel mit Hannelore Hogeer in der Hauptrolle im Radio ausgestrahlt und ist als Hoerbuch zu erwerben. Aufgrund ihrer gefuehlvollen Darstellung - sie spricht die Gattin des Dirigenten - wurde auch dieses Hoerbuch ein voller Erfolg.
Viva Italia!
   
Donna Leon stellt in ihrem ersten Kriminalroman einen äußerst sympathischen Commissario Brunetti vor. Brunetti ist mit Leib und Seele Italiener, er liebt gutes Essen und guten Wein, seine Frau und die Kinder. Ohne Wertung zeichnet Donna Leon das Portrait einer typischen Familie mit den typischen Familienangelegenheiten und macht so Brunetti zu einer glaubwürdigen und liebenswerten Person. Natürlich ist die hauptsächliche Handlung eines Krimis der Kriminalfall und soviel kann verraten werden: Im Opernhaus von venedig stirbt der deutsche Stardirigent vor dem letzten Akt auf mysteriöse Weise. Während der Ermittlungen Brunettis tut sich so mancher Abgrund im Leben des Dirigenten auf und es scheint doch mehr als genug potentielle Täter zu geben... Dieses Buch ist wirklich schön lebendig geschrieben und neben aller Handlung stellt Brunetti dem Leser Venedig einmal nicht aus der Sicht eines Fremdenführers vor, sondern ganz realistisch eine schön-häßliche oder häßlich-schöne Stadt aus der Sicht eines Venezianers. Fazit: Donna Leon ist ein toller Kriminalroman gelungen, der sich leicht lesen läßt und den man nicht gerne aus der Hand legt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Schnörkellos, spannend und ohne unnötigen Klimbim
   
Ob Donna Leons Krimis ein so stimmiges (und stimmungsvolles) Bild von Venedig zeichnen, wie die Kritiker zuweilen, sich überschlagend und überbietend, meinten, kann ich leider mangels eigener Venedigerfahrung nicht beurteilen. Commissario Brunetti ist mir auf jeden Fall sehr schnell ans Herz gewachsen. Zum Teil mag das daran liegen, daß er nicht zu den Standardschnüfflern gehört, die unbedingt eine kaputte Beziehung haben müssen, damit sie auch ein bißchen interessant werden. Bei Brunetti ist alles paletti, dafür versteht er sich mit seinen Schwiegereltern nicht besonders gut. Im besprochenen Band nun (sein "erster Fall") kommt ein Dirigent höchst unnatürlich zu Tode, während das Publikum auf den Beginn des dritten Aktes wartet. Berühmt war der Mann und mit reichlich Vergangenheit versehen, die ihm auch reichlich Feinde eingebracht haben könnte. Die tatsächlichen Hintergründe liegen natürlich an anderer Stelle verborgen, aber davon will ich nichts verraten. Natürlich schreitet Leon nicht geradlinig auf die Lösung des Falles zu; das wäre ja auch recht langweilig. Man erfährt so allerlei aus dem Leben und dem Bekanntenkreis des Dirigenten, und ist lange Zeit noch herzlich eingeladen, mit Brunetti zusammen zu rätseln, wer denn nun warum, bitte schön?, und das ist keineswegs langweilig gemacht, sondern sehr abwechslungsreich. Auch wenn es nicht zu meinen Fünf-Sterne-Kandidaten gehört, macht das Buch dennoch Lust auf weitere Abenteuer des Commissario. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Sympathischer Ermittler - fade Story
  
Während einer Opernaufführung in Venedig wird der deutsche Star-Dirigent Helmut Wellauer in seiner Garderobe tot aufgefunden, mit Zyankali vergiftet. Commissario Guido Brunetti ermittelt, und er weiss, dass er zunächst einmal die Persönlichkeit des Ermordeten ergründen muss, um den Mörder zu finden. Mit Hilfe von Leuten, die rein zufällig und äußerst praktisch Klatschreporter oder Persönlichkeiten aus höheren Kreisen sind, erfährt der Commissario alles Wissenswerte aus Wellauers Vergangenheit. Die ist es auch, allerdings nicht die aus der Nazizeit, die letztendlich zur Auflösung führt. Commissario Guido Brunetti ist einer zum Gernhaben. Er ist kein allwissender Supermann, aber auch nicht dumm und nicht mit Hilfe von Bestechung und Beziehungen an seinen Job gekommen. Er hat eine normale, gut funktionierende Familie und einen bescheuerten Chef. Dies erinnert irgendwie an die allüblichen Freitagabendkrimis aus deutscher Produktion - hatte Kommissar Köster nicht auch einen solchen Chef? Unverständlich ist, warum Brunetti Leute mit Fragen beleidigt. Warum muss er eine Ärztin nach ihrer politischen Überzeugung befragen, um ihr dann sagen zu können, Kommunismus passe nicht zu ihrer Behandlung reicher Patienten? Eigentlich ist das nicht Brunettis Art. Wahrscheinlich eher das Bemühen der Autorin, dem Leser italienische Verhältnisse nahezubringen, vielleicht auch ihr Erstaunen über das Vorhandensein von Kommunismus in einem westlichen Land auszudrücken. Die Geschichte an sich ist fade und holprig erzählt, die Dialoge hölzern, die Ermittlungsarbeit beschränkt sich auf Brunetti und seine schwachköpfigen Mitarbeiter. Schade eigentlich, denn Brunetti und seine Familie fand ich wirklich nett.
Netter Ansatz aber zu viele Klischees
 
