Die Wahlverwandtschaften, 8 Audio-CDs


Die Wahlverwandtschaften, 8 Audio-CDs
von Johann W. von Goethe und Gert Westphal
CD
Verlag: Universal Music



Kommentare und Bewertungen:
Ohnegleichen
"Die Wahlverwandtschaften" sind ein so vollkommenes Kunstwerk, dass man dazu als Rezensent oder Kritiker eigentlich gar nichts sagen kann, sondern nur staunend bewundern und schweigend davorstehen.

Wenn man das Buch zum ersten Mal liest, wird man vielleicht einige Teile, zum Beispiel die Ausschmückung der Kapelle während Eduards langer Abwesenheit oder Ottilies Tagebuch, nicht so besonders spannend finden, und auch der Ausgang der Geschichte wird wohl bei den Wenigsten Zustimmung finden, und man fragt sich, ob das wirklich sein musste...

Aber bei jedem neuen Lesen (und man sollte es wirklich mehrmals lesen!) entdeckt man neue Bezüge und Zusammenhänge und Andeutungen zwischen den Zeilen. Vordergründig erzählt Goethe eine ganz einfache Geschichte: Ehemann in der Midlife-Crisis verliebt sich in junges Mädchen, will sich scheiden lassen, aber die Ehefrau ist dagegen, daher zieht er in den Krieg; währenddessen erhalten die zurückgebliebenen Frauen ein paar Besuche, damit's nicht so langweilig wird, und zum Schluss geht alles schief. Dabei enthält er sich als Erzähler jeder persönlichen Stellungnahme und lässt einfach die Charaktere, den Handlungsverlauf und jede Menge Symbolik, zum Beispiel in den Landschaftsbeschreibungen, für sich sprechen.

Was uns der Autor mit dieser Geschichte "eigentlich sagen" wollte, hat er so geschickt verborgen, dass es bis heute umstritten ist. Zu seiner Entstehungszeit war der Roman nicht sehr beliebt, einfach weil er etwas so Unmoralisches wie Ehebruch behandelte, und später waren die meisten Interpreten der Ansicht, dass Goethe darin selbstverständlich den Ehebruch verurteile, und daher müsse die Geschichte auch so enden, wie sie endet. Inzwischen gibt es auch Leser, die das anders sehen. Gerade weil Goethe mit dem moralischen (oder sonstigen) Zeigefinger so zurückhaltend war, ist die Auffassung des Romans sehr stark von den jeweiligen Zeitströmungen geprägt, da man ja immer leicht geneigt ist, seine eigenen Ansichten auch Anderen zu unterstellen, wenn diese nicht ausdrücklich das Gegenteil behaupten. Diese Gefahr wird um so größer, je weiter man von der Entstehungszeit entfernt und je weniger vertraut man mit dem damals vorherrschenden Zeitgeist ist, den der Autor voraussetzen konnte. Trotzdem glaube ich, dass Goethe in seinem Text genug Hinweise darauf gibt, wie er es meinte, vielleicht aus guten Gründen so versteckt, denn die letzte Hexenverbrennung lag ja schließlich noch nicht allzu weit zurück... Und wenn vielleicht eine letzte Eindeutigkeit der Aussage fehlt, so liegt das auch in der Natur des Gegenstands. "Ehebruch" oder häufig wechselnde Partnerschaften sind für die Meisten heutzutage überhaupt kein problembehaftetes Thema mehr, aber haben wir damit nun die ideale Lösung gefunden?


Köstlich! Goethe forever!!!
Hier hat der große Meister mal wieder zugeschlagen, so dass da kein Gras mehr wächst. Köstlich, köstlich - was der alte Herr so alles weiß! Man meint von Beginn an die Romanfiguren - wenn man das große Glück hat sich nicht selbst gemeint zu fühlen - zumindest aus seinem näheren Bekanntenkreise zu kennen. Und amüsiert horcht man auf, was einem noch so alles geschehen könnte, was der Autor feinsinnig formuliert und zutiefst folgerichtig serviert. Bis zum bitteren Ende wird einem das Schmunzeln bei diesem vor gewitzter Menschenkenntnis und hintersinniger Weisheit strotzenden Lesespaß nicht vergehen. Weiter so Goethe! So macht Lesen richtig Laune!


Die großen Zusammenhänge zwischen Mensch, Natur und Zeit
Goethes Werk „Die Wahlverwandtschaften" zu beurteilen, bedeutet gleichzeitig, hinter den groben Handlungsablauf einer gescheiterten Ehe durch das Hinzutreffen zweier Personen zu blicken. Denn hier handelt es sich um den Beweis, daß im menschlichen Leben die gleichen Gesetze herrschen wie in der Natur. So wird der Mensch geleitet von magischen Anziehungskräften, möge man sie Schicksal oder Fügung nennen, die unbeherrschbar bleiben und denen durch Selbstüberwindung, Entsagung oder Ergebenheit begegnet werden kann. Es geht darum, mit der Natur zu leben, nicht gegen sie zu handeln, aber sich auch nicht von ihr einnehmen zu lassen. Sinnbildlich müssen Brücken gebaut werden, um zu einem Einklang zu gelangen; einem Einklang aus Feudalismus und Aufklärung, aus dem christlichen Glauben und der Mächtigkeit der Natur, aus der praktischen Vernunft und den leidenschaftlichen Gefühlen. Auf der Grundlage chemisch-biologischer Überlegungen schafft Goethe hier ein detailliertes Bild des Landadels zur Zeit der Aufklärung. Gesucht wird kein Schuldiger, keine Patentlösung für die perfekte Ehe, gesucht wird die Harmonie zwischen Natürlichem und Übernatürlichem, zwischen Abhängigkeit und Selbstreflexion, zwischen Verworrenheit und Erlösung. Diese vielfältige Thematik, gestützt auf die unübertreffliche Wortwahl des Autors, verhilft dem Leser zu dem außergewöhnlichen Einblick in die großen, unerkannten Zusammenhänge der Welt.


Impressum

 

 

<==   ==>
Johann Wolfgang Goethe als Hörbuch

 

Büchersuche:


Bücher      Horoskope           Flirten