Meines Vaters Land, 6 Audio-CDs


Meines Vaters Land, 6 Audio-CDs
von Wibke Bruhns
CD
Juli 2004
Verlag: Random House Audio



Kommentare und Bewertungen:
Ein Buch, das mich noch lange begleiten wird
Diese Geschichte wird einen so schnell nicht mehr loslassen. Von der ersten bis zur letzten Seite ist sie packend geschrieben. Sie bringt einem Menschen nahe: mit allen Fehlern und Macken und liebenswerten Eigenschaften. Und sie bringt einem eine Zeit nahe, die ich zumindest bisher nur erahnen konnte. Die Lebendigkeit ist ergreifend.
Der Ballanceakt zwischen Fakten und Interpretation oder Beurteilung wird deutlich, auch daß eine Beurteilung immer aus der heutigen Zeit heraus passiert und schon deshalb allzu leicht ungerecht wird.
Toll! Ich kann nur jedem empfehlen, diese Buch zu lesen.


Eindringliche Vergangenheit
"Meines Vaters Land" von Wibke Bruhns ist ein faszinierendes Buch. Dank eines außergewöhnlich umfangreichen und gut erhaltenen Familiennachlasses stellt die Autorin die Geschichte ihrer großbürgerlichen Familie dar ( = die Buddenbrooks von Halberstadt) Der Grund für ihr aufwändiges Quellenstudium:
Sie will ihren Vater kennenlernen, der - obwohl NSDAP-Mitglied seit 1933 - im Umfeld des 20. Juli 1944 als Verschwörer in Plötzensee gehängt wird. Wibke Bruhns ist zu diesem Zeitpunkt 6 Jahre alt und hat wegen des Krieges ihren Vater kaum gesehen.
Das Buch ist ein "Muß" für den historisch interessierten Leser, der die politische Entwicklung Deutschlands ganz konkret, ganz lebendig, ganz überzeugend am Beispiel authentischer Personen erlebt.
Ein bemerkenswerter Beitrag unter der Überschrift: "Eine Vergangenheit, die nicht vergeht"


Geschichtsforschung einmal anders!
Das ist eines der spannendsten Bücher über die Zeit vor und nach dem Beginn des Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg, das ich bisher gelesen habe.

Wibke Bruns bekommt zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens den Anstoß, den Vorfahren ihres Vaters und ihrer Familiengeschichte nachzuspüren.
Erfahren will sie aber vor allem , wer und wie ihr Vater war, was er mit den Nazis zu schaffen hatte, und warum er nach dem Attentat auf Hitler im Juli 1944 verurteilt und hingerichtet wurde. Sie war bei Kriegsende als jüngste von fünf Geschwistern noch ein kleines Kind, das versorgt wurde und die tiefen Spuren der Verwüstung und der menschlichen Dramen, die sich damals abgespielt haben , nicht bewußt erinnern konnte.

Nicht zu Unrecht wird die Familiengeschichte der Klamroths mit der Familiengeschichte der Buddenbrooks verglichen.

Mit ihrer Familiengeschichte, beginnend mit der Firmengründung um 1790, erfahren wir viel über die Entwicklung und das Leben einer Großbürgerfamilie in Halberstadt zu Zeiten der Gründerjahren und zur Zeit Kaiser Wilhelms.
Fein dargestellt werden die guten Tage, der Reichtum, die Verbindungen,die man pflegte, der gesellschaftliche Umgang und die Eheschließungen; man erfährt über den Familienzusammenhalt und die Gebräuche im Verhältnis der Geschlechter und Generationen untereinander.

Wahrlich immer spannender wird die Geschichte mit dem Ende des ersten Weltkriegs, Übergang zum Beginn der Naziherrschaft, später der zunehmenden Repression auf die Bürger, der politischen Verfolgung anders Denkender und schlußendlich der Judenverfolgung-und Vernichtung und dem Vernichtungskrieg im Osten. Parallel dazu verläuft der wirtschaftliche und familiäre Niedergang der Firma . Die Mutter meistert diesen Niedergang und die Kriegs-und Nachkriegszeit derart, wie viele sich aus eigenem Erleben an diese Zeiten erinnern werden.
Intensiv beschäftigt sich W.Bruns mit ihrem Vater als Kind, Heranwachsendem und Mann. Sie ist schonungslos offen in ihren Beobachungen, die den Vater nicht immer im besten Licht erscheinen lassen. Sie bleibt distanziert, wo es erforderlich ist, um seinen Charakter zu beschreiben. Daß sie die Mutter erst spät mit neutralerem und klaren Blicken sieht, ist eines der Merkmale, daß das Buch so sympathish macht: W.B. ist sehr aufrichtig. Niemand wird verherrlicht oder nur runtergemacht; es geht alleine um die Suche nach Wahrheit!

Wibke Bruns ist neben dieser persönlichen Wahrheitssuche ein hervorragendes Dokument der Zeitgeschichte gelungen. Imponiert hat mir, mit welcher Akribie sie ihre Familie und ihre Eltern beobachtet hat, recherchiert aus Briefen und Dokumenten, Tagebuchaufzeichnungen und Berichten. Sie bleibt objektiv, distanziert, als spräche sie über beliebige Personen, um dann doch wieder mit töchterlichen Einwürfen des Erstaunens oder der Entrüstung ihre Beziehung zu den Eltern herzustellen. Im Prolog und Epilog stellt sie ihre persönlichen Bindungen an die handelnden Personen dar.
Ergreifend ist am Ende die Versöhnlichkeit, mit der sie bei aller kritischen Beobachtung ihre Eltern als ihre Eltern annimmt.
Cl.Borries!


Impressum

 

 

<==   ==>
Drittes Reich

 

Büchersuche:


Bücher      Horoskope           Flirten