Hörbuch         Lyrik nervt!, Bervt Lyrik?, 2 Audio-CDs


Lyrik nervt!, Bervt Lyrik?, 2 Audio-CDs
von Andreas Thalmayr, Gottfried Benn, Ernst Jandl und Hans M. Enzensberger
CD
Oktober 2004
Verlag: Dhv der Hörverlag



Kommentare und Bewertungen:
Einfach genial!!
Ich liebe es...

Ich gehör(t)e genau zur "Zielgruppe", geplagte anti-poetische, genervte Leserin, die den Zugang zur Lyrik während der Schulzeit verpasst hat und sich jetzt beruflich damit auseinandersetzen muss.
Diese Buch öffnet einem die Augen, ist unglaublich flüssig und humorvoll geschrieben und zu dem Preis wirklich ein Hammer!
Hier werden klassische Elemente, Texte und Theorie mit einem Augenzwinkern dem Leser näher gebracht und so aufbereitet, dass man sein "lyrisches Weltbild" einfach umkrempeln muss.

Wer es nicht liest, ist selbst schuld, mehr kann man dazu fast nicht sagen. Ein MUSS besonders für alle DeutschlehrerInnen!!!


Was reimt sich auf Wind - und was auf Freund?
Lyrik nervt. Es nervt allerdings auch, wie selbstgefällig Andreas Thalmayr alias Hans Magnus Enzensberger sich und seine angestaubte Bildung ausbreitet. Man merkt es gleich: Alles, was er selbst einmal geschrieben oder übersetzt hat, gefällt ihm immer noch am besten. Ansonsten hat er, um die genervten Schüler auf den Geschmack zu bringen, einige Ladenhüter zu bieten, die sie wahrscheinlich längst schon kennen: Texte aus ‚Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt' von Peter Handke, ‚Fisches Nachtgesang' von Christian Morgenstern, ‚ottos mops' von Ernst Jandl - weder sind das wirklich ernst gemeinte Beispiele von guter Lyrik, noch ist das heutzutage wirklich witzig. Eine Parodie auf die Form des Sonetts - wie das bekannte Beispiel von Robert Gernhardt - wirkt im Kontext, vor allem in einem, in dem die Form des Sonetts noch etwas bedeutet. Alle Beispiele - auch die Limericks - sollte man bitte aus ihrer Zeit heraus verstehen. Und genau da liegt das Problem, das der Doppelautor nicht sieht: Die armen Schüler, die von unfähigen Lehrern mit Rilke gequält werden; diese Schüler also, denen Thalmayr/Enzensberger „Erste Hilfe" bieten will, leben in anderen Zeiten - in Zeiten, zu denen der Alte kein Verhältnis mehr hat. Zwar hat er auch von den „Beatles" und den „Rolling Stones" gehört, ja sogar von den „Fantastischen Vier", aber er kennt diese Welt nicht, er kann da nicht differenzieren und deshalb keine Beispiele finden, mit denen er den Schülern eher entgegen kämen als mit seinem Bildungsgut. Also, wirklich - der Alte ist doch peinlich, wenn er meint, er könnte da ein bisschen frischen Wind in das ermüdete Interesse an Lyrik blasen, wenn er die gestreßten Schüler auffordert, doch mal spaßeshalber und ruhig ein bisschen „frech" das „unsterbliche" ‚Blowin' in the wind' von Bob Dylan zu übersetzen; denn auf „Wind" gibt es schließlich eine Menge schöner Reimwörter ... the answer, my friend/ is blowin' in the wind! Alter! Genau das machen doch die Lehrer von heute, und sie ziehen sich dazu noch mal eine Jeans an, bei der sich der Bierbauch selbstgefällig über dem Gürtel ausbreitet. Wer einen Wetterbericht aus den 60er Jahren immer noch für aktuell hält, dem sind doch mindestens die Füße eingeschlafen. Dieser Enzensberger ist einfach auf einer anderen Party. Immer wieder läßt er griechische Ausdrücke fallen - und betont sofort reflexartig, dass man die eigentlich nicht kennen muss; er zitiert ausführlich Ezra Pound und gibt auch zu, dass es unverständlich und dünkelhaft ist (möglicherweise auf einen Sonnenstich zurückzuführen), aber dann verliert er sich schnell wieder in allgemeine Betrachtungen, dass gerade an unverständlicher Lyrik besonders viel dran sein könnte. Ich glaube, die Schüler heute haben mehr natürliches Interesse an Lyrik als an einem Stehplatz auf so einer Party. Ich empfehle, sich CDs zu besorgen (z.B. vom Rilke-Projekt), sich bei aktuellen Ausdrucksformen nach geglückten Beispielen umzuschauen, nach lyrischen Formen, in denen sich die Welt der Patienten abbildet; ich empfehle noch mal, die alten Meister stets in ihre Zeit einzubetten (was ein durchaus anspruchsvolles Vorhaben ist) und sich ansonsten guten Mutes und möglichst vorurteilsfrei an die Originale zu halten (so ähnlich hat es sich der Autor wohl auch gedacht, als er sich so oft selbst zitierte). Ich habe mir inzwischen auch eine kreative Übersetzung des „unsterblichen" Liedes von Bob Dylan einfallen lassen, die ich für ziemlich gut halte: „Die Antwort, mein Freund/ weiß ganz allein der Joint!" Na, ist das was?


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Ernst Jandl

 


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