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 Serdar Somuncu liest Joseph Goebbels, 1 Audio-CD
von Serdar Somuncu und Joseph Goebbels
CD
April 2004
Verlag: Lübbe

Beschreibung: Seit September 2000 liest Serdar Somuncu Ausschnitte aus einer der berühmtesten Reden des 20. Jahrhunderts. Er trägt aus dem berühmt berüchtigten Text Wollt ihr den totalen Krieg? des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels vom 18. Februar 1943 vor. Zuvor hatte sich der Schauspieler und Regisseur bereits mit Mein Kampf von Hitler auseinandergesetzt. Systematisch befragt Somuncu Inhalte und Strategien dieser als demagogisches Kunstwerk gehandelten Rede und desavouiert sie Schritt für Schritt als Legende und Mythos. Er zeigt, wie geistlos dieser Text ist, wie viel an Manipulation von ihm ausgeht. Dass Goebbels selbst, der Redner, das Ganze wenig später als Diese Stunde der Idiotie bezeichnet hat, ist nur die konsequente Fortführung der menschenverachtenden Einstellung der Nazis. Diese Live-Lesung ist Aufklärung im besten Sinne! Somuncu bettet seine Darbietung in eine kleine Bestandsaufnahme der aktuellen Gesellschaft mit ihren rechten und linken Vasallen ein: Gemein ist beiden Lagern, dass allein der Name Adolf Hitler viel Irritation bewirken kann. Doch anscheinend ist die Aufklärung über ihn in weiten Kreisen eher oberflächlich, jedenfalls nicht ausreichend. Genauso wie Hitlers Buch Mein Kampf fast niemand kennt, genauso unbekannt ist inhaltlich die berühmte Rede vom Sportpalast in Berlin. Das Unbekannte ist somit die Basis des Mythos! Somuncu legt dar, dass Hitler und Goebbels noch immer lebendig sind, dass Dummheit gefährlich sein kann. Wenn Deutschnationale David heißen, ist das unter Umständen ein Problem, wenn man auch mal wieder etwas gegen Juden sagen will, muss man wissen, wer denn überhaupt Juden sind, und wenn man Symbole trägt, sollte man über sie Bescheid wissen! Die Frage Wollt ihr den totalen Krieg? wurde zum bekanntesten Satz der Sportpalastrede. Jeder kennt ihn, doch in welchem Zusammenhang, vor welchem Hintergrund diese Frage gestellt wurde, weiß kaum jemand. Somuncu arbeitet anhand der Stichworte das vermeintliche Konzept der Rede heraus und desavouiert dabei die Sprache des Propaganda- und Aufklärungsministers! Erstes Stichwort Stalingrad: Die Wende im 2. Weltkrieg. Stalingrad war ein Desaster, der Untergang von tausenden von Soldaten. Hier spricht Goebbels davon, als ob das alles nicht so schlimm sei. Zweites Stichwort: Terror. Eine ziemlich zeitgemäße Vokabel, jedenfalls lässt sich nicht sofort eindeutig entscheiden, ob die Formulierung die zivilisierte Welt muss sich gegen einen Ansturm des Terrors zur Wehr setzen von Bush oder Goebbels stammt! Wiederholungen -- 53 mal wird von Gefahr, 31 mal von Bedrohung und drei mal von Schreckgespenst gesprochen --, Einhämmerungen und dumme Sätze sind das Charakteristische dieses rhetorisch so hoch geschätzte Werkes. Wenn Somuncu wortgewaltig die Formulierungen offener Freimut, revolutionärer Elan und jetzt nicht auflöst und neu vermischt, wird die Lüge, die Fassade der Rede deutlich fühl- und hörbar. Glanzpunkt der Entweihung ist der Liebesbrief an den Führer: Hier tritt das ganze Talent des Schauspielers Serdar Somuncu zutage: Geifern, sabbern, stöhnen, bellen
Man muss sich unwillkürlich fragen, woher die Faszination dieses Mannes kam. Die Gefahr des nur Lächerlichmachens wendet Somuncu ab, indem er betont, dass die banale Lächerlichkeit nur eine Seite der Medaille war, die andere war schreckliche Grausamkeit. O-Ton, Spieldauer: ca. 67 Minuten, 1 CD. Aufgenommen im Haus der Jugend, Mainz am 29.01.2003. --culture.text
Rechte Gefahr Heldenopfer Mythos Sportpalast Stichwort Stalingrad Ansturm der Steppe Terror Arme Nazis 53 x Gefahr Symbole Massnahme Lieber Führer 10 Fragen Hotzenplotz Ich bin Adolf Hitler (Videotrack)
Kommentare und Bewertungen: Arme Nazis!
    
Es gibt ja so Pappenheimer, die behaupten, die Sportpalast-Rede von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels vom 18. Februar 1943 sei ja schon ein rhetorisches Kunststück gewesen; ideologisch bedenklich, klar, aber doch von sprachlicher Raffinesse und sophistischem Geschick. Mit diesem Mythos wird hier gnadenlos aufgeräumt. Goebbels steht bereits nach wenigen Minuten dieser Live-Lesung als kompletter Oberdepp da, und dass sein Publikum damals angemessen reagierte, hatte, wie uns der Künstler am Rande erklärt, recht wenig mit tatsächlicher Überzeugungskraft zu tun. Überhaupt liegt es Somuncu sehr am Herzen, zu zeigen, dass die Begriffe Intelligenz und Nationalsozialismus (bzw. Rechtsextremismus) weniger miteinander zu tun haben, als einige fälschlicherweise annehmen. Einmal in Fahrt, lässt er seine Goebbels-Parodie (mit signifikantem Mönchengladbacher Goebbels-Dialekt) plötzlich links liegen, um den martialischen Standard-Nazi von Heute ins Kreuzfeuer zu nehmen. Auch Führer Adolf wird einmal mehr der Lächerlichkeit preisgegeben (bezeichnend hier allein schon der Bonus Videotrack: „Ich bin Adolf Hitler"). Eine heitere, feinsinnige, wohlpointierte Satire-Lesung ist das Ganze natürlich nicht; kann es gar nicht sein: Somuncu will vernichten, entmystifizieren, aufklären, ja ganz und gar aufräumen, und dass es da mitunter laut, ruppig und beherzt zugeht, überrascht eigentlich nicht weiter. Also: zum Wegdösen absolut ungeeignet; dafür aber durchweg aufwühlend, fordernd, und vor allem niederschmetternd komisch.
Öde und nervig
 
Serdar Somuncu liest und kommentiert die berühmt-berüchtigte Rede im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943. „Wollt ihr den totalen Krieg?", fragt Goebbels dort wenige Tage nach der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad. Die Zuhörer im Sportpalast jubeln. Somuncu will am Mythos der Rede kratzen, sie lächerlich machen, ihre rhetorischen Schwächen bloßlegen. Doch die von Gebrüll dominierte Live-Lesung nervt zunehmend. Seine kritischen Betrachtungen der Rechtsradikalen unserer Zeit und der Rede des Propagandaministers - der 1944 auch „Reichsbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz" werden sollte - bleiben meist inhaltlich schlicht und ohne sprachliche Raffinesse. Besonders quälend sind die häufigen Wiederholungen. Davon werden unlogische Sätze nicht dümmer, Witze nicht witziger - jedenfalls nicht, wenn die Platte ständig hängt. Auch an Hintergrundinformationen tischt der Künstler überwiegend Altbekanntes auf. Gute Stellen auf dieser CD lassen sich an einer Hand abzählen. Bestenfalls als erster Einstieg für Jugendliche geeignet, deren geschichtliche Bildung gegen Null tendiert. Ansonsten überflüssig.
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