Der Zauberberg, 15 Audio-CDs


Der Zauberberg, 15 Audio-CDs
von Thomas Mann und Gert Westphal
CD
April 2003
Verlag: Universal Music



Kommentare und Bewertungen:
Geniale Entspanntheit
Hat man sich einmal an dieses Buch getraut, eröffnet sich einem eine neue Welt. Der Zauberberg handelt von dem jungen Hans Castorp, der kurz seinen Cousine in einem (Davos) Luftkurort besuchen möchte. Der Kurze Aufenthalt wird länger und länger und mit der Länge des Aufenhalts verschwindet die Zeit und das Alltägliche Leben. Hans Castorp endeckt sich neu, trifft geistreiche Diskussionenspartner in den Schweizer Höhen und der Leser entschwindet mit Ihm in einen ruhigen Zustand. Keine Angst vor dem Namen Zauberberg. Das Buch ist ein langer Genuß.


Die Könige der Welt sind alt und werden keine Erben haben
Die Söhne sterben schon als Knaben
Und ihre bleichen Töchter gaben
die kranken Kronen der Gewalt

(Rainer Maria Rilke)

„Buddenbrooks" ist der bekannteste Roman von Thomas Mann. „Felix Krull" ist der amüsanteste. „Der Zauberberg" ist der geistreichste! Ein Buch über das Verstreichen der Zeit und die Endlichkeit des menschlichen Lebens. Über den Tod wird hier so viel nachgedacht, daß es schon ziemlich deprimierend ist. Die Handlung spielt in einem Sanatorium in einer verschneiten Gegend. Zeitlich ist die Geschichte vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelt, mit dessen Ausbruch sie dann auch abrupt endet. Die Hauptfigur Hans Castorp, die ihre besten Jahre in dem Sanatorium vergeudet, wird eingezogen und an die Front geschickt. Es bleibt offen ob Castorp wirklich krank war oder von den Ärzten zu seinem Aufenthalt überredet wurde, weil sie sich an ihm bereichern wollten. Sehr deutlich hingegen ist, daß der junge Ingenieur Castorp es in den vielen Jahren nicht schafft Eigeninitiative zu entwickeln, er lebt in den Tag hinein, vertrödelt sein Leben. In einer meiner Lieblingsstellen wird ihm seine eigene Sterblichkeit bewußt. Er betrachtet seine Hand unter einem Röntgenapparat. Doch auch diese Erfahrung reißt ihn nicht aus dem Müßiggang heraus. Thomas Mann erzählt in diesem Roman die Geschichte Europas vor dem Ersten Weltkrieg, in dem es auf den ersten Blick scheinbar nur um das Einzelschicksal eines verwöhnten Bürgersohnes geht. Europa krankte und befand sich deshalb in diesem Sanatorium. Eine schöne Metapher! Es gibt den Italiener Settembrini, der gerne und viele schöne Reden hält, sich aber niemals zum Handeln entschließen kann. Als er dann zu einem Duell gezwungen wird reagiert er hysterisch und erschießt sich selbst. Und dann gibt es da noch die schöne, verheiratete Russin, in die sich der Deutsche Castorp verliebt. Eines Tages schauen sie sich dann plötzlich nicht mehr an, reden nicht mehr miteinander und schieben die Tische auseinander. Schön = ein bewundertes, großes Land. Verheiratet = Rußland hatte ein Bündnis mit Frankreich geschlossen, Kaiser Wilhelm der Zweite hatte das Bündnis mir Rußland nicht verlängert. „Der Zauberberg" ist aber mehr als nur eine unterhaltsame Geschichtsstunde. Es gibt noch viel mehr zu entdecken. Ein intelligenter Roman, der zum Nachdenken anregt!


Ein Zeitroman
Eine Kurzrezension zu Thomas Manns "Zauberberg" zu schreiben, ist in jeder Hinsicht ein heikles Unterfangen. Denn wie einen 1000-Seiten-Roman, an dem der Autor ganze 12 Jahre (!) geschrieben hat, nämlich von 1912 bis 1924, in wenigen Zeilen zusammenfassen?

Das Hauptaugenmerk dieser Rezension werde ich aus diesem Grund auf ein Phänomen richten, das Leser mit Angst vor umfangreichen Büchern dazu animieren möge, sich der Lektüre dieses literarisch so wichtigen Buches zu widmen. Es sei gleich gesagt, daß mit der folgenden Umschreibung des Zeitaspektes nur ein winziger Teil verraten sei; die Komposition und die Architektur dieses Romans machen den Text zu einem dialogischen Meisterwerk.

"Der Zauberberg", inzwischen in fast jedem seriösen Literaturkanon zu finden, wird in mehrfacher Hinsicht ein Zeitroman genannt. Zum einen, weil der Held, Hans Castorp aus Hamburg, auf jenem Zauberberg mit den Tücken der Zeit konfrontiert wird. Insgesamt sieben Jahre dauert seine "Kur" dort. - Die ersten Monate vergehen recht langsam, jeder Tag ist gewichtig und bedeutungsvoll. Doch nach einem Jahr kann Castorp kaum fassen, wie schnell die letzten 365 Tage verstrichen sind. Die Zeit vergeht ihm immer schneller, und nur einzelne Ereignisse werden ihm lang. Hastdusnichtgesehen sind die sieben Jahre plötzlich vorbei. Doch nicht nur, weil das Phänomen der "Zeitverflugsgeschwindigkeit" eines der großen Themen dieses Textes ist, wird er ein Zeitroman genannt. Hinzu kommt, daß die Form des Textes mit seinem Inhalt harmoniert derart, daß auch dem Leser die Zeit nach und nach schneller vergeht. Der Erzähler weiß darum; er kommuniziert gar mit dem Leser darüber. Mehr noch: Die Darstellung der Zeiträume wird nach und nach kleiner, da sowohl Castorp als auch dem Leser die Zeit schneller vergeht, während die Kapitel immer länger und länger werden. Diese - ich möchte fast sagen: magische Komposition macht den Reiz des Lesens aus, ist aber, wie bereits angedeutet, eher Träger der großen Inhalte, die an dieser Stelle noch nocht verraten seien. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


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Zauberberg

 

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