Hörbuch         Am Beispiel meines Bruders, 4 Audio-CDs


Am Beispiel meines Bruders, 4 Audio-CDs
von Uwe Timm und Gert Heidenreich
CD
Oktober 2003
Verlag: Random House Audio



Kommentare und Bewertungen:
Typische deutsche Familie Mitte des 20. Jahrhunderts ?
Der 19-jährige Karl Heinz Timm aus Hamburg stirbt nach schwerer Kriegsverletzung, die zur Amputation beider Beine führt, 1943 in einem ukrainischen Lazarett. Er hatte sich freiwillig zur Waffen - SS gemeldet und wurde mit einer Eliteeinheit an die Ostfront versetzt. 60 Jahre später spürt sein "kleiner" Bruder diesem viel zu früh erloschenen Leben nach. Eine Feldtagebuch über die Zeit von Februar bis Oktober 1943 wirft viele Fragen auf. Warum ging der Bruder freiwillig zur SS ? Wie hielt er es mit der Verpflichtung zum Töten ? Inwieweit machte er sich schuldig ?

Da weder die knappen, sich auf harte Kriegsfakten beschränkenden Tagebucheintragungen noch die Archive über seine Einheit viel hergeben, bleiben die Antworten des Autoren auf diese Fragen lückenhaft. Erst mit Hilfe der Erinnerung an Erzählungen der Eltern und der Schwester gelingt es Uwe Timm, ein Bild des 16 Jahre älteren Bruders entstehen zu lassen. Das Nachdenken über den Bruder läßt den Autor nach Prägungen, Werten und Erziehungszielen in seiner engsten Umgebung fragen. Unleugbar haben familiäre Liebe, Nähe und Respekt unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Zivilisationsbruches auch die eigene Biographie beeinflußt.

Der gut gewählte Titel des 159 seitigen Buches paßt. Vordergründig geht es um den Bruder. Gleichzeitig ist es ein gelungenes, teilweise auch kritisches Portrait der eigenen Familie, des begabten, wenngleich später doch scheiternden Vaters und der zähen, vom Autor bewunderten Mutter. Es ist auch eine Beschreibung von Menschen in Hamburg und ihr Verhalten in der Nachkriegszeit. Uwe Timm greift in sehr persönlichem Umfeld eine Thematik auf, die er bereits exzellent in seinem früheren Werk "Die Entdeckung der Currywurst" behandelt hat. Ein kluges empfehlenswertes Buch, das viele Menschen bei aller Unterhaltung zu Recht nachdenklich machen wird.


Kriegserinnerungen einmal anders
Uwe Timmm Am Beispiel meines Bruders Kiepenheuer& Witsch
ISBN 3 462 03320 4

Diese Erinnerungen von Uwe Timm an seinen im Alter von nur neunzehn Jahren 1943 an der Ostfront gefallenen Bruder lesen sich sehr schnell.
Die Ausdrucksweise ist zart, eindringlich und von einer spürbar sehnsüchtigen Sprache getragen, mit der U.Timm verstehen möchte, was es mit diesem Krieg, der SS-Zugehörigkeit seines Bruders, auch der Nazivergangenheit des Vaters, auf sich hat.
Anhand von sparsamen Aufzeichnungen des Bruders aus dem Feld, auch anhand von Briefen, versucht er sich dem 16 Jahre älteren toten Bruder zu nähern.

Uwe Timm gelingt es, die Kriegs-und Nachkriegszeit zu erinnern , die Spuren des Bruders aufzugreifen und aus spärlichen Erinnerungen ein Bild der frühesten eigenen Kindheit im brennenden Hamburg aufzuzeichnen. Später, zurückgehend in das Jahr 1956, erinnert er sich der Spannungen mit einem Vater , der den ersten und zweiten Weltkrieg erlebt und aktiv mitgetragen hat.
Der Mutter, einer selbstdisziplinierten Frau, die stets zum Vater gehalten , wenn auch nicht alles gebilligt zu haben scheint, wird in liebevollen Eindrücken gedacht. Es ist eine Zärtlichkeit für die eigenen Familienmitglieder der Vergangenheit, die dem Jüngsten und zuletzt noch alleine Überlebenden der Familie anhaftet, die den Leser bis zuletzt anrührt.

Das Buch hat mir noch einmal deutlich gezeigt, wie tief die Kriegs-und Nachkriegsgenerationen einander mißverstanden, und wie wenig sie in ihren unterschiedlichen Lebenszeiten-und Erfahrungen zueinander finden konnten.

Das Buch ist überzeugend und eindringlich geschrieben. Ich möchte es ausdrücklich als eine Art wunderbarer Lebensbiographie empfehlen.
Cl.B.


Ein schönes, ein bewegendes, ein wichtiges Buch
Ehrlich, schonungslos und einfühlsam zeigt Uwe Timm deutsche Defizite am Beispiel seiner eigenen Familie auf.
Timm, der in seinem Buch ganz unumwunden von seinen eigenen Erlebnissen berichtet verarbeitet in seinem Buch das, was er aus Erzählungen der "Erwachsenen" vernahm. Im Gegensatz zu manch anderem scheint er ein guter Zuhörer gewesen zu sein.Im Mittelpunkt des Buches steht Timms 16 Jahre älterer Bruder Karl Heinz, der 18jährig 1942 zur SS geht und 1943 - nachdem ihm beide Beine abgenommen werden mussten - stirbt.
Timm zeigt besonders in diesen Passagen des Buches wahre Größe (wenn auch nicht unbedingt literarisch - seine Sprache ist oft glanzlos, etwas hölzern),aber dennoch menschlich und gedanklich.
Timm zeigt auf (wenn auch behutsam und vorsichtig), dass auch sein Bruder ein Produkt jener fatalen deutschen Erziehung -zu Härte und Gefühlsabtötung (ganz nach dem Motto:"Ein deutscher Junge weint nicht") - war. Im großen und ganzen wird nach dem Lesen des Buches wieder einmal eines deutlich: Der Nationalsozialismus war ein nicht auszumessendes Verbrechen. Und wie alle Revolutionen fraß auch er seine eigenen Kinder.
Fazit: Ein sehr gelungenes Buch, das man unbedingt in seinem Bücherregal haben sollte. Kaufen !!!!!


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Drittes Reich

 


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