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 Trotzdem Ja zum Leben sagen
von Viktor E. Frankl
Broschiert
Mai 2005
Verlag: Dtv

Kommentare und Bewertungen: "Die Besten sind nicht zurückgekommen"
    
Frankls Buch "... trotzdem Ja zum Leben sagen" enthält auf 142 Seiten seinen Bericht "Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager" (Frankls toten Mutter gewidmet) und auf 47 Seiten seine "Synchronisation in Birkenwald" (seinem toten Vater gewidmet)."... trotzdem Ja zum Leben sagen" ist ein Bericht des Häftlings Nr. 119 104, des Psychologen Viktor E. Frankls (1905-1997), Professor für Neurologie und Psychiatrie und Professor für die von ihm begründete Logotherapie, Vorstand der Wiener neurologischen Poliklink und Präsident der Österreichischen Ärztegesellschaft für Psychotherapie. "Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager" ist in drei Phasen unterteilt: 1. Die Aufnahme ins Lager, 2. Das Lagerleben und 3. Nach der Befreiung aus dem Lager. Auch wenn es sich - wie Frankl sich ausdrückt - um einen "psycholgischen Versuch" handelt, sollte jeder dieses Buch gelesen haben ... (deshalb biete ich hier auch keine Zusammenfassung des Buches, da jeder selbst diese Erfahrung machen sollte - meiner Meinung nach). Unter "psychologischer Versuch" versteht Frankl, dass er versucht, das im Konzentrationslager Erlebte in Form von Selbst- und Fremdbeobachtungen zu erzählen und zu erklären/deuten. Aus diesem Grunde befindet sich zu Anfang des Buches eine kleine Einführung in die Arbeitsweise der Psychologie und auch gegen Ende wird es dem ein oder anderen nicht-Psychologie-interessiertem-Leser ggf. zu "psychologisch". Der Leser widerum, der ein rein wissenschaftliches Buch erwartet, mag auch enttäuscht sein, diesmal nicht überfordert oder genervt wie der Nicht-Psychologe, sondern enttäuscht darüber, dass Frankl keine Theorien-Auflistung bietet. Ich jedoch, obwohl Psychologie-Studentin *lach*, finde dieses Buch genau so wie es ist richtig! Frankl selbst rechtfertigt sich folgendermaßen: "Fragen wir uns aber (nunmehr) nach dem Sinn eines solchen Unternehmens, wie dieser Bericht es darstellt. Tatsachenberichte über die Konzentrationslager sind ja schon in genügender Anzahl erschienen. Hier sollen jedoch Tatsachen nur insofern vorgebracht werden, als das Erlebnis eines Menschen jeweils das Erlebnis tatsächlichen Geschehens ist; dem Erlebnis als solchem jedoch gelten die folgenden psychologischen Bemühungen. Ihr Sinn ist ein doppelter, je nachdem, ob der Leser das Konzentrationslager und das Leben daselbst aus eigenem Erleben kennt oder nicht. Für die erstere Gruppe von Lesern soll hier das, was sie selber tatsächlich erlebt haben, mit den zur Zeit (Anm.: 1945) zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden zu erklären versucht werden; für die zweite Gruppe aber soll das, was der ersteren erklärbar ist, verstehbar werden. (...)" Frankl führt uns in diesem Bericht durch sein Lagerleben als Auschwitz- und danach Dachau-Häftling. Er berichtet vom Ankommen der Häftlinge in Auschwitz, von der ersten Selektion, der Desinfektion, von der nackten Existens als das einzige, was einem als Häftling blieb, von den ersten Reaktionen der Häftlinge, von ihren Überlegungen, Selbstmord zu begehen oder gegenseitigen Versprechungen, dies nicht zu tun. Der Leser erfährt viel über die physischen und psychischen Zustände der Häftlinge, so z.B. von der allgemein herrschenden Apathie, was das wirklich Schmerzhafte ist (Worte verletzen oft mehr als Schläge), von Träumen der Häftlinge (in den Träumen wird die Primitivität der Wünsche deutlich - meist träumen die Häftlinge von Essen, Zigaretten oder einem ordentlichen Bad), der Hunger wird beschrieben, die Sexualität, die nicht existiert, das unsentimental-Werden der Häftlinge (die Abstumpfung, durch das "Sich-konzentrieren-Müssen auf die ständig in Frage gestellte simple Lebenserhaltung"). Ebenso berichtet Frankl von Politik, Religion und Kunst im Lagerleben, von der Bedeutung der "Flucht nach Innen", die auch eine Art Kunst darstellt, denn oft können nur phantasievolle, zart besaitete Menschen "nach innen", in eine andere Realität, flüchten, und auf diese Weise eine Möglichkeit haben, besser durchhalten zu können: "Empfindsame Menschen, die von Haus aus gewohnt sind, in einem geistig regen Dasein zu stehen, werden daher unter Umständen trotz ihrer verhältnismäßig weichen Gemütsveranlagung die so schwierige äußere Situation des Lagerlebens zwar schmerzlich, aber doch irgendwie weniger destruktiv in bezug auf ihr geistiges Sein erleben. Denn gerade ihnen steht der Rückzug aus der schrecklichen Umwelt und die Einkehr in ein Reich geistiger Freiheit und inneren Reichtums offen. So und nur so ist die Paradoxie zu verstehen, dass manchmal die zarter Konstituierten das Lagerleben besser überstehen können als die robusteren Naturen." Durch und durch wird in diesem Werk deutlich, wie gut es das Schicksal mit Frankl meinte - er selbst kommt immer wieder durch Selektionen, er hat das Glück, in ein Schonungslager zu kommen, während andere Kameraden (denen das gleich versprochen wurde!) direkt "ins Gas" gingen. Frankl betont vor allem die große Bedeutung der Tatsache, dass man einen "Sinn" braucht, um überleben zu können; Kameraden, die keinen Sinn in ihrem Leiden sahen, gingen an ihrer Selbstaufgabe meist zugrunde. Zitiert wird an dieser Stelle mehrmals die Aussage Nietzsches: "Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie." Dem Leser wird bis zu Ende nicht aus dem Kopf gehen, dass Frankl nicht mehr erwähnt hat, was aus seinem "Brotbeutel" wurde, den er mit nach Auschwitz brachte (und höchstwahrscheinlich wie alles andere auch abgeben musste), dass man leider nie erfährt, wie es Frankls Frau erging und dass man wohl nie eine Antwort auf eine der am tiefsten berührenden Textstellen bekommt: "Otto - wo bist du jetzt? Lebst du noch? Was ist aus dir geworden, seit jener letzten gemeinsamen Stunde? Hast du deine Frau wiedergefunden? Und erinnerst du dich noch daran - wie ich dich damals, trotz deines kindlichen Weinens, gezwungen habe: Wort für Wort mein mündliches Testament - auswendig zu lernen?" Alles in allem ist "... trotzdem Ja zum Leben sagen" ein großartiges Buch, das jeder gelesen haben muss! Mir ist es völlig unverständlich, dass in 13 Jahren Schulunterricht niemals der Name Frankl oder gar dieser Buchtitel fiel (trotz Deutsch-Leistungskurses musste ich warten, bis ich Frankls Theorie im Studium für das Psychologie-Vordiplom lernen sollte), denn dieses Buch (auch die "Synchronisation in Birkenwald", der ich eine eigene Rezension widmen werde, da hierfür hier kein Platz mehr ist - aufgrund der Begrenzung der Rezensionen auf 1000 Wörter) gehört eindeutig in jeden Schulunterricht und erst recht in jedes Bücherregal! Es ist eines der wertvollsten Bücher, die ich je gelesen habe.
ein Buch zum Nachdenken
    
