Hörbuch         Oskar und die Dame in Rosa, 2 Audio-CDs


Oskar und die Dame in Rosa, 2 Audio-CDs
von Eric-Emmanuel Schmitt, Gisela Trowe und Jannik Schümann
CD
Januar 2004
Verlag: Der Audio Verlag, Dav



Beschreibung:
Mit diesem Hörspiel ist ein kleines Kunststück gelungen: Stilsicher, ohne falsche Sentimentalität wird ein schwieriges, nahezu tabuisiertes Thema „philosophisch“ umkreist. Es ist das Sterben von Kindern aus der Sicht eines Kindes, das weiß, dass es nicht mehr lange leben wird. Vielleicht liegt es an der großartigen Gisela Trowe, die als Oma Rosa den kleinen Oskar bis zum Ende begleitet, vielleicht an Jannik Schümann in der Rolle des leukämiekranken Oskar, jedenfalls fühlt man sich am Ende des Hörspiels unerwartet leicht, zuversichtlich und kein bisschen bedrückt. Mehr noch, man hat einen anderen Blick auf den Tod bekommen.

Eingebettet in die Geschichte eines kleinen Jungen, der sterben wird, es weiß und in Briefen an Gott von seinen Erlebnissen erzählt, wird der philosophische Stoff des Todes inszeniert. Denn es ist wichtig, dass darüber gesprochen wird. Am Anfang leidet Oskar zwar unter seinem bevorstehenden Tod, mehr noch macht ihm aber das Verhalten seiner Eltern zu schaffen. Oskar spürt, wie sie sich abwenden, er fühlt ihre Lügen und kann das nur als Liebesentzug verstehen. Zu der unfassbaren, ungerechten Todesverurteilung kommt für ihn noch die Abwendung seiner Eltern.

In diesem verzweifelten Stadium hilft dem krebskranken Oskar Oma Rosa. Sie rät ihm, Briefe an den lieben Gott zu schreiben und sich vorzustellen, ab sofort jeden Tag zehn Jahre älter zu werden. Und Oskar lässt sich darauf ein, er durchlebt im Zeitraffer Pubertät, Liebe und Eifersucht, Midlife-Crisis und das Alter. Er feiert mit Oma Rosa und seinen Eltern noch ein wunderbares Weihnachtsfest und stirbt dann im Einklang mit sich und der Welt.

Eric-Emmanuel Schmitt zählt zu den international erfolgreichsten zeitgenössischen Dramatikern. Nach der inzwischen verfilmten, erfolgreichen Erzählung „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ wurde auch „Oskar und die Dame in Rosa“ ein Bestseller. Der Autor kannte selbst einen todkranken Jungen; seinen Vater, der als Physiotherapeut arbeitete, durfte er oft in die Klinik begleiten. Mit „Oskar und die Dame in Rosa“, im Februar 2002 als Bühnenstück in Paris uraufgeführt, schrieb der ehemalige Philosophiedozent eine wichtige Geschichte über Leben und Tod. Das Buch gehört zur „Trilogie des Unsichtbaren“. „Oskar und die Dame in Rosa“ thematisiert das Christentum, „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ widmet sich dem Sufismus, und „Milarepa“ beschäftigt sich mit dem Buddhismus.

Fazit: Regisseur Sven Stricker hat ein bewegendes Hörspiel geschaffen, ein wichtiges Thema beeindruckend inszeniert. Mit Weisheit, Humor und bar jeglicher Sentimentalität. Eine Produktion des Norddeutschen Rundfunk 2003.

Hörspiel, Spieldauer: ca. 88 Minuten, 2 CD. Mit Booklet.-- culture.text


Kommentare und Bewertungen:
Ein wunderschönes Trauerspiel
Eine ergreifende Geschichte - ein Alptraum für alle die Kinder haben - so toll geschrieben, dass man am Ende noch nicht einmal weinen kann (oder möchte). Sehr lesens bzw. hörenswert!


Große Emotionen, unkitschig dargebracht
Ich habe dieses Hörspiel zuerst im Radio gehört und war so begeistert, dass ich das Ganze als Hörbuch in der Hand halten wollte. Und ich habe die Anschaffung nicht bereut, die Musik wurde zwar ausgetauscht (war in der Radiofassung u.a. von Nick Cave), aber auch die neuen Melodien sind liebevoll eingebaut, wirken sogar dem Ort der Handlung angepasster (Frankreich).

Ich möchte auch kurz meinem Vorredner wiedersprechen, denn nur weil es hier einen großen Erzähleranteil gibt (Oma Rosa liest die Briefe des jungen Oskar vor), handelt es sich deshalb noch lange nicht um eine "Lesung mit Hörspielanteilen". Es handelt sich hier um ein lupenreines Hörspiel. Das Ganze ist eine Inszenierung aus einem Guss, die verschiedenen Handlungsebenen sind geschickt miteinander verknüpft. Gisela Trowe (Oma Rosa) und Jannik Schümann (Oskar) spielen sich sehr lebendig die Bälle zu. Und obwohl die Geschichte eigentlich so traurig ist, ist sie voller Humor und Leichtigkeit. Am Ende - dies als Warnung - sind ein paar Tränen allerdings kaum zu verhindern. Und eine solche Reaktion zu erzeugen ist mehr, als die meisten anderen Hörbücher zu leisten imstande sind.


Unbedingt hören!
Durch Zufall stieß ich auf das Hörbuch "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Korans" vom selben Autor und fand es so schön, dass ich mir auch dieses Hörbuch von Eric-Emmanuel Schmitt kaufte. Obwohl es hier um ein ernstes Thema (nämlich das Sterben) geht, ist die Geschichte sehr leicht und heiter erzählt. Den Sprechern könnte man stundenlang zuhören. Es stimmt einfach alles an diesem Hörspiel und ich wünsche dieser Produktion daher viele Hörer!


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