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 Das Gesetz der Lagune, 7 CDs. Commissario Brunettis zehnter Fall
von Donna Leon und Christoph Lindert
CD
August 2002
Verlag: Steinbach Sprechende Bücher

Kommentare und Bewertungen: Spannende Reise durch Norditalien
    
Donna Leon schafft es immer wieder den Leser zu fesseln, zu begeistern und in die faszinierende Welt Norditaliens zu führen. Der zehnte Fall des Signore Brunetti „Das Gesetz der Lagune" ist der beste Fall, den es je gab. Klasse. Donna Leons Brunetti-Krimis sind ein Muss für jeden Italien- bzw. Venedig-Fan. Sie versteht es, in kurzen knappen Dialogen und Beschreibungen ihren Charakteren und dem Setting Leben einzuhauchen. Dabei hat sie ein messerscharfes Auge für Details. Und so entsteht Donna Leons Venedig, ihr Italien mit geheimnisvollen Regeln des Zusammenlebens, mit einer ganz eigenen Atmosphäre, nämlich einer, die der Italien-Urlauber auch kennt.An einzelnen Personen und Begebenheiten wird das Bild Italiens bestätigt, dass alle mit sich herumtragen: Natürlich geht Brunetti nicht den Amtsweg, denn auf offiziellen Wegen erfährt man nichts oder es dauert ewig, ja, genauso stellen wir uns die italienischen Staatsorgane vor - langsam, schlampig und korrupt. Natürlich kann Brunetti nur über persönliche Kontakte etwas erfahren, denn, klar, die italienische Gesellschaft basiert auf Blutsbande und dem Austausch von Gefälligkeiten - Ich gebe dir was, weil ich dir was schulde und jetzt schuldest du mir was. Wer Brunetti-Krimis bereits kennt, weiß was ihn erwartet. Es ist das immer gleiche Rezept: Ein Mix aus einem festen Kreis an Handlungspersonen rund um den von Regierung und Polizeimacht enttäuschten Commissario, der Trost in seinem glücklichen Privatleben und zwar vor allem bei Frau Paola findet; hinzu kommt die grundlegende Kritik an der (italienischen) Gesellschaft mit einem besonderen Aspekt - dieses Mal: die Umweltzerstörung; sowie Venedig selbst - nicht selten wandeln Venedig-Touristen auf Brunettis Pfaden durch die Lagunenstadt, denn alle Straßen, Plätze, Bars und Restaurants gibt es wirklich. Ein geniales Erfolgsrezept: Dafür ist Brunetti viel zu liebevoll beschrieben, sind die Dialoge viel zu pointiert, ist die Handlung viel zu flüssig. Selten schafft es ein Schriftsteller so elegant, ernste Themen in leichter Verpackung darzulegen. Hoffentlich wird Brunetti noch lange gegen Gleichgültigkeit und Unrecht in Venedig kämpfen, dabei Opern hören, Grappa trinken und mit seiner Frau über Gott und die Welt philosophieren.
Lesen! - Nicht von skeptischen Kritiken verunsichern lassen!
    
Die zum Teil recht harschen Kritiken über Commissario Brunettis 10. Fall haben mich lange davon abgehalten, Donna Leons neuestes Buch zu lesen - aber vollkommen zu Unrecht! Commissario Brunetti ermittelt und Donna Leon schreibt wie in ihren jeweils besten Zeiten. Das Buch ist atmosphärisch sehr dicht, ganz und gar nicht langweilig und voll mit italienischem Flair. Es beschreibt ein Italien im Wandel, wie man es sich noch vor Jahren nicht hätte vorstellen können, das aber in starken Kontrast steht zu den seit Jahrhunderten geltenden Regeln am Ort der Handlung, einer Insel in der Lagune vor Venedig. Dass sich Commissario Brunettis 10. Fall dort, auf der Insel Pellestrina, entwickelt und nicht ausschließlich in Venedig, ist eine neue und prickelnde Variante. Diesmal spielt nicht nur das Wasser um die venezianischen Häuser eine Rolle, sondern auch das Meer vor der Lagune, die Adria. Donna Leons Beschreibung der Bora, des kalten Nordwindes, und ihrer Wirkung auf die dort lebenden Menschen, das adriatische Meer und die Entwicklung des Falles, gehört mit zu dem spannensten und beeindruckendsten italienischen Szenen, die ich je gelesen habe. Deshalb: Nicht abschrecken lassen von manchen skeptischen Kritiken, sondern lesen und genießen!
Gemischte Gefühle
  
