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 Ein springender Brunnen, m. Audio-CD
von Martin Walser
Broschiert
November 2001
Verlag: Suhrkamp

Kommentare und Bewertungen: Erinnerungsbuch - Hitlerdeutschland in der Provinz
    
Martin Walser wählt in seinem autobiographischen Roman den Knaben Johann als Perspektivfigur und Protagonist. Aus Johanns Kindheit und Jugend, zu Zeiten des dritten Reichs, werden drei kurze Lebensabschnitte (Johann als 5-, 10- und 18- jähriger) aufgegriffen und detailliert geschildert, während die dazwischenliegenden Zeiträume nur indirekt durch Johanns Erinnerungen und Reflexionen dargestellt werden. Im schwäbischen Wasserburg am Bodensee wächst Johann zunächst unbeschwert in einer Gastwirtfamilie auf. Die tüchtige aber sehr strenge Mutter kümmert sich um die „Restauration" und kämpft um das finanzielle Überleben der Familie, während dem Vater das Klavierspiel sowie philosophische und spirituelle Literatur wichtiger sind. Durch den zunehmenden Einfluss der Nazis, treten in Wasserburg Veränderungen auf, denen sich auch Johann nicht entziehen kann. Die Mutter tritt schon früh, im Jahre 1932, in die Partei (NSDAP) ein. Nun werden die Parteiversammlungen in der Restauration abgehalten, wodurch Johann die Reden der Nazis zwangsläufig mitbekommt. Der Vater weiß schon sehr früh: „Die Katastrophe heißt Hitler", und zieht sich zunehmend in seine Theosophie zurück. Johann ist in dieser Zeit sehr oft mit seinem besten Freund Adolf zusammen. Gegensätzlicher könnten Freunde kaum sein: Johann ist eher zurückhaltend und liest seinem Vater aus Nietzsches Zarathustra vor, Adolf hingegen klopft Sprüche und verwendet Vokabular, das er von seinem strammen >Nazi-Vater< übernommen hat. Durch etliche weitere Szenen des Dorflebens wird klar, wie sich die Verhältnisse durch die Macht der Nationalsozialisten komplizieren. Johann findet über seinen Vater den ersten intensiveren Zugang zur Sprache. Er lernt Wörter zu buchstabieren, die der Vater ihm aufgibt und aus denen er sich einen imaginären „Wörterbaum" wachsen lässt. Ein persönlicher Rückblick ist demnach niemals vor subjektiven Verfälschungen und Auslassungen gefeit. Es lässt sich vermuten, dass Walser die fiktive Figur Johann deshalb zum Protagonisten wählt, weil er den Wahrheitsanspruch, schreibe er biographisch von „Martin", ohnehin nicht erfüllen könnte.
Ein Hörgenuß der besonderen Art von Anfang bis zum Ende!
    
Endlich! Von meinem absoluten Lieblingsbuch 1998 gibt es nun eine Hörfassung. Ich kann diese 4 Kassetten allen, die vielleicht nicht jeden Tag ein dickes Buch mit sich rumschleppen (weil sie meist nur in der U- oder S-Bahn zum Lesen kommen - so wie ich) und auch nicht bis zur Taschenbuchausgabe warten wollen, oder aber dieses wunderbare Buch schon gelesen haben und den Autor selber hören möchten, wärmstens ans Herz legen und weiterempfehlen.Der einzige "Mangel": Es ist eine von Martin Walser gekürzte Lesefassung, die Highlights aus jedem Kapitel sozusagen, also bei weitem nicht das ganze Buch, leider. Das eigene Leseerlebnis kann und will dieses Hörbuch aber natürlich nicht ersetzen. Das größte Plus: Martin Walser ist wie immer auch sein absolut bester Vortragender in eigener Sache. Berührend und zu Herzen gehend gelesen, hören wir vom Wasserburg seiner Kindheit. Ein Hörgenuß der besonderen Art von Anfang bis zum Ende!
ein autobiographisches Meisterwerk
    
es gelingt Martin Walser wie kaum einem zweiten in diesem Roman seine mehr oder minder harmonische KIndheitsgeschichte und die Entwicklung des Nationalsozilismus als zweite paralelle Thematik am Beispiel seiner Heimatstadt wasserburg darzustellen.Die Jugendzeit des kleinen Johann mit seinen kindlichen Visionen und Träumen, sein besonderes Verhältnis zu seinem Vater, den ersten biologischen Kontakt und der Darstellung seines Freundeskreis veranschaulicht dem Leser in geradezu bildhafter Sprache das Leben zu dieser Zeit und eben nur aus der Warte dieser Zeit nicht aus der heutigen die die vergangenheit of als schöner und besser wiederspiegelt als sie eigentlich ist.
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