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 Deutschlandalbum, 1 Audio-CD
von Axel Hacke
CD
September 2004
Verlag: Kunstmann

Kommentare und Bewertungen: Lauter kleine Denkmäler
   
Oder besser: Lauter Denkmäler fürs Kleine. Kleine Menschen die doch groß sind, kleine Dinge, Kleinigkeiten, die plötzlich so wichtig werden, so anrührend, so vergessen oder einfach so schön, dass sie Beachtung verdienen. Ein Foto, dazu eine Geschichte. Wer könnte das besser als Axel Hacke, Großmeister des „Streiflicht", jener berühmten Titelseitenkolumne der Süddeutschen Zeitung, von der schon behauptet wurde, sie sei wichtiger für das Blatt als die Aufmacher gleich daneben. Na gut, Max Goldt könnte das vielleicht auch, aber der hat eine andere Art, einen anderen Blick. Der ist viel trockener, wird längst nicht so emotional und schreibt lieber für die Pointe. Wladimir Kaminer? Hat der nicht auch „Mein deutsches Dschungelbuch" abgeliefert? Das ist was ganz anderes. Kaminer ist Russe, und er bleibt bei aller Entzückung für die kleinen Details auf freundlicher Distanz. Hacke hingegen leistet sich die Sicht des Deutschen auf seine Landsleute. Manche Dinge darf man nur von innen sagen. Das kann nur einer, der hier sein Leben verbracht hat. Eigentlich macht Axel Hacke nichts anderes als auch im Streiflicht. Streng genommen sind das sogar lauter Streiflichter, wenn auch längst nicht so auf Pointe, Sprachspiel und Andeutung geschrieben. Sondern ganz geradeaus. Abseits der großen und wichtigen Ereignisse der Welt richtet Hacke seine Aufmerksamkeit auf das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen. Er erzählt lauter kleine in sich geschlossene Geschichten, betrachtet das Schöne, das Tröstliche und das Rührende im Normalen. Sucht Sinn im Irrsinn. Der Pfarrer, der in der DDR jahrelang vor drei oder vier Leuten predigte und nun zum Verwaltungsmanager in Kirchendingen geworden ist, auch wenn jetzt 15 Leute statt vier kommen. Der Schlachter, der weinte, als er sein erstes Kälbchen tötete, und der sich auch heute noch manchmal bei den Tieren entschuldigt. Der letzte Knecht, der sein Leben lang Pferde geliebt hat. Der Penner, der ganz unten ist und trotzdem ein Fünkchen Hoffnung nicht sterben lassen möchte. Der Münchner Straßenkehrer, der als bayerisches Original durch einen Filmemacher selbst ein bisschen berühmt wurde, und der sich versetzen ließ, weil er nicht zum Abziehbild werden wollte. Hacke sieht einen Besenstiel in einer dunklen Ecke stehen, zerrt seinen Besitzer an einen Tisch, spendiert ihm ein Bier und hat einen Nachmittag später ein Stück, das einem das Wasser in die Augen treibt (keine Sorge, es kommt gar kein Besenstiel vor im Buch, außer vielleicht der vom Straßenkehrer). Axel Hacke erzählt gekonnt, anrührend, nachdenklich, oft auch mit anständigem Druck auf die Tränendrüse, geradezu pessimistisch. Viel ehemalige DDR, auch viel Krieg, viel Unbewältigtes, harte Schicksale, Zufallsschicksale, deutsche Geschichte und deutsche Geschichten, mal jung, mal alt. „Mein größtes Talent ist es, bewundern zu können", zitiert Hacke den Schauspieler Walter Schmiedinger auf den ersten Seiten seines Buchs, „...wie jeder Mensch in seinem Leben, in seinem Beruf besteht, wie er das aushält, was er bewerkstelligt, was er macht, was er wünscht und was ihm nicht gelingt. Ich bewundere das." Das ist es! Hacke bewundert. Er schenkt Leuten und Dingen Aufmerksamkeit, die sonst niemand bewundert. Das ist letzten Endes nicht viel, denn die Leute sind wenig später vielleicht schon tot, gestorben am Schicksal, einer Krankheit, am harten Leben oder einfach am Alter. „Es geht hier um nichts anderes als Würde in würdelosen Zeiten, und es geht um Zeit in flüchtigen Zeiten." sagt Hacke irgendwo in einem der Stücke. Es geht ihm um Werte, durchaus konservativ. Das ist natürlich ganz schwer, ohne sich gleich einen Gutmenschen-Ruf einzufangen wie Kollege Ulrich Wickert, der dann schon wieder nach hinten los geht, weil er von den Geschichten ablenkt. Deshalb soll das auch ein anderes Thema bleiben...
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