Hörbuch         Die Verwandlung, 1 Cassette


Die Verwandlung, 1 Cassette
von Franz Kafka
Hörkassette
1996
Verlag: HÖR Verlag



Kommentare und Bewertungen:
Fahler Lebensfunke, oh du mächtiger Feind!
Erlösend wirkt die Stunde, in der man "Die Verwandlung" zuklappt und sich vollends seinen Gedanken hingibt. Erlösend im Sinne von befreiend, denn Kafka hat die Eigenschaft, das Leben des geneigten Lesers (oft radikal) zu verändern.

Mit einer, für diese Thematik, sehr untypischen Perspektive - nämlich der auktorialen - die eine schockierend distanzierte Atmosphäre inmitten tiefster Melancholie erzeugt, gepaart mit dieser besonderen Ehrlichkeit, schafft es "Die Verwandlung" auf wundervolle Weise das Leben in so vieler Hinsicht zu hinterblicken und scharf zu kritisieren, ohne ihren Respekt davor zu verlieren.

Gregor Samsa - literarisches alter ego Kafkas - wacht aus fiebrigen Träumen, verwandelt in ein riesiges Ungefiezer, auf, doch ist das erste woran er denkt, dass er verschlafen hat. Er nimmt diese Situationsveränderung - gleich wie schockierend und realitätsfern sie ist - hin und seine Gedanken schweifen über zu der Familie - Vater, Mutter & Schwester - , für die er sich doch als Ernährer verantwortlich fühlt und zu seiner Arbeit, seinem eingeschränkten bzw. nicht vorhandenem Privatleben und den Anstrengungen die er auf sich nimmt.
Schnell wird so klar, wieso diese Metamorphose vonstatten gegangen ist - sein Leben hat sich ganz einfach gewehrt! Es war weder erfüllt, noch liebevoll und immer wieder hat er alles verdrängt, vor seinen Eltern und der Schwester vertuscht, bis sich alles Negative in der Verwandlung zum Käfer entlädt.
Die Familie selbst schließt ihn aufdessen aus, er hat nun keinen Nutzen mehr und wäre dies nicht genug, überhäufen sie ihn mit direkten und indirekten Schuldzuweisungen, nehmen die Möbel aus seinem Zimmer, die allerletzen Erinnerungen an sein einstiges Dasein, offenbaren immer mehr, wie sehr er eigentlich nur ausgenutzt wurde, bis Gregor anfängt vollends den Bezug zum Menschsein zu verlieren, dahinsiecht und verkommt.
Der Vater (gleichgesetzt mit Kafkas eigenem) wirkt besonders authoritär & grausam - er versucht auch das Ungeziefer zu töten, die Mutter empfindet, gleich mit der Schwester - die Samsa übrigens als einzige angewiedert verfaultes Essen bringt - allem voran Furcht und Ekel, sie tun nichts - was zum Auschluss allerdings sehr stark beiträgt.
Hier bleibt der Leser nicht vor dem wahren Gesicht der Beteiligten verschont und wieder wird uns klar, wie schuldig an Gregors dahinsiechen und natürlich auch an der Verwandlung, sie alle sind.
Die Umkehr des Vorgangs ist natürlich unmöglich, denn dafür benötigte es vermutlich vollkommene Integration, Hingabe, bedinungslose Liebe - und dies war selbst vor Samsas Verwandlung nie auch nur zur Sprache gekommen geschweige denn vorhanden gewesen.
Letztendlich bleibt Gregor Samsa selbst, dem der letze Funken menschlicher Existenz und natürlich Hoffnung genommen wurde nur noch der erlösende Tod.

Genau genommen, ist "Die Verwandlung" ja mehr als nur das Portrait der Einsamkeit, der schockierenden totalen Isolierung und der Qual des Nicht-verstandenseins, denn das wahrlich interessante liegt vor der Verwandlung, es sind die Faktoren, die diese in gewisser Weise notwendig gemacht haben.
Das schockierend Groteske macht, mit Kafkas Liebe zum schrecklichen Detail, die gesamte Atmosphäre aus und unterstreicht die Thematik auf wundervolle Weise, so dass die jeweiligen Situationen für den Leser mehr Symbolik haben.

Das Buch selbst, ist natürlich sehr lehrreich und so tiefgehend, dass sich dem Leser nichts aufdrängt, er sich selbst darin finden und in den ureigenen Seelenspiegel blicken kann.
So lest, meine Freunde und denkt darüber nach - denn Leben heißt mehr als Dasein!


Muss man einfach gelesen haben
Der Handlungsreisende Gregor Samsa opfert sich seit Jahren für seine Familie auf, die durch den beruflichen Mißerfolg des Vaters in finanzielle Not geraten ist. Eines Morgens jedoch bemerkt Gregor, dass er sich in einen riesigen, häßlichen Käfer verwandelt hat. Verblüffend detailliert, phantasievoll und täuschend realistisch beschreibt Kafka nun das Leben des verwandelten Gregor und erschafft eine außergewöhnliche Atmosphäre mit vielen tragisch-komischen Momenten. Mir hat dieses kleine Werk(63 Seiten + Anhang) ebenso Vergnügen bereitet, wie es mich stellenweise sehr betroffen gemacht hat. Einziger Schwachpunkt ist das Ende, mit welchem Kafka selber unzufrieden war und in dem sich die Erzählperspektive so stark wandelt, dass es schon fast als Stilbruch zu bezeichnen ist. Das ändert aber nichts daran, dass ich jedem Kafka-Neuling, ebenso wie Kafka-„Experten", "Die Verwandlung" absolut empfehlen kann.


Rezension
Kafka versteht es in seinem Werk meisterlich, die Konflikte
und Probleme des menschlichen Zusammenlebens heraus zu arbeiten.
So lässt sich "die Verwandlung" als Ausdruck von Unverstandenheit sowie dem Gefühl ausgestoßen zu sein verstehen.
Allerdings ist der Leser, wie bei allen seinen Werken, dazu angehalten, sich eigene Gedanken zu machen.

Die Geschichte selbst besteht darin, dass der Hauptcharakter
Gregor Samsa eines Morgens als riesiges Insekt aufwacht.
Nachdem kurz die Lebenssituation Gregors umrießen wurde,
er ist Vertreter in einem Tuchwarengeschäft, geht die Handlung
auf die Beziehung zu den Familienmitglieder ein.
Diese weisen erhebliche Ähnlichkeiten mit denen der Familie
Kafka auf, so zum Beispiel der Vater mit seiner autoritären Strenge oder die Schwester, die sich anfangs liebevoll um Gregor kümmert.

Kafka verwendet einige stilistische Eigenheiten; so benutzt er die auktoriale Erzählperspektive, obwohl man einen Ich-Erzähler erwarten könnte. Ebenfalls seltsam ist, dass die eigentliche Verwandelung in nur wenigen Zeilen beschrieben wird
aber auch die Tatsache, dass Gregor trotz seines gegenwärtigen
Zustandes ernsthaft erwägt zur Arbeit zu gehen, was die
ganze Situation noch unwirklicher erscheinen lässt.

Im Großen und Ganzen hat mir das Buch recht gut gefallen.
Man kann sich in die Charaktere hineindenken und ihre
Gefühle nachvollziehen. Was es allerdings mit der Verwandlung
auf sich hat, bleibt bis zum Schluss im Dunkeln und somit
der Phantasie des Lesers überlassen. Dieses Buch eignet sich
somit besonders für Leute, die auch gerne mal zwischen den Zeilen lesen.


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