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 Haben oder Sein
von Erich Fromm
Broschiert
April 1998
Verlag: Dtv

Kommentare und Bewertungen: Mit das Beste, was ich je gelesen habe
    
und ich habe schon recht viel gelesen, natürlich auch alle Bücher von Erich Fromm. Dieses Buch ist sein Bestes, jedenfalls nach meiner Meinung. Man muß weder Philosoph, noch Analytiker oder akademisch vorgebildet sein, um seine Thesen zu verstehen und sich zu eigen zu machen. Für mich war dieses Buch eine Offenbarung und ich wurde neugierig, mehr über die Menschheit und da- mit auch über mich selbst zu erfahren. Durch ihn bin ich zur Philosophie, zur Emanzipation und teil weise auch zu mir selbst gekommen. Erich Fromm ist und war einer der Besten für mich. P.S. Ich habe das Buch als gebundene Ausgabe und es ist auch schon mind. 25 Jahre her, seit ich es das erste Mal gelesen habe
Zeitlos lesenswert.
    
Der Autor Erich Fromm erläutert im ersten Teil zunächst die Begriffe Haben und Sein. Er geht dabei sehr gründlich vor, zieht Dichtung, Sprachgebrauch, Philosophie und zahlreiche andere Wissenschaftsfelder hinzu. Darauf aufbauend betrachtet er diese Begriffe in der alltäglichen Erfahrung, wie Lernen, erinnern, Lesen, Wissen usw. Dem Leser werden die in seinem Wortschatz lange bekannten Wörter in allen Facetten nähergebracht. Es entsteht ein neues, feineres Begriffsbild im Kopf.Der zweite Buchteil baut darauf auf und untersucht die grundlegenden Unterschiede im Wesen der beiden Begriffe. Haben ist in unserer gewinnorientierten Gesellschaft allgegenwärtig. Es nimmt eine Funktion war. Diese wird hier detailliert herausgearbeitet. Mit dem Sein ist es da schon schwieriger. Es ist ebenfalls überall vorhanden, springt aber nicht sofort ins Auge. Aber das Sein ist nicht nur passiv, es kann auch aktiv in Erscheinung treten. Hierüber schrieb bereits Spinoza, dessen Zitate dazu Erwähnung finden. Für den Unterschied zwischen Freude und Vergnügen beispielhaft der alte Satz: Alle Lebewesen sind nach dem Koitus traurig. Im dritten Teil blickt der Autor in die Zukunft und zeigt mögliche Wege für den Wandel des Menschen in eine humanere neue Gesellschaft. Auch hier ist die Untersuchung von Religion und Industrie sachlich und sorgfältig. Das Buch lässt sicher nur wenige Menschen unberührt. Es vermittelt Wissen und eine neue Betrachtungsweise der Welt. Sorgfältig aufgebaut, mit zahlreichen Zitaten versehen, versöhnt es den Leser mit einer friedlichen Welt und entflammt in seinem Inneren möglicherweise eine Revolution der Werte.
Ein Plädoyer für die Veränderung unserer Gesellschaft
   
Haben oder Sein - das ist hier die Frage. In diesem Werk E. Fromms legt der Autor in knapper Form seine auch schon frueher geaeusserten Gedanken zur Notwendigkeit der Veränderung unserer westlichen Gesellschaft dar. Fromm bestimmt mit "Haben" und "Sein" zwei grundsätzliche verschiedene menschliche Charaktere und Lebensformen. In (nahezu) jedem Menschen gibt es die Anlage zu beidem, unsere westliche Kultur aber fördert die Existenzweise des Habens und läßt die des Seins verkümmern. Damit aber - so der Autor - bewegt unsere Welt sich unweigerlich auf eine endgültige Katastrophe zu, die schon jetzt abzusehen ist. Verwiesen sei nur auf die immer weiter voranschreitende Umweltzerstoerung oder atomares Wettrüsten. Als einziger Ausweg aus dieser Krise bleibt für Fromm nur eine radikale Veränderung unserer Gesellschaft. Sie besteht in der von allen zu vollziehenden Hinwendung zur Existenzweise des Sein - ein Gesellschaftsentwurf, der sich aus marxistischen, buddhistischen und christlichen Quellen speist und von Fromm als "Humanitäre Religion" deklariert wird. Worin die Existenzweise des Seins genau besteht, dazu sei der Leser auf dieses sehr gut zu lesende und ohne grossen wissenschaftlichen Apparat auskommende Werk selbst verwiesen. Es bietet neben der Beschreibung der beiden Existenzweisen auch erste Schritte, die zur Verwirklichung dieser neuen, humanitären Gesellschaft gegangen werden müssen. So ist es keine Anleitung zum persönlichen Well-Being, Fromm verweist hier auf andere einschlägige Werke. Es ist vielmehr Anleitung zur Verändrung der Gesellschaft. Meiner Ansicht nach ist dieses Werk hervorragend geeignet, um auf gut verdauliche Art in die Gedankenwelt Fromms einzuführen. Wie man nun zu seinen Thesen steht, bleibt natürlich Ansichtssache. Bei der Behauptung, unsere Gesellschaft müsse sich ändern, gebe ich Fromm recht. Bei der Frage aber, ob es sich bei seinem Vorschlag um den richtigen Weg handelt, ist weiteres Nachdenken und die Suche nach anderen Alternativen gefragt. Fromms Äußerungen aber geben guten Anstoß dazu. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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