Die Kritiken zu Donna Leons Commissario Brunetti-Romanen sind entweder von überschäumenden Lobeshymnen oder endlosen Verdammnisgesängen geprägt. Entweder man mag die Autorin oder man mag sie nicht, möchte man meinen. Doch dieses schlichte Fazit wird Leons Erstlingswerk meiner Meinung nach nicht gerecht, denn während ich es las, begeisterte und enttäuschte es mich gleichermaßen. Erfreut haben mich in erster Linie die Ansätze der Autorin hinsichtlich Handlung, Schauplatz und Figuren, die allesamt gute Voraussetzungen für einen lesenswerten, klassischen Detektivroman bieten. Was mich beim Lesen abstieß, war weniger das typische Krimimuster, das Leon hier nachzeichnet, als die oberflächliche und oft klischeehafte Ausarbeitung der einzelnen Elemente. Das Opfer, Maestro Wellauer, beispielsweise, ist ein "alter Nazi", der während seines gesamten Lebens die Menschen an seiner Seite schamlos für seine Zwecke und Gelüste benutzte. Das solche Überbleibsel deutscher Vergangenheit existieren, möchte ich gar nicht dementieren. Traurig aber ist, daß keine andere deutsche Figur im Roman auftritt, die dieses Bild relativieren würde. Diese schwarz-weiß Malerei findet sich auch in Leons Landschaftsbeschreibungen wieder. Wo "das Gute" herrscht, ist Venedig schön, in den "bösen" Ecken gleicht es einer Müllhalde. Schließlich kann auch die Auflösung des Falles nicht überraschen. Schon in der Mitte des Romans kann jeder eingefleischte Krimifan das Rätsel lösen. Daß Brunetti nach langer Zeit endlich einmal wieder einen Ermittler repräsentiert, der nicht unter zerbrochenen Beziehungen und Bindungsängsten leidet, ist wiederum erfreulich. Daß er deshalb jedoch gleich zu einer stets moralisch korrekten Vaterfigur stilisiert wird, erscheint mir ungerechtfertigt. Fazit: Leon mag für den Krimineulig eine durchaus annehmbare Alternative zu Agatha Christie als Einstieg in das Genre bieten. Dem belesenen Krimikenner jedoch hat sie, bis auf einen netten Sprachstil (den leider die Übersetzerin teilweise ein wenig verhunzt hat), nichts zu bieten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Nur für Venedig-Fans
 
Der große Dirigent Helmut Wellauer liegt vergiftet in seiner Garderobe in der venzianischen Oper La Fenice. Commissario Brunetti soll diesen Todesfall untersuchen. Soweit die Geschichte. Dieses Buch hat mich etwas enttäuscht. Die Charaktere bleiben das gesamte Buch über flach. Auch das Kapitel, in dem wir dem Privatleben der Familie Brunetti beiwohnen, kann diesen Eindruck nicht richtig korrigieren. Das gesamte Buch lebt von Klischees und Vorurteilen. Der böse Deutsche, der Italiener, der das Leben genießt... Außerdem habe ich den Eindruck, daß bei den Ermittlungen zu viel "herumgeeiert" wird. Wenn man schon nicht die Charaktere ausreichend beschreibt, sollte man die Geschichte bessermachen. Auch das Venedig-Flair kommt bei mir nicht so richtig an. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, daß man nicht unbedingt in Venedig leben muß, um dieses Flair, wie es beschrieben, aufs Papier zu bringen. Daß Venedig von Wasser umgeben ist, weiß jeder, die Sehenswürdigkeiten kann man auch anhand einer Straßenkarte hinzufügen. Die Übersetzung dieses Buches ist auch etwas seltsam. Es läßt sich zwar flüssig lesen, ist aber teilweise etwas holprig. ("Wenn er es bemerkte, ließ er es sich nicht anmerken...") Alles in allem läßt sich sagen, daß dieses Buch kein großer Wurf ist, jedoch unterhaltend. Wenn man es geschenkt bekommt sollte man es ruhig lesen. Ansonsten eher etwas für Venedig-Fans.
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