Hörbuch         'Neger, Neger, Schornsteinfeger', 6 Audio-CDs


'Neger, Neger, Schornsteinfeger', 6 Audio-CDs
von Hans J. Massaquoi und Christoph Lindert
CD
Juni 2001
Verlag: Lübbe



Kommentare und Bewertungen:
Absolut lesenswert!
Auf der Suche nach einem neuen Buch fiel mir dieses Buch in die Hand! Das Bild auf der Vorderseite des Buches hat mich sofort gefesselt. Ein farbiger Junge mit einem Hakenkreuz-Emblem auf der Kleidung! Instinktiv passte dies nicht zusammen. Die Lektüre dieses Buches hat mich sehr fasziniert, weil es das Leben eines Jungen beschreibt, der während des zweiten Weltkrieges nicht nur durch seine Hautfarbe auffiel, sondern auch noch eine weiße Mutter hatte. In jeglicher Hinsicht hatte er sich durchzukämpfen. Es ist unglaublich zu lesen, wie Hans-Jürgen Massaquoi erst im Laufe des Älterwerdens die Realität und den Wahnsinn des Nazi-Regimes begriff. Wie konnte er dies auch in seiner kindlichen Vorstellung, in der der Beginn des Nationalsozialismus eine ungeheuere Anziehungskraft auf ihn ausübte. Ich habe das Buch jetzt schon 3 x weiterverschenkt, weil es tolles Dokument aus dieser Zeit ist!


Einzigartige Sichtweise der deutschen Geschichte
Das Buch "Neger, Neger, Schornsteinfeger" von Hans-Jürgen Massaquoi ist eine der außergewöhnlichsten und beeindruckendsten Autobiographien, die ich je gelesen habe. Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen.

Der kleine Hans-Jürgen Massaquoi wurde 1926 in Hamburg als Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters geboren. Sein Großvater ist liberanischer Gerneralkonsul in Hamburg. Die Familie ist recht gut betucht und die Dienstboten in diesem Haus sind Weiße.
Noch ist Hans-Jürgen stolz auf seine Hautfarbe und seine Herkunft, sein Großvater war König der Vai, doch schon nach kurzer Zeit muß die liberianische Familie das Land verlassen und Hans-Juergen bleibt mit seiner Mutter in Deutschland zurück. Sie ziehen in ein Arbeiterviertel und sind von nun an auf sich alleine gestellt.

Kurz darauf kommt Adolf Hitler an die Macht. Hans-Jürgen Massaquoi erzählt von seinen Erinnerungen aus seiner Kindheit, der immer zunehmenden Diskriminierung und Ablehnung sowie von den Geschehnissen und der Entwicklung des 2. Weltkrieges dermaßen detailliert, daß sich einem beim lesen die Haare sträuben.

Er schreibt von seinem Wunsch, endlich akzeptiert zu werden, versucht verzweifelt zu seinen Klassenkameraden in die Hitler Jugend zu gelangen und meldet sich sogar freiwillig für den Wehrdienst. Immer und immer wieder wird er mit der Ablehnung, der Verspottung und Diskriminierung alleine fertig. Er schreibt von den Problemen eines "Nicht-Ariers", eine Freundin zu finden ebenso detailliert wie von der Entwicklung in seinem Viertel in Hamburg. Alle seine Klassenkameraden wurden eingezogen und Massaquoi hört heimlich den verbotenen Sender BBC um sich von Goebbels Propagandamaschinerie nicht beeinflussen zu lassen und sich ein eigenes Bild des Krieges zu machen.

Auch die Nachkriegszeit schildert Massaquoi erstaunlich detailliert. Er berichtet von seinen Versuchen, dass völlig zerstörte Hamburg zu verlassen und von seinem grossen Traum: Amerika.

Dieses Buch ist es auf jeden Fall wert, gelesen zu werden. Es bietet eine einzigartige Sichtweise der deutschen Geschichte, die Entwicklung aus der Sicht eines schwarzen deutschen jungen Mannes. Hans-Jürgen Massaquoi beschreibt in seiner Autobiographie seine Kindheit und Jugend in Nazi-Deutschland zwischen 1926 und 1948 als einer der ganz wenigen schwarzen Deutschen sowie sein gesamtes weiteres Leben. Dieses Werk stimmt zum einen sehr traurig und nachdenklich, zum anderen ist es äußerst unterhaltsam geschrieben und jeden Pfennig wert!


Eine faszinierende Kindheit in Barmbek
"Neger, Neger, Schornsteinfeger" ist die faszinierende Lebensgeschichte des Hans Massaquoi, der als Kind einer Deutschen und eines schwarz-afrikanischen Diplomatensohns im Hamburger Arbeiterstadtteil Barmbek aufwaechst, als Lehrling in einer Metallwarenfabrik den Zweiten Weltkrieg uebersteht, um schliesslich - nach einem Umweg ueber Afrika - nach Amerika gelangt, wo er schliesslich einen Top-Job bei der beruehmten Schwarzen-Zeitschrift EBONY landet. Was das Buch besonders lesenswert macht, ist Massaquois fotografisches Gedaechnis, aufgrund dessen er seinen Lesern selbst kleinste Details seiner Kindheit nicht vorzuenthalten braucht. Es ist fesselnd, mitzuerleben, wie die Menschen, denen Hans in Hamburg begegnet, auf seine schwarze Hautfarbe reagieren. Da ist der Schuldirektor, der ihn vor versammelter Klasse demuetigt; der Nachbar, ein gluehender Anhaenger des Dritten Reiches, den Hans Hautfarbe jedoch ueberhaupt nicht stoert, der ihn ganz selbstverstaendlich zum Besuch der Olympiade in Berlin mitnimmt und Hans armer Mutter sogar eine Hakenkreuzfahne spendiert; und schliesslich der Tanzlehrer, der Hans vor einer Nazi-Horde rettet mit dem (gelogenen) Hinweis, Hans Grossvater haette sich in der Ostafrika-Truppe grosse Verdienste erworben. Massaquois Beschreibungen seiner Heimat sind plastisch; wer - wie ich - Barmbek und die umliegenden Hamburger Stadtteile kennt, wird das Buch allein wegen dieser Schilderungen mit Vergnuegen lesen. Wichtig zu erwaehnen ist, dass Massaquoi seine Kindheit durchaus nicht als ungluecklich beschreibt. Seine Hautfarbe macht ihn zwar alles andere als selten zur Zielscheibe; viele seiner Erlebnisse unterscheiden sich jedoch in keinster Weise von denen seiner nicht-schwarzen Altersgenossen. Nicht verschwiegen werden sollte, dass das Buch auch Schwaechen aufweist. Massaquoi erwaehnt nicht, dass sein Leben in Hamburg viel viel einfacher war, als dass der meisten seiner farbigen Altersgenossen in den USA, vor allem in den Suedstaaten. Von einer Lehre als Schlosser haetten die meisten schwarzen Jugendlichen in Memphis und Selma in den dreissiger Jahren wohl nicht im Traum zu denken gewagt. Ausserdem ist das Buch sprachlich eher anspruchslos. Massaquoi hat das Buch in Englisch verfasst; einer Sprache, die er sicherlich fehlerfrei beherrscht, in der er sich aber eben nicht so elegant auszudruecken vermag wie ein Muttersprachler. Und last, but not least, moechte ich noch anmerken, dass das Buch teilweise etwas selbstverherrlichend ist; die immer wieder auftauchenden Hinweise auf seine hohe Intelligenz und seine tollen sportlichen Leistungen wirken nach ein paar hundert Seiten einfach nur noch laecherlich. Aber alles in alles ein faszinierendes Buch, das zu lesen sich auf jeden Fall lohnt.


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