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 Mein Jahrhundert, 12 Audio-CDs
von Günter Grass
CD
1999
Verlag: Universal Music

Kommentare und Bewertungen: Aus, Schluss, vorbei
   
Jetzt haben wir es endlich hinter uns, dieses barbarische unmenschliche 20. Jahrhundert, und gehen schon deshalb voller Zuversicht ins 21., weil es gar nicht mehr schlimmer kommen kann. Grass, der große, erspart sie uns nicht, die Toten, die Gequälten, obwohl er, unserer Phantasie freien Raum schaffend, oft nur andeutet, wie verachtenswert manches war. So etwa, wenn er die Jahre des Zweiten Weltkrieges als Kameradschaftstreffen ehemaliger Kriegsberichterstatter auf einer Nordseeinsel passieren läßt. Mit welcher Leichtigkeit der alte Grass noch erzählen kann, verblüffte mich durchaus: Zu meinen Favoriten gehört die Begegnung von Benn und Brecht am Grabe Kleists, die auch die beiden deutschen Staaten und deren Umgang mit Geschichte symbolisiert und trotzdem spannend zu lesen ist (und einfach auch ein bißchen Mitdenken erfordert). Die allerschlechtestens Text entstehen ja immer, wenn ein Autor zu aktuellen politischen Themen Stellung nimmt, Das trifft selbst auf unseren Nobelpreishelden zu: Die Geschichte über Birgit Breuel und die Treuhand, mag sie inhaltlich zutreffen oder diffamieren, literarisch entspricht sie nicht dem Niveau eines Elftklässlers. Ich bin mir sicher, dass ich meinen Söhnen - jetzt eineinhalb Jahre und elf Wochen alt - dieses Buch in die Hand drücken werde, wenn sie mehr über das Jahrhundert wissen wollen, in dem ich geboren bin. Und natürlich werde ich ihnen die illustrierte Fassung geben. Nicht weil Grass mit Farben so gut wie mit Worten malen kann, sondern weil uns ein ganzes Jahrhundert einen Moment der Betrachtung wert sein sollte.
Schwierig
   
Dies war das erste Buch, welches ich von G. Grass las. Der Schreibstil irritierte mich zunächst, wenn ich ihn in Blechtrommel faszinierender fand. Die Idee einem jeden Jahr eine eigene Geschichte zuzuordnen, dabei sind die Geschichten auch untereinander verknüpft und verweisen häufig auf frühere Geschichten, gut. Spannend, o ja, und vielfach auch amüsant, insb. die vielen Dialekte, welche Grass gekonnt umsetzt.Vier Sterne deshalb, weil ich, anders als bei anderen Büchern, lange für das Werk gebraucht habe, was doch ein Anzeichen der Ermüdung und Langeweile ist. Viele der Geschichten sind hervorragend, andere, wie bereits in anderen Rezessionen erwähnt, weniger. Dennoch ein gutes Buch.
Zwiespältig
  
Ich fand die Idee einfach klasse: für jedes Jahr des Jahrhunderts ein Thema heraus picken, das nicht unbedingt in die Annalen der hohen Politik oder der Weltgeschichte eingegangen ist, vielleicht auch einfach heute nicht mehr so präsent ist, und zu diesem Ereignis eine Kurzgeschichte zu schreiben. Selbstverständlich wird das Buch seine Abnehmer finden, schließlich geht ein Jahrhundert zu Ende und was wäre da als Lektüre angebrachter? Günter Grass hat mir eigentlich schon immer gefallen, mal von dem wenigen zu urteilen, das ich kenne. Aber beim Lesen der Geschichten hier in diesem Buch überfiel mich ein wenig, wie soll ich sagen, Unbehagen, denn die Geschichten sind einfach auf zwei bis drei Seiten sehr sehr knapp und so richtig kam es bei mir nicht an. Ich habe mich bemüht, immer nur ein bis zwei Geschichten pro Tag zu lesen, um der jeweiligen Geschichte gerecht werden zu können. Viel zu leicht verschlingt man es einfach und kann sich an keine einzige Geschichte mehr richtig erinnern. Wie gesagt, ich fand die Geschichten etwas knapp und oft fragt man sich, was sie jetzt zu genau diesem Jahr da sollen. Aber trotzdem gab es immer wieder auch Momente, wo ich nickte und dachte, ja irgendwie paßt das hier oder schmunzeln mußte. Ich möchte das Buch daher nicht ganz so verdammen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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