| |
Jakob der Lügner, 1 Cassette.
 |
 |
 |
 |
Jakob der Lügner, 1 Cassette.
von Jurek Becker, Christian Baumann, Esther Hausmann und Hubert Mulzer
Broschiert
Januar 2001
Verlag: Cornelsen

Kommentare und Bewertungen: großartiger Roman über das Leben im Getto
    
Jurek Becker, selbst Überlebender des Holocaust und aufgewachsen in Getto und KZ, hat mit „Jakob der Lügner" einen der gelungensten Versuche, die nationalsozialistische Judenvernichtung literarisch zu bewältigen, vorgenommen. Die Geschichte erzählt die Geschichte des Gettobewohners Jakob Heym, der zufällig eine Nachricht aus dem Radio mitbekommt, nach der russische Truppen die deutschen im Rahmen einer Schlacht zurückgedrängt hätten. Da diese Nachricht Hoffnung auf eine Errettung gibt, erzählt Jakob sie weiter und behauptet - um die Glaubwürdigkeit zu unterstreichen- er hätte ein (verbotenes) Radio, in dem er die Nachricht vernommen habe. Durch diese Notlüge gerät Jakob aber in die missliche Lage, immer neue Nachrichten erfinden zu müssen, da er den anderen Gettobewohnern, die wieder beginnen, Zukunftspläne zu schmieden, ja die Hoffnung nicht nehmen kann. Ein überaus interessanter Roman, der ohne viel Pathos und Sentimentalität den Alltag im Getto beschreibt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Dokument der Menschlichkeit
   
Ein Dokument der Menschlichkeit und Humanität. Jakob, ein einfacher Mann wird zum Hoffnungsträger im Warschauer Ghetto unter deutscher Besatzung. Angeregt durch eine zufällig aufgeschnappte Nachricht über das Herannahen russischer Truppen, die er an seine Mitleidenden nur zögerlich weitergibt, wird er zum Messias der Hoffnungslosen. Immer wieder bedrängt man ihn nach Nachrichten, äußert das Verlangen nach positiven Meldungen, die Jakob ihnen auch mehr oder minder willig zu geben bereit ist, erkennt er doch das enorme Potential, das in diesen Hoffnung gebenden Erfindungen über die bevorstehende Befreiung steckt. Die Menschen werden aus ihrer verzweifelten Lethargie aufgeweckt, die mögliche Erlösung gibt ihnen neuen Lebensmut und sie hängen geradezu an den Lippen des einfachen Jakob, der sich in der Verpflichtung sieht, diesen Beitrag zur Stärkung des Lebenswillens seiner Leidensgenossen. Eindringlich und menschlich geschrieben, offenbart sich diese kleine Parabel auf die Menschlichkeit als erschütterndes Dokument der Zeitgeschichte, denn am Ende bleibt den solcherart in ihrer Hoffnung bestärkten doch nur der Gang in den Transport in die Vernichtungslager, da die erhoffte Befreiung nicht rechtzeitig eintrifft. Aber der Erzähler gibt als Überlebender Zeugnis von den Geschehnissen rund um Jakob, der den Eingeschlossenen neuen Lebensmut zu geben in der Lage war, der sie davor bewahrte, sich in Selbstmord und resignierende Verzweiflung zu stürzen, der ihrem Leben wieder einen Sinn gab, eine falsche Hoffnung zwar, die aber gleich einem Placebo ihre positive Wirkung nicht verfehlte. Das Buch Jurek Beckers, der selbst aus dem Warschauer Ghetto gekommen war, wurde übrigens auch sehr überzeugend von der DEFA verfilmt und gegenwärtig hat sich Robin Williams in der Neuverfilmung dieser Rolle angenommen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Die Mühe lohnt.
  
Jurek Beckers Familie hat in einem polnischen Ghetto nur zum Teil überlebt. Jurek Becker schreibt aus der Sicht eines Überlebenden, der damals ein kleiner Junge war. Wer wollte er in dieser schrecklichen Zeit gewesen sein? Eben Jakob, der Protagonist seines Romans, der mit einer Lüge die Hoffnung der Ghettobewohner aufrecht erhält und ganz tief in das Ghettoleben verwickelt ist. Und dann sollte die Geschichte ein halbwegs gutes Ende nehmen. Aber das geht nicht in Anbetracht der historischen Wirklichkeit. Erstaunlich: Jurek Becker verzichtet auf Haßtiraden gegenüber den Tätern. Im Gegenteil, er kann diesem System von Tätern und Opfern komische Seiten abgewinnen. Ich finde, daß daraus die Haltung des Schriftstellers spricht. Er läßt den Haß und die Trauer nicht übermächtig werden, sondern beobachtet genau. In dem Roman spürt man, daß er die Welt anders hätte, aber das Personal eben so ist, wie es ist. Es kostet einige Mühe sich die Welt Jurek Beckers zu erschließen. Bald werden einem die Romanfiguren aber vertraut und man bangt und hofft mit ihnen. Jurek Becker ist nicht irgendwer, sondern ein anspruchsvoller Autor. Seine Sprache ist elaboriert und wir haben hier einen Schriftsteller vor uns, der selbst den Akt des Schreibens im Roman zur Sprache kommen läßt. Der Leser wird vollständig als Erwachsener genommen. Für wen ist dieser Roman zu empfehlen? Ich denke, es muß ein erfahrener, reifer, an Literatur und besonders an dieser Thematik interessierter Leser sein.
|
 |
 |
 |
 |
|
Impressum
==>
Jurek Becker
|