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 Nicht nur zur Weihnachtszeit, 1 Audio-CD
von Heinrich Böll und Franz-Josef Antwerpes
CD
Oktober 2000
Verlag: Hörbuch Hamburg

Beschreibung: Bölls "Weltkrieg-Zwo-Weihnachtsalbtraum", seiner Satiresammlung Doktor Murkes gesammeltes Schweigen entnommen, ist auch heute noch ein Krippen-Spiel der schrägsten Art. Vorfestliche Erregung im gut betuchten, großbürgerlichen Heim von Tante Milla, die das Schmücken des Baumes überwacht, dem Hauptakteur dieser Weihnachtsgroteske und Millas ein und alles. Gläserne Zwerglein dürfen in den Zweigen nun wieder mit winzigen Korkhämmerchen auf noch winzigere Glöckchen eindreschen. Hoch droben auf der Tannenspitze krächzt ein mechanisches Engelsmonstrum in regelmäßigen Abständen das Wörtchen "Frieden" in die Stube, frohe Kunde unerschütterlicher Krippenseligkeit in deutschen Wohnzimmern. Ringsum schlagen derweil die Bomben ein, der Erste Weltkrieg hat begonnen! Die Erschütterungen der nächtlichen Bombenangriffe bringen die putzigen Scheußlichkeiten so oft zu Fall, dass Onkel Franz beschließt, Weihnachten während der Kriegsjahre künftig baumlos zu verbringen ("fremdländische Ballistiker löschten seine Existenz vorübergehend aus"). Leider damit auch Tante Millas Lebenswillen. Eine bessere Wahl, als den sperrigen Kölner Ex-Regierungspräsidenten und heutigen Talkmaster Franz-Josef Antwerpes zum Erzähler -- dem Neffen der Tante -- zu machen, konnte man gar nicht treffen. Sein stoisch rheinischer Singsang entbehrt zwar jeglicher Sprecherprofessionalität, ist aber von einer schlitzohrigen Treuherzigkeit, die dieser Geschichte den echt kölschen Böll-Sound verleiht. In Millas Heim beginnt die eigentliche Katastrophe erst nach dem Krieg: Weihnachten 1945, der Baum steht wieder. Kaum aber schickt sich Onkel Franz am Dreikönigstag an, das Nadelgehölz zu entsorgen, verfällt Tante Milla angesichts des neuerlichen jähen Baumverlustes in einen wochenlang andauernden Schreikrampf. Neurologen werden bemüht, sogar einen Exorzisten zieht man in Erwägung, bis Onkel Franz schließlich die erlösende Idee hat. Tante Milla ist zufrieden, die Familie aber treibt unaufhaltsam Zerfall und Wahnsinn entgegen. Und ewig hämmern die Zwerge. Eine CD, Spieldauer: 63 Minuten. --Ravi Unger
Kommentare und Bewertungen: Des Deutschen Innerste nach außen gekehrt
    
Mit genialem Scharfsinn entlarvt Heinrich Böll in dieser Kurzgeschichtensammlung die verkorksten Eigentümlichkeiten der deutschen Seele. Mit süffisanter Ironie breitet Böll die Seele der Nachkriegsgesellschaft vor uns aus. Man kommt aus dem Schmunzeln kaum heraus. Definitiv ein intelligenter Lesespaß.
Geniale Kurzgeschichten von Heinrich Böll
    
Böll ist so etwas wie der deutsche Hemingway, ein Autor, der am besten Kurzgeschichten erzählen kann. Und dies tut er auch in diesem Buch "Nicht nur zur Weihnachtszeit". Während die Geschichte "Nicht nur zur Weihnachtszeit" teilweise an manchen Stellen etwas langatmig ist (es handelt sich hier um eine längere Kurzgeschichte), aber trotzdem ihren Witz und Humor behält, sprühen die anderen Geschichten geradezu über vor Ironie und Sarkasmus. Es ist nicht nur lustige, oft handelt es sich um bittere Ironie, die von Bölls Tiefgründigkeit gespeist wird. Man merkt und lernt bald, wie vor einigen Jahrzehnten die Menschen gelebt haben und was damals wichtig war. Der Schwarzmarkt und manchmal nur das einfache Überleben. Andererseits stellt Böll diese Zeit aber auch faszinierend dar. Auch wenn ich mich nicht zwischen vier und fünf Sternen entscheiden kann, so tendiere ich dann doch eher zu fünf Sternen, weil dieses Buch so eine gute Unterhaltung bietet und in einem Atemzug gelesen werden muß. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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