Frankl beschreibt in diesem eindrücklichen Buch seine Erfahrungen, seine Gedanken und seine vor Ort und Stelle entwickelten Theorien über die psychologischen Vorgänge der Menschen, welche das unbeschreiblich schreckliche Erlebnis, in einem Konzentrationslager gefangen zu sein, erleben mussten. Die Worte des Autors gehen einem enorm tief, weiss man doch um die Tatsache, dass er nicht bloss theoretische Aspekte übermittelt, sondern das Niedergeschriebene am eigenen Leibe erfahren hat. So steht im Vorwort von 'Trotzdem Ja zum Leben sagen': "Viktor Frankl hat gelebt, was er lehrt." Und dies wird dem Leser/der Leserin auf jeder Seite, in jedem Satz, bei jedem Wort dieses Buch deutlich bewusst! Die Sicht eines Psychologen über die Ungerechtigkeit und die Schreckenstaten in einem Konzentrationslager und wie ein Mensch eine solche Situation überhaupt seelisch durchstehen konnte, dürfte für jede und jeden von uns von grosser Bedeutung und grossem Interesse sein. Viktor Frankls im KZ erlangten Erkenntnisse verursachen Aha-Erlebnisse und lassen sich auch auf unser Leben umsetzen. Seine Worte treffen uns und bewirken eine Veränderung unserer Sichtweisen in den verschiedensten Bereichen. "Die geistige Freiheit des Menschen, die man ihm bis zum letzen Atemzug nicht nehmen kann, lässt ihn auch noch bis zum letzten Atemzug Gelegenheit finden, sein Leben sinnvoll zu gestalten." (Viktor Frankl) Die 200 Seiten bewegen, beschäftigen und schmerzen. Man liest diesen Schicksalsbericht und erfährt Einzelheiten darüber, wie es Menschen wie Viktor Frankl gelungen ist, diese Zeit trotz Schmerzen, Ängsten und andauernden Qualen seelisch zu überstehen. "Wenn Leben überhaupt einen Sinn hat, dann muss auch Leiden einen Sinn haben." (Viktor Frankl)
Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.
    
Die Schilderungen von Viktor E. Frankl, dem Begründer der Logotherapie, sind in Ihren Schlußfolgerungen zeitlos: Es gibt auf der Welt zwei Arten von Menschen: "Anständige" oder "Unanständige". Die Freiheit sich täglich, stündlich zu entscheiden wie er ist, kann ihm auch unter den menschenunwürdigsten Umständen keiner nehmen. Und: Der Mensch ist nicht geboren nur materielles Glück zu genießen, sondern ihm ist bestimmt innerlich zu wachsen. Wenn er fähig wird, im persönlichen Leid einen tieferen Sinn zu sehen, auch wenn er diesen nicht augenblicklich erkennt, kann er daran reifen, bzw. wie in seinem Fall, überleben. Meine Empfehlung: Unbedingt lesen!
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