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 Interview mit dem Weihnachtsmann, 1 Audio-CD
von Erich Kästner und Ulrich Noethen
CD
September 2003
Verlag: Dhv der Hörverlag

Beschreibung: Eine etwas andere Seite des Erich Kästner ist hier zu hören. Ulrich Noethen interpretiert weitgehend unbekannte Texte. Kästners bekanntestes Werk Emil und die Detektive, 1929 erschienen, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und auf vielen Bühnen gespielt. Aber auch sein satirischer Roman Fabian zählt zu den literarischen Klassikern. Erich Kästner (1899 bis 1974) war zeitkritischer Satiriker und vor allem Moralist; seine Kinderbücher zeichnen sich durch einen hohen moralischen Anspruch aus. Die auf diesem Hörbuch vorgetragenen Texte entsprechen wenig dem Kästner Klischee und üben gerade deshalb eine besondere Attraktion aus. Das Verdienst des Sprechers ist es, den richtigen Ton zwischen dem Moralisten und dem Realisten zu treffen. Sie entstammen Interview mit dem Weihnachtsmann, einem Buch, in dem die Kästner Experten Franz Josef Görtz und Hans Sarkowicz unbekannte Texte des Schriftstellers vorstellen. Diese Geschichten, die sich an Kinder wie Erwachsene richten, veröffentlichte Kästner in der Neuen Leipziger Zeitung und in Beyers für alle. Sie alle beschreiben die harte Realität, ohne etwas zu beschönigen und das obligate Plädoyer für das Gute im Menschen. Gelesen werden sie von Ulrich Noethen, der sich in der Verfilmung des Fliegenden Klassenzimmers in der Rolle des Lehrers Justus intensiv mit Erich Kästner auseinandersetzen konnte. Der dem breiten Publikum aus dem Film Comedian Harmonists von Joseph Vilsmaier bekannte Schauspieler hat auch auf der Bühne große Erfahrung. Noethen arbeitete in Freiburg, Köln, Berlin und Stuttgart. Er wurde unter anderem mit dem Bayerischen Filmpreis, dem Goldenen Löwen und dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. In Interview mit dem Weihnachtsmann spricht er sehr einfühlsam den Ich-Erzähler, der vom Weihnachtsmann erfährt, was diese heilige Figur das ganze Jahr über so macht. Die feine Ironie, mit der er die fehlenden Dinge aufzählt, ist bemerkenswert. Man weiß nicht, woran man eigentlich ist. Was wäre eine Sammlung von Kästner Texten ohne eine Geschichte, die sich auf seine Mutter bezieht. Die allzu enge Bindung zu ihr, von Kind an, ist ein zentrales Moment im Leben des Mannes und Schriftstellers. Auch hier schafft es Noethen, eine eigenartige Schwebehaltung aufzubauen. Der Protagonist, der zwischen Freundin und Mutter im wahrsten Sinne des Wortes fast zerrieben wird, versucht stets zu lächeln. Mit Humor und der Devise Aber das hat seine Schwierigkeiten meistert er jede Situation. Dennoch bleibt von Mal zu Mal mehr Anspannung über. Diese drohende Katastrophe vermittelt der Sprecher eindringlich. Man meint die Anspannung zu spüren. Die Geschichte Feiern mit Hindernissen spielt in gänzlich exzentrischen Kreisen. Keine feierliche, gesetzte Stimmung, stattdessen durchgeknallte Artisten und ein beängstigendes Ende des Abends. Kästners genaue Beobachtungsgabe wird in dem Text Auch das geht vorüber deutlich. Im Mittelpunkt der Geschichte ist das Paar, das sich mit der Wohnungseinrichtung übernommen hat und deshalb gegenseitig auf Weihnachtsgeschenke verzichten muss. Ulrich Noethen erzählt diese traurige Geschichte in einem Ton, der einen seltsam gefangen nimmt. Es ist so, als würde man ständig darauf warten, dass etwas Schlimmes passiert. Kästners häufig zitierter sonniger Humor mag hier nicht durchscheinen. Lesung, Spieldauer: ca. 73 Minuten, als CD (1 CD) oder MC (1 MC) erhältlich. Beide Ausgaben mit Booklet. -- culture.text
Kommentare und Bewertungen: Kästner mal anders
    
Wie der Untertitel bereits verrät, ist dieses Buch für erwachsene LeserInnen bestimmt. Es sind darin nicht ausschließlich Gedichte und Erzählungen über Weihnachten zu finden, sondern auch Geschichten über alltägliche Begebenheiten, wie z.B. die Erzählung „Der missglückte Milliardär" beweist. Es ist kein Buch, dass man gemütlich auf dem Sofa sitzend mit einer Tasse Kakao an einem Adventssonntag liest, um seine weihnachtliche Vorfreude noch zu versüßen. Ich verstehe dieses Buch vielmehr als Anregung, über den eigentlichen Sinn Weihnachtens nachzudenken sowie über die kleinen und größeren Lügen, die man tagtäglich im zwischenmenschlichen Umgang erlebt und benutzt. Auch in diesem Buch fehlt es nicht an Moral und Kritik, doch ist sie in diesem Sammelwerk in einer ausgesprochen zynischen und manchmal gar pessimistischen Form vertreten. Am Ende verrät ein ausführliches Nachwort noch einiges Wissenswertes über Kästners Leben und seine Arbeit. Auch wenn ich mir anfangs vom Titel her etwas ganz anderes versprochen hatte, bereue ich es nicht, diese etwas anderen Gedichte und Geschichten Kästners gelesen zu haben.
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