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 Die Stimmen von Marrakesch, 2 Audio-CDs
von Elias Canetti
CD
Februar 2005
Verlag: Dhv der Hörverlag

Beschreibung: Mit feiner, weise klingender Stimme trägt Elias Canetti selbst in dieser Produktion des Hessischen Rundfunks von 1985 Die Stimmen von Marrakesch vor. Es sind Erinnerungen an seine Eindrücke, die er als Begleiter eines Filmteams im Jahr 1954 machte. Für den Geschichtensucher Canetti war Marrakesch ein idealer Ort. Das hört man in jeder Geschichte, jedem Satz, obwohl oder gerade, weil er die Texte erst aus der Distanz, nach seiner Rückkehr, aufgeschrieben hat. Alles, was er sah bzw. nicht sah, inspirierte ihn zu diesen Erzählungen voller Buntheit und Lebendigkeit, die aber auch kritische und ernste Töne enthalten. Insgesamt dreizehn Geschichten liest er. Er erzählt von seiner Begegnung mit Kamelen und ihrem letzten Gang zum Schlächter, gibt eine lebhafte Schilderung der Suks, beschreibt die Vielfältigkeit der handgefertigten Waren und die geheimnisvolle Preispolitik der Händler. In Die Lust des Esels zeigt er eindringlich, wie viel Kraft und Lust noch in einem alten Esel steckt. Die Blinden, die Mellah, das Judenviertel Marrakeschs, Restaurants und Bars lässt er lebendig werden. Er ergreift Partei für die Bettelkinder, als ein Restaurantbesitzer sich mit seiner prahlerischen Erzählung darüber, wie er einst eine Frau um ihren Lohn gebracht hatte, selbst verächtlich macht. Die Reiseerzählung Die Stimmen von Marrakesch erschien 1968. Als Canetti sie 1985 las, war er ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Schriftsteller, u. a. erhielt er den Georg-Büchner-Preis und den Nobelpreis für Literatur. Viele seiner Themen sind in den erinnerten Geschichten leicht und heiter vertreten: der Kampf gegen den Tod, die Sprache, die Zeit und die Utopie. Nur für ein anderes großes Thema, seine Begeisterung für Frauen, war Marrakesch offensichtlich nicht der richtige Ort. Fazit: Anlässlich seines hundertsten Geburtstages, er lebte von 1905-1994, ist es ein Fest für alle Canetti-Fans und die, die ihn in Zukunft näher kennen lernen möchten, ihn selbst sprechen zu hören. Seine Stimme ist eine Überraschung! Der Autor von Die Blendung und von Masse und Macht, der im Leben für seine Umwelt nicht immer einfache Mann, spricht so zärtlich, mit so viel Neugierde und Begeisterung für die banalsten Dinge. Er klingt noch im hohen Alter, als wäre er zeit seines Lebens ein Kind geblieben. Autorenlesung, Spieldauer: ca. 140 Minuten, 2 CDs. -- culture.text
Kommentare und Bewertungen: Einfühlsame Beschreibung Marokkos
    
Dass Elias Canetti im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Nachkriegsautoren doch relativ unbekannt ist, ist sehr beauerlich. Er ist nicht nur ein außerordentlich guter Romancier, er versteht es auch, kurze Prosa so zu schreiben, dass sich der Leser in die jeweiligen Situationen versetzt finden kann. Die Beschreibung Marokkos, die Canetti in diesem Buch vornimmt, indem der mosaikhaft kleine Situationsbausteine zusammensetzt, ist zum Teil heiter, zum Teil macht sie betroffen. Sie ist eben so wie das Leben auch ist.
mein Lieblingshörbuch
    
Elias Canetti kommt zusammen mit Freunden nach Marrakesch und nimmt den Hörer mit auf seinem Streifzug kreuz und quer durch diese rätselhafte Stadt. Schließlich landet er vor einem Gebäude, aus dem ein ziemlich skuriler Monolog ertönt...Man ist sofort von dem Zauber der orientalischen Welt gefangen.Ein wirklich märchenhaftes Hörbuch, dass als zusätzliches "Zuckerl" auch noch vom Autor selbst -der übrigens über eine wunderbar angenehme Stimme verfügt- gelesen wird. Unbedingt anhören und verzaubern lassen!
Kurzweilige Erzählkunst
    
Dieses Buch ist die ideale Lektüre für jedermann. Als "Einsteiger" für Canetti-Interessierte, zum Entfachen des Fernwehs, als Beispiel prätentionsloser, großer Erzählkunst. Canetti erzählt einfache Alltagsgeschichten mit viel Humor und scharfer Beobachtungsgabe. Dabei bleibt er stets als Ich-Erzähler präsent, und die Buchseiten laufen wie ein Film vor dem inneren Auge des Lesers ab. Wenn man dann den Buchdeckel zuklappt, hat man sofort Lust nach mehr. Und ein größeres Kompliment kann man einem Buch wohl nicht machen.
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