Nach dem zehnten Fall des berühmten Commisario Brunetti drängt es mich doch einmal zu einer „Amateurrezension". Vorweg die Habenseite: Donna Leon gelingt es mit jedem Buch, den Leser auf die Reise zu nehmen in eine der schönsten Städte der Welt. Wir erfahren etwas über Lebensart, Lebenskultur und Alltäglichkeit in diesem heutigen (Nord!-)Italien. Die Bücher lesen sich leicht, es bedarf keiner übermäßigen intellektuellen Kraftanstrengung. Das Richtige für den Urlaub. Der zehnte Fall des Signore Brunetti „Das Gesetz der Lagune" ist zugleich der spannendste. Zum zweiten Mal kommt hier sogar so etwas wie „Action" auf, während die anderen Fälle eher betulich von statten gehen. Und Signorina Elletra wird von der gehobenen Statistenrolle zur Hauptactrice befördert. Nun zum Soll: Die ganzen zehn Bücher bin ich das Gefühl nicht losgeworden (im Gegenteil, es wurde immer stärker), dass hier etwas äußerst Unredliches vor sich geht: In jedem, wirklich jedem Buch wird sich über die Touristen mokiert, die unmöglich gekleidet die Straße für die immer zielstrebigen Venezianer vertopfen, die Preise in die Höhe treiben und den Einheimischen das Leben in dieser so schönen Stadt vergällen. Nur ausgesprochen unsympathische Zeitgenossen (wie Vice-Questore Patta) und die allgegenwärtige Bürokratie (meist in Gestalt eines Anrufes des Bürgermeisters) begrüßen den Tourismus als eine der wesentlichen Einnahmequellen der Stadt. Das mag auch alles stimmen. Merkwürdigerweise hat Frau Leon übersehen, dass es genau diese Menschen sind, denen sie ihre Tantiemen verdankt: den Schweizern und Österreichern, den Deutschen und Franzosen - den von ihr so gescholtenen Touristen. Der sympathische Durchschnittsvenezianer und seine Landsleute werden ihre Bücher nicht zu lesen bekommen, denn sie achtet streng darauf, dass ihre Bücher nicht auf italienisch erscheinen. Lustigerweise (denn inzwischen hatte sich diese erst verheimlichte Tatsache doch herumgesprochen) nannte ein bekannter Buchclub „Sicherheitsgründe" für dieses Tun. Übrigens Frau Leon: Sie sind ebenfalls eine Touristin, auch wenn Ihre Reise länger dauert. Sie sind amerikanische Staatsbürgerin und können im Fall irgendwelchen Ungemachs auch ganz schnell dorthin wieder zurück! Aber dies alles hat mit den Büchern selbst nichts zu tun. So leicht sie sich lesen, Spannung will -bis auf einige Ausnahmen abgesehen- so recht nicht aufkommen. Abgesehen davon, dass oft Klischees abgearbeitet werden (die Müllbeseitigungs-Mafia, die Kirche, Der Adel, die Bürokratie), tappt Brunetti meist bis zum letzten Viertel des Romans im Dunkeln, macht pünktlich Feierabend um zum geruhsamen und behaglichen Essen bei seiner Familie zu sein. (Nichts dagegen zu sagen, auch Maigret hatte seine Behaglichkeit: aber welch Klassenunterschied bei der Auflösung der Fälle!!!) Die Lösungen der Kriminalfälle sind nicht immer logisch und folgerichtig aufgebaut. Meist hilft dann ein Anruf beim allmächtigen Schwiegerpapa oder einem Menschen, der Brunetti noch einen Gefallen schuldet und die Sache kommt ins Laufen. Immer habe ich den Eindruck, sie würde dies auch tun, wenn Herr Brunetti nicht anwesend wäre. Fazit: Für mich leicht lesbare Urlaubslektüre. Für den, der mit den genannten unguten Gefühlen leben kann, ein Zeit- und Stimmungsbild von Venedig und Norditalien dieser Zeit. Man muss nicht viel denken und kann herrlich relaxen. Aber Kriminalromane - nein, das sind sie nun wirklich nicht.
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