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 Wer war Jack the Ripper? 4 CDs. Porträt eines Killers
von Patricia D. Cornwell, Franziska Pigulla und Stephan Benson
CD
März 2003
Verlag: Hoffmann & Campe

Beschreibung: Der Mythos Jack the Ripper beruht neben der Grausamkeit, mit der der Serienkiller seine Opfer abschlachtete, vor allem auch darauf, dass seine Identität nie geklärt wurde. Und das, obwohl der Schlitzer sich immer wieder provozierend der Öffentlichkeit präsentierte: Der Ripper schrieb unzählige Briefe an Polizei und Presse; seine höhnische Aufforderung Fangt mich, wenn ihr könnt zählt zu den bekanntesten Äußerungen eines Mörders. Die erfolgreiche amerikanische Krimi-Autorin Paricia Cornwell glaubt das Geheimnis gelüftet zu haben. In ihrem, im vergangen Jahr erschienenen Buch Wer war Jack the Ripper? Porträt eines Killers behauptet sie, dass die grausamen Prostituierten-Mörder im Londoner East End von dem angesehenen viktorianischen Maler Walter Sickert begangen wurden. Die ehemalige Polizeireporterin und Assistentin der Gerichtsmedizin steckte mehrere Millionen Dollar in ihre Recherche. Sie hat forensische Mediziner, DNA-Analytiker, Graphologen und Kunsthistoriker befragt. Akten, Berichte von den Morden und die 250, von Jack the Ripper unterzeichneten Briefe hat sie studierte. Aus den Memoiren der Schwester Helena las sie, dass der kleine Walter gefühlskalt und egozentrisch war. Sie kaufte Originale von Skizzen und Gemälden sowie Sickerts Zeichentisch. Auf der Suche nach der Identität des Serienmörders ging sie akribisch, fast besessen vor und kam zu dem Ergebnis: Kein anderer als Sickert kann Jack the Ripper gewesen sein. Einen eindeutigen Beweis konnte sie nicht erbringen. Dennoch ist ihre Theorie so faszinierend und packend wie die Taten des Rippers selbst. Die Hörbuchfassung wird im Wechsel von Franziska Pigulla und Stephan Benson gelesen. Beide Sprecher tragen mit ihren markanten Stimmen das Porträt überaus spannend vor. Neben den fünf Whitechapel- Prostituiertenmorden, deren Umstände von Patricia Cornwell auf der Basis von vorhandenem Material rekonstruiert wurden, und die ziemlich an die Nerven gehen, sind es insbesondere die nach und nach präsentierten Mosaiksteinchen aus Sickerts Leben, die so sehr fesseln, dass man kaum aufhören kann: Walter Sickert, der geachtete englische impressionistische Maler, wurde 1860 in München geboren und kam bereits als Kind nach England. Er starb mit 81 Jahren. Sickert versuchte sich als Schauspieler, bevor sich der Schüler von Whistler und Degas der Malerei widmete. Sickert muss eine sehr interessante, aber auch bizarre Persönlichkeit gewesen zu sein. Er war ein Chamäleon, liebte sich zu verkleiden, besaß mehrere Pseudonyme. Er führte ein Doppelleben à la Dr. Jekyll und Mr. Hyde und streifte gerne durch die nächtlichen Slums von London. Sickert war versessen darauf, sich im Mittelpunkt zu sehen. Er schrieb manisch Leserbriefe und sammelte Zeitungen. Doch Walter Sicker war auch das: Ein Mann mit blendendem Aussehen, gebildet, vielsprachig und mit einem fotografischem Gedächtnis ausgestattet. Es scheint allerdings ein Geheimnis in seinem Leben gegeben zu haben, welches Cornwells Theorie vom Hass des Schnitzers auf Frauen untermauert. Der Maler wurde mit einer Penis-Missbildung geboren und musste wahrscheinlich infolge von Operationen mit einer Verstümmelung leben. Dies und die traumatischen Folgen unterstützen ihre Annahme, Sickert sei ein schrecklicher Psychopath gewesen. Darüber hinaus präsentiert die Autorin erstaunliche Parallelen zwischen seinen Werken und den Morden. Vor allem die linguistische Untersuchung der Briefe verdeutlicht, dass es sich, auch bei Verstellung des Verfassers um ein und dieselbe Person handeln musste. Die Sprache weist auf einen intelligenten, hochmütigen Charakter hin. Es ist egal, ob Patricia Cornwell recht hat oder nicht ihr Porträt eines Killers ist hier derart fesselnd vorgetragen, dass es schon allein deshalb zu empfehlen ist. Zu den Recherchen die Morde betreffend, liefert dieses Hörbuch auch interessante Informationen über London und die soziale Situation der unteren Schichten, über das viktorianische Frauenbild und die Ermittlungsmethoden dieser Zeit. Gekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 293 Minuten, 4 CDs. -- culture.text
Kommentare und Bewertungen: Eine Theorie und ihre gelungene Umsetzung
   
Wie mein Titel schon aussagt, handelt es sich um einen „normalen" Kay-Scarpetta-Roman. Es handelt sich noch nicht einmal um einen Krimi. Patricia Cornwell versucht nach mehr als einem Jahrhundert die Ripper-Morde im spätviktorianischen England mit Hilfe der modernen Kriminalistik zu lösen. Sie stellt dazu eine Theorie auf, die genau so gut oder schlecht ist wie die zahlreichen anderen, die es so gibt. Bei ihr ist der Ripper der englische Maler Walter Sickert. Sie liefert uns, soweit es möglich ist viele Fakten aus seinem Leben und, wenn das einfach nicht mehr machbar ist, ergänzt sie es mit ihren eigenen Theorien. Walter Sickert, Engländer, in München geboren und mit dänischen Vorfahren, ist hochintelligent, aber ein sozialer Krüppel. Sie schiebt diese Entwicklung zu größten Teil auf sein „verkrüppeltes Genital" und der damit verbundenen Unmöglichkeit, „die Liebe körperlich" zu erfahren. Im weiteren Verlauf erfahren wir mehr von seinem, sehr bewegten, privaten und beruflichen Leben. Parallel werden auch die einzelnen Morde von Jack-The-Ripper, mit großer detailtreue, vorgetragen. Wir erfahren auch mehr über das Leben und das Umfeld des jeweiligen Opfers. Hier liegt auch die Stärke des Buches - selbst wenn man nicht an die Theorie glaubt, so liefert uns Patricia Cornwell doch einen interessanten und sehr fundierten Blick in die Zeit und das Leben der einzelnen Bevölkerungsgruppen. Zur Umsetzung kann man einfach nur sagen: GELUNGEN. Die beiden erfahrenen Vorleser wechseln sich nicht nur einfach ab, sie ergänzen sich auch auf ganz natürliche, und damit sehr packende, Art und Weise. Also, wer einen Krimi oder die Auflösung des Rätsels um die Identität des wohl berühmtesten Mörders der Geschichte erwartet, wird enttäuscht werden. Die Autorin bleibt uns der endgültigen BEWEIS schuldig! Wer aber sich von einer gut recherchierten Theorie und deren gekonnten Darstellung und einem Sittengemälde der Zeit unterhalten lassen will ist mit den vier CDs gut bedient.
Weder packend noch fesselnd
 
"Wer war Jack the Ripper" scheint zunächst eine äußerst spannende Frage zu sein. Die Antwort, die die Autorin Patricia Cornwell darauf gibt, ist jedoch zu schnell vorhersehbar. Der Spannungsbogen fehlt völlig. Wie schon der Klappentext verrät, steht der britische Maler Walter Sickert auf ihrer Anklagebank. Auch das könnte den Hörer durch eine raffiniert präsentierte Beweiskette zum Lauschen animieren, aber leider wirkt das ebenso reißerisch gesprochene wie geschriebene Porträt eines Killers vollkommen konstruiert. Es wird einfach zurechtgebogen, was passen soll. Der Autorin geht es einzig darum, ihre Theorie zu untermauern. Dabei übersieht sie, dass ihre vorgefertigte Meinung an einigen Stellen unstimmig ist. So werden etwa bestimmte Erkrankungen des mutmaßlichen Täters unterstellt, obwohl unzählige weitere Interpretationen möglich wären. Wiederholungen häufen sich, Opfer werden lieblos aneinandergereiht und Fakten in einen pseudowissenschaftlichen Rahmen eingebettet. Das sehr schöne Cover hält leider nicht, was es verspricht. Insgesamt eine große Enttäuschung!
Sprecher top - Story flop

Franziska Pigulla und Stephan Benson sind die einzigen Highlights in diesem Machwerk. Beide Sprecher bemühen sich redlich dem Hörbuch Leben einzuhauchen. Die konstruierte und zurechtgebogene These der Autorin, ist einfach nur lächerlich. Man hat ständig das Gefühl, dass Cornwell total verbissen an die Geschichte ran gegangen ist und um jeden Preis beweisen will, dass der Maler Walter Sickert der Ripper war. Tatsachen werden verdreht, Opfer werden untergeschoben - Sickert soll auch Kinder ermordet haben - und Indizien solange zurecht gebogen bis es passt. Cornwell sollte sich besser drauf beschränken fiktive Geschichten zu erfinden. Eine verschenkte Gelegenheit, den Ripperstoff seriös aufzuarbeiten